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Internet-TV

Eine neue Dimension der Fernsehgeräte

Während Fernsehen über das Internet bereits weit verbreitet ist, bahnt sich derzeit ein neuer Trend an, der den Medienkonsum der Nutzer enorm verändern könnte: Die Erweiterung des Fernsehgeräts um einen Internetanschluss.

Die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender bieten bereits ein großes Archiv an Serien, Filmen und anderen Fernsehbeiträgen. Genutzt werden diese hauptsächlich über den Computer. Noch. Bald schon könnte die Entwicklung der Fernsehrgeräte eine neue Dimension erreichen.

Wir sprachen mit Prof. Dr. Wolfgang von Keitz, Professor im Studiengang Medienwirtschaft, über die Zukunft der Fernsehgeräte.

HdM-Redaktion: Internetzugang im Fernseher - Noch ein weiterer sinnloser Medientrend oder bald gängige Praxis in jedem Haushalt?

von Keitz: Internet-TV ist eine sehr wichtige Vertriebsschiene für die klassischen Fernsehanbieter und die entsprechenden Fernsehanstalten, ob öffentlich-rechtlich oder privat. Man kann davon ausgehen, dass das nicht ein irgendein zusätzlicher Zugang zum Internet ist, sondern eine ganz eigene Qualität der Internetnutzung bekommen wird. Internet im Fernsehen ist ein eigenes Produkt oder ein eigener Dienst.

HdM-Redaktion: Welche Möglichkeiten gibt es bislang mit dem Fernseher Online-Inhalte abzurufen?

von Keitz: Dies ist schon länger möglich. Auf der einen Seite gibt es eine Art Hybridmodell, d. h. dass eine ganz bestimmte Auswahl an Internetinhalten über das Fernsehgerät abgerufen werden kann. Mehr und mehr verwandeln sich die Fernseher zu Computerbildschirmen inklusive Computer, so dass auch das Internet in der ganz klassischen Form abgerufen werden kann. Bisher musste man dazu einen Laptop oder einen PC anschließen und nutzte den Fernseher ausschließlich als Monitior. Diese beiden Entwicklungen wachsen gerade zusammen. Im modernen Fernsehgerät wird man in Zukunft beides voll nutzen können.

HdM-Redaktion: Für welche Inhalte im Netz kann der Fernseher ein gutes Wiedergabemedium sein?

von Keitz: Natürlich für Filme und klassische Fernsehinhalte. Die Mediatheken der entsprechenden Rundfunkanstalten stellen Videoarchive zur Verfügung, die man früher so nicht hatte. Dann stellt sich natürlich die Frage: Muss ich das nur auf meinem PC ansehen oder darf und kann und soll ich das nicht auch wie ich es gewohnt bin auf der großen Displayfläche meines Fernsehgeräts sehen können? Hinzu kommt die Möglichkeit des zeitversetzten Fernsehens über diesen Weg. Oft sieht man bei Sendungen eingeblendet „Folge verpasst? Hier können Sie die Serie nachgucken." Dann ist es natürlich toll, wenn ich direkt an meinem Fernsehgerät per Tastendruck auf die Seite wechseln und die verpasste Serie ansehen kann. Es werden sich ganz neue Angebote entwickeln, die speziell auf Internet und Fernseher zugeschnitten sind.

HdM-Redaktion: Welche Eigenschaften muss ein Fernsehgerät mitbringen für eine optimale Internetnutzung?

von Keitz: Ein modernes Fernsehgerät ist normalerweise bereits WLAN-fähig. Einen WLAN-Router hat außerdem jeder, der zuhause einen DSL-Anschluss hat. Die Bandbreite reicht aus, um heute auch klassisches Fernsehen über das Internet sehen zu können. Mittlerweile kann man auch ohne Set-Top-Boxen Internet auf dem Fernseher sichtbar machen. In diesem Jahr ist die Entwicklung zum Durchbruch gekommen, WLAN-fähige Fernsehgeräte gibt es zu erschwinglichen Preisen, teilweise sogar mit 3D-Darstellung. In den nächsten Jahren werden das Internet und das Fernsehen so zusammengewachsen sein, dass man als Nutzer keine großen Unterschiede machen will und kann. Was sicher auch in Zukunft bei den Fernsehgeräten nicht der Fall sein wird, ist, dass man darüber E-Mails liest und versendet. Die Idee von einem Fernseher mit Tastatur als PC-Ersatz ist eher eine Vorstellung des letzten Jahrhunderts.

HdM-Redaktion: Um beispielsweise Videos aus den Sender-Mediatheken oder der Plattform Youtube anzusehen, muss man bisher die jeweiligen Seiten einzeln aufrufen. Eignet sich hierfür eine normale Fernbedienung?

von Keitz: Die Fernbedienung ist im Moment der Flaschenhals. Wenn man auf einer Fernbedienung alles abbilden will, was eine PC-Tastatur bietet, tut man sich sicher schwer. Vielleicht wird es ein ganz neues Steuergerät geben, eine Art erweiterte Fernsehbedienung mit einem kleinen Tastaturfeld, um eine URL eingeben zu können. Außerdem werden die Browser immer besser, so dass man davon ausgehen kann, dass eine erweiterte Fernbedienung ausreichen wird.

HdM-Redaktion: Hat das Internet das Zeug dazu, in naher Zukunft den Teletext zu ersetzen?

von Keitz: Der Teletext ist ein Dinosaurier unter den Kommunikationsformen, aber wie ich gelernt habe, bei jungen Leuten extrem beliebt, zum Beispiel als Fernsehzeitung. Die Erklärung liegt vielleicht auch nahe. Twitter ist ja auch ein Medium, das mit wenigen Zeichen auskommt. Der Teletext ist in dieser Richtung auch sehr spartanisch, aber er ist unglaublich schnell und leicht abzurufen. Untersuchungen zeigen aber, dass der Teletext als Rundumangebot für Informationen tot ist. Wenn ich aber schnell kurze Informationen haben will, ist das Medium ideal. Man darf auch nicht vergessen, der Teletext wird erweitert, er taucht im Internet auf und er hat inzwischen auch Schnittstellen, für beispielsweise Twitter. An diesem Punkt wird es spannend. Wenn ich dann noch eine Fernbedienung habe, mit der ich die Twitter-Links klicken kann, habe ich das, was ich eigentlich möchte: Internetinhalte wie Videos und Bilder direkt am Fernseher. Trotz seines Alters ist der Teletext stabil und sehr einfach zu bedienen, man muss ihn eben nur an die heutigen Gegebenheiten anpassen. Also ich würde ihm noch eine Weile geben.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Christina Walzner

VERÖFFENTLICHT AM

24. Januar 2011

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