DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Zum Tode von Bernd Eichinger

Deutschlands umtriebigster Filmemacher

Fast dreißig Jahre lang hat er den deutschen Filmmarkt dominiert. Seine Kritiker warfen ihm vor, zu kommerziell, zu massenkompatibel zu sein. Mit über siebzig Filmen zählt Bernd Eichinger zu den größten deutschen Filmemachern der Nachkriegszeit.

Foto: Thomas Pieruschek/aboutpixel.de

Foto: Thomas Pieruschek/aboutpixel.de

Der Erfolg seiner Filme begründe sich vor allem auf erfolgreicher PR-Arbeit, hieß es oft. Er sei nun mal ein genialer Vermarktungsstratege. Dass Eichinger mit seinen Filmen in der Regel den Nerv der Zeit traf, konnten sich seine Neider häufig nicht eingestehen. Hier ein Überblick seiner Produktionen.

Schon seine erste Arbeit als Produzent - „Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" - war so erfolgreich, dass er einen Kinohit landete. Nachdem er die Filmhochschule in München als Regisseur abgeschlossen hatte, verlegte Bernd Eichinger sich schnell auf die Produktion von Filmen. Während seiner Regisseurausbildung hatte er begonnen, für die Filme von Kommilitonen Geld zu sammeln. Er war damit so erfolgreich, dass er sich 1979 rund 25 Prozent der angeschlagenen Verleihfirma Constantin kaufen konnte, eine der wenigen, die noch nicht von amerikanischen Firmen geschluckt worden war. Er nannte sie Neue Constantin und gestaltete sie komplett um.

Der Beginn einer endlichen Geschichte

Seine nächste Produktion aus dem Jahr 1983, Michael Endes „Die unendliche Geschichte", verhalf ihm zu internationalem Ansehen. Bald folgte „Der Name der Rose", in welchem er mit Filmgröße Sean Connery zusammenarbeitete. Ursprünglich hätte Michael Caine den Part des Mönchs William von Baskerville übernehmen sollen, doch Eichinger hielt ihn nicht für die passende Besetzung. Nach drei Verfilmungen erfolgreicher Romane wurde Eichinger schnell vorgeworfen, dass er die Bestsellerverfilmungen nur wegen der Sicherheit mache, dass diese auch beim Publikum ankommen würden. Wie um die kritischen Stimmen eines Besseren zu belehren, folgten kurz darauf deutsche Kassenschlager wie „Manta, Manta" und die „Werner"-Reihe, Filme für den Massengeschmack.

Im Herzen immer ein Künstler

Trotz seiner vorrangigen Tätigkeit als Produzent und Vermarkter wollte Bernd Eichinger sich immer auch als Künstler verstanden sehen. Nachdem seine eigenen Arbeiten als Regisseur, wie beispielsweise die Maria Callas-Hommage „Der große Bagarozy" von 1999 mit Til Schweiger, nur Spott ernteten, kehrte er dazu zurück, seine Filme aus dem Hintergrund zu beeinflussen. Dass es nicht leicht war, mit ihm zusammenzuarbeiten, berichteten viele seiner Kollegen immer wieder. Häufig ließ er seinen Produzenten-Sessel direkt neben den des Regisseurs stellen, um auch am Set zu verdeutlichen, dass er nicht nur die Filmproduktion als seine Aufgabe sah: Er begleitete einen Film immer von der Idee über die Umsetzung bis zur Vermarktung.

Er bezeichnete sich deshalb auch als Filmbesessener. Das bewies er mit der Ausdauer, mit der er um die Rechte zu seinem Film „Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" kämpfte. Rund 15 Jahre lang verhandelte er mit dem Autor Patrik Süskind, der sich jedoch hartnäckig weigerte. Doch Eichinger blieb standhaft - so standhaft, dass Süskind ihn in seinem Drehbuch zum Film „Rossini" (1997) von Helmut Dietl als penetranten Produzenten verewigte, der einem Schriftsteller die Rechte an seinem Buch abzuschwatzen versucht.

Ein Münchner in Hollywood

Zuletzt war er auch im Ausland, besonders in den USA, eine beachtete Filmgröße. Im Jahr 2003 erhielt sein Film „Nirgendwo in Afrika" einen Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film". Und auch der in Deutschland stark kritisierte „Untergang", für welchen Eichinger selbst das Drehbuch geschrieben hatte, wurde ein Jahr später für den Oscar nominiert. Der Oscar 2009 ging an den Holocaust-Kurzfilm "Spielzeugland", dennoch feierte die Constantin Film die Nominierung des RAF-Epos "Baader Meinhof Komplex" mit einer rauschenden Feier. Eichinger war sehr stolz auf die internationale Beachtung, denn in Deutschland blieb ihm lange Zeit die erwünschte Bewunderung verweigert.

Fast scheint es, als habe ihm in seiner deutschen Heimat zu Lebzeiten keiner zugestehen wollen, dass seine Arbeiten den deutschen Film nicht nur am Leben erhalten hatten, sondern durchaus auch intellektuelle Herausforderungen waren.

Irina Waldmann

VERÖFFENTLICHT AM

16. Februar 2011

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren