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Cyberkrieg

Die Angst vor Online-Angriffen

Kriminelle, die mit einem Computerwurm ganze Nationen lahmlegen, ein Krieg mit Maus und PC statt Bomben und Gewehren: Die Diskussionen um einen möglichen Cyberkrieg werden immer lauter. Wilde Verschwörungstheorie oder ernsthafte Gefahr?

Foto: Klicker/pixelio.de

Foto: Klicker/pixelio.de

Die Diskussion zum Thema Cyber-War spaltet Internetspezialisten, Medien und die Bevölkerung in verschiedene Lager. Während die einen, die vermeintliche Gefahr müde lächelnd abwinken, entstehen bei den anderen allein beim Gedanken an das Wort kinoreife Horrorszenarien: Ein Hackerangriff legt die gesamte Stromversorgung lahm, das Informationsnetz bricht zusammen, Krankenhäuser müssen ihre Arbeit einstellen, der gesamte Verkehr liegt lahm, Flugzeuge stürzen ab, Sicherheitseinrichtungen in Atomkraftwerken fallen aus. Klingt nach der perfekten Geschichte für einen Science-Fiction-Roman. Die Angst ist jedoch nicht ganz unbegründet. 2010 bekam sie erstmals einen Namen: Stuxnet. Im Juni 2010 tauchte der Computerwurm auf und verbreitete sich rasend schnell. Sein Ziel war es, Leittechnik iranischer Atomanlagen zu sabotieren. Dies war allerdings nicht die erste Internet-Attacke, die Wirtschaftsunternehmen oder Regierungsorganisationen traf. Knapp zwei Jahre zuvor infizierte der Computerwurm Conficker unzählige Windows-Computer und legte Anfang 2009 etwa 3000 Arbeitsplatzrechner der Kärntner Landesregierung tagelang lahm. Auch mehrere hundert PC der Bundeswehr sowie der französischen Luftwaffe waren zwei Tage lang davon betroffen.

Bekannte Ziele und unbekannte Angreifer

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Thema Cyberkrieg erneut aufgegriffen. Noch im Februar will das Kabinett über Cyber-Abwehr beraten. Geplant ist dabei auch die Gründung eines nationalen Cyber-Abwehrzentrums, das beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik angesiedelt sein soll. Ein internationales Abkommen gegen Cyber-Attacken soll außerdem mehr Sicherheit bieten. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière warnt vor Angriffen im Internet. Allein die deutsche Regierung werde ca. vier- bis fünfmal pro Tag angegriffen, so Maizière in einem „Die Welt"-Interview. Das deutsche Internet sogar etwa alle zwei bis drei Sekunden. Wer hinter den Attacken steckt, ob private Hacker, Staaten oder Geheimdienste, und welche Intention verfolgt wird, bleibt offen. Was jedoch fest steht, ist, dass sowohl der Strombetrieb als auch die Gesundheitsversorgung oder der Flugverkehr von IT-Systemen abhängen.

OECD: Cyberkrieg unwahrscheinlich

Weniger dramatisch schätzt die OECD die Gefahr eines Internetkriegs ein. Einer Studie zufolge ist ein ausschließlich über das Internet geführter Krieg zwischen mehreren Staaten unwahrscheinlich. Zwar könnten Angriffe wie z.B. der Wurm Stuxnet enormen Schaden anrichten, die wichtigen Systeme seien aber zu gut geschützt. Da das Internet dezentral aufgebaut ist, treffe ein Fehler meist nur einen kleinen Teil und könne schnell beseitigt werden. So bliebe das System stabil. Eine wirkliche Gefahr drohe nur dann, wenn ein Online-Angriff als Zusatz zu einem herkömmlichen Angriff erfolge. Das Internet könnte somit Teil einer Strategie des Militärs werden, beispielsweise als Propagangawerkzeug. Die Studie ist ein Teil des OECD-Projekts „Future Global Shocks", das die Ursache und Auswirkung globaler Katastrophen untersucht.

 


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Interview mit Prof. Dr. Roland Schmitz


Quellen: Die Angst vor Online-Angriffen

http://www.focus.de
http://www.wikipedia.de
http://www.heise.de
http://www.zeit.de

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16. Februar 2011

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