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Wikipedia

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Wikipedia ist zehn Jahre alt und heute umfangreicher als jedes andere Nachschlagewerk. Was hat zu diesem Erfolg geführt, welche Ideen stecken dahinter, was gab es für Hürden? Ein kleines Lexikon über Wikipedia aus Wikipedia.

Quelle: http://www.wikipedia.de

Quelle: http://www.wikipedia.de

Eine Bauanleitung ist eine chronologische Sammlung von Anweisungen oder Informationen, die dazu dient, einen bestimmten Gegenstand oder ein Objekt anzufertigen oder herzustellen.

Man nehme den hawaiischen Begriff für „schnell“ („wiki“) und den englischen Begriff für Enzyklopädie („Encyclopedia“), füge diese aneinander und erhalte das Wort „Wikipedia“. Dann setze man eine Verwaltungssoftware online, baue das Recht für jeden Nutzer ein, die Inhalte zu bearbeiten und setze zum Schluss noch eine paar Administratoren oben drauf. Das Ergebnis: eine mächtige Online-Enzyklopädie.



Der Begriff Erfolg bezeichnet das Erreichen selbst gesetzter Ziele.

Das Ziel, das sich Jimmy Wales gesetzt hatte, war ein Lexikon, das mit den modernen Mitteln des Internets geschaffen werden konnte. Ursprünglich zog er dazu Experten heran, die für die damalige Website „Nupedia“ Artikel zu ihren jeweiligen Fachgebieten erstellen sollten. Dieses Projekt ist jedoch an mangelnder Beteiligung der Fachleute und schleppendem Fortschritt schnell gescheitert.
Erfolg verschaffte Wales erst die neue Software „Wikipedia“, die er gemeinsam mit Larry Sanger am 15. Januar 2001 startete. Damit begann das Web 2.0, bevor der Begriff überhaupt erfunden wurde. Viele Einzelautoren konzipieren, schreiben, korrigieren, erweitern und aktualisieren heute die Artikel – unentgeltlich und freiwillig. Eine Truppe von Administratoren und Korrektoren passt dabei auf, dass die Seiten sauber bleiben. Auf Grundlage dieser Idee entsteht ein riesiges Spektrum an kollektivem Wissen mit täglich hunderten von neuen Einträgen, bei dem Fehler schneller ausgemerzt werden können als bei jedem Print-Lexikon.



Der Irrtum bezeichnet im engeren Sinne eine falsche Annahme, Behauptung, Meinung oder einen falschen Glauben […].

Dennoch findet man auch auf Wikipedia − zumindest kurzzeitig − kleinere Irrtümer. So existierte mehr als zehn Monate in der englischsprachigen Wikipedia ein Artikel über die Insel Porchesia vor der syrischen Küste. Wie sich im September 2006 herausstellte, gibt es diese Insel gar nicht. Ein weiterer Fauxpas in der englischsprachigen Ausgabe betraf den an einem Hirntumor leidenden Senator Ted Kennedy. Als dieser beim Amtsantritt von Barack Obama einen Anfall erlitten und in ein Krankenhaus gebracht worden war, war fünf Minuten lang zu lesen, dass Kennedy "mit einem Rollstuhl weggebracht worden und kurz darauf gestorben" sei. Wirklich gestorben ist er allerdings erst sechs Monate später.

Auch im deutschen Wikipedia traten schon kleine Fehler auf: So hatte Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg bei Wikipedia einen Vornamen zu viel. Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Falsch ist der Vorname "Wilhelm", den ein anonymer Autor in den Wikipedia-Eintrag geschmuggelt hatte.

Nicht immer ist es aber die menschliche Unwissenheit, die in Wikipedia zu Fehlern führt: Vor Jahren hatte die Süddeutsche Zeitung ein Fälschung bei Wikipedia untergebracht, um auf die Fragwürdigkeit das Online-Lexikons hinzuweisen. So stand 36 Minuten hinter dem Satz "21. Juli 1969. Neil Armstrong betritt um 3 Uhr 56 MEZ als erster Mensch den Mond" die Ergänzung "Er fühlt sich schnell alleine, und da es nicht mal was zu trinken gibt, geht er bald wieder."



Als Tatsache (lat. factum, res facti; engl. fact, matter of fact) wird eine Situation bezeichnet, in der sich Dinge nachweislich befinden.

Wikipedia existiert heute in über 260 Sprachversionen. Über das größte Angebot verfügt die englische Ausführung der Wikipedia mit über 3,5 Millionen Artikeln. Im Vergleich dazu umfasst die deutsche Sprachversion nur knapp 1,2 Millionen Artikel.
Doch bereits dieser Informationsumfang sprengt jedes Bücherregal: Würde die deutschsprachige Wikipedia gedruckt werden, würden laut einer Statistik von 2009 etwa 447 Bände entstehen. Und das Wissen stagniert nicht: Täglich wächst die deutsche Sprachfassung um etwa 430 Beiträge.

Für diese Wissensverbreitung arbeiten allein in Deutschland rund 7.000 aktive Wikipedia-Autoren (überwiegend Männer), welche im Monat mindestens fünf Beiträge erstellen oder bearbeiten. Der erste Wikipedia-Artikel stammt von Magnus Manske und erklärt die Polymerase-Kettenreaktion. Im Durchschnitt weist ein deutscher Artikel eine Länge von 507 Wörtern auf, doch die Abweichungen nach oben und unten sind groß: Als der längste deutschsprachige Eintrag gilt der Artikel über den "Schamanismus". Mit seinen 724 Endnoten würde allein der Text (ohne Bilder) ausgedruckt etwa 137 DIN-A-4-Seiten ergeben. Der Eintrag zur „Sphinktermanometrie“ dagegen umfasst nur 14 Wörter und zählt damit zu den kürzesten Wikipedia-Artikeln.



Die Zukunft ist die Zeit, die subjektiv gesehen der Gegenwart nachfolgt.

Das Online-Lexikon gehört zu den meistbesuchten Internetseiten der Welt. Wann immer Internetnutzer nach einer Information suchen, ist Wikipedia die erste Wahl. Doch so modern Wikipedia auf den ersten Blick scheint, technisch hinkt sie der Zeit hinterher. Trotz Verlinkungen und dem offenen Autorenprozess nutzt sie das ganze Potenzial des Internets noch nicht aus - denn Wikipedia setzt immer noch weitgehend auf Handarbeit. Dies hat zur Folge, dass die Community es zwar noch ganz gut schafft, aktuelle Ereignisse, Skandale oder Katastrophen einzupflegen, dabei aber bei den weniger prominenten Themen nicht mehr hinterher kommt.

Die Lösung für das Problem könnte in der Semantik liegen. So wurde bereits vor fünf Jahren das Projekt „Semantic MediaWiki“ vorgestellt, das Wikipedia von einer Textsammlung zu einer Wissenssammlung machen könnte. Mit Hilfe von semantischen Komponenten ließen sich logische und faktische Zusammenhänge maschinenlesbar in die Wikipedia-Artikel integrieren. So könnte zum Beispiel einmal zentral festgehalten werden, dass Berlin die Hauptstadt Deutschlands ist, anstatt diesen Satz in allen Sprachen zu verfassen. Vor allem kleinere Sprachversionen würden davon profitieren und hätten ein Skelett an Fakten, auf die man aufbauen könnte. Gegenwärtig wird die Erweiterung auf über 150 öffentlichen Wikis bereits eingesetzt, ob sie jemals den Weg in die Wikipedia schaffen wird, ist allerdings ungewiss. Denn allein die Anpassung der riesigen Datenmengen wäre mit einem enormen Aufwand verbunden.

Und auch die Wikipedianer sträuben sich noch gegen den Wandel und fürchten, dass dadurch auch mehr Unsinn in die Wikipedia gelangen könnte. Denn letztlich sei die Langsamkeit des Editionsprozesses auch eine Art von Qualitätssicherung.

Ob Wikipedia in der Zukunft semantisch sein wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist aber, dass Wikipedia langsam erwachsen wird und sich hinter Brockhaus & Co nicht mehr verstecken muss. In den letzten Jahren hat Wikipedia immer mehr an Bedeutung gewonnen und damit nicht nur den Markt der Enzyklopädien, sondern auch den Umgang mit Wissen grundsätzlich gewandelt.

Claudia Langer

,

Kim Mielowsky

,

Tanja Rupp

VERÖFFENTLICHT AM

01. Februar 2011

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