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Cloud Computing

Arbeiten in der Wolke

Von jedem Rechner aus arbeiten, keine Programme installieren und keine Updates herunterladen müssen: Die Aussichten klingen verlockend. „Cloud Computing“ wird auf der CeBIT als Riesentrend für das Jahr 2011 gehandelt.

Fotos: Sven Cichowicz/CeBIT

Fotos: Sven Cichowicz/CeBIT

Daten und Programme sollen in Zukunft nicht mehr auf dem eigenen Computer liegen, sondern im Netz - zumindest wenn es nach der IT-Branche geht. Während es bislang nötig ist, Software auf dem heimischen PC zu installieren, liegen diese beim Cloud Computing auf Servern bereit und können von den Nutzern von jedem internetfähigen Gerät abgerufen werden - egal ob Zuhause, im Job, im Urlaub oder unterwegs mit dem Smartphone. Schon jetzt nutzt bereits jeder fünfte Internet-Nutzer einen kostenpflichtigen Cloud-Dienst, wie beispielsweise Speichermöglichkeiten, soziale Netzwerke oder Internet-Games. Nach Angaben der BITKOM geben deutsche Privatverbraucher bereits jetzt insgesamt 1,6 Milliarden Euro dafür aus. Den Begriff des Cloud Computing kennen allerdings nur wenige von ihnen, nur jeder achte User kann mit dem Begriff etwas anfangen.

Die Cloud auf der CeBIT

Die wohl größten Hoffnungen in die Datenwolke hat Microsoft. Ihr Motto auf der CeBIT lautet „Ihr Weg in die Cloud beginnt hier". Sowohl Privatkunden als auch Unternehmen sollen ihre Daten in die Cloud geben. „Cloud Services sind ein Schlüssel zur Lösung vieler gesellschaftspolitischer Herausforderungen, von der Demographie über das Gesundheitswesen bis hin zur offenen, effizienten Verwaltung. Wir wollen deshalb der Tempomacher für Cloud Computing sein", so Ralph Haupter, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, auf der CeBIT.

Wir sprachen mit Prof. Dr. Mathias Hinkelmann, Prorektor für Lehre, über Möglichkeiten und Risiken des Cloud Computing.

Die CeBIT steht unter dem Motto Cloud Computing. Die IT-Branche prophezeit den Durchbruch für das Jahr 2011. Welches Potential steckt in der Datenwolke?

Hinkelmann: Das Cloud Computing ist für mich die logische Fortführung der bisherigen Thematik der Virtualisierung. Nicht mehr die Hardware-Komponenten sind für den Benutzer wichtig, sondern einzelne Services oder Dienstleistungen.

Welche Vorteile bringt Cloud Computing dem normalen Internet-Nutzer?

Hinkelmann: Dem Privatmann bringt Cloud Computing eine höhere Verfügbarkeit von einzelnen Services. Der Benutzer ist nicht mehr für die Funktion eines Service verantwortlich. Er bezieht einen hoffentlich professionell betriebenen Service. Ein Beispiel für einen solchen Service ist die Datenspeicherung. Hier ist es für den Anwender nicht mehr relevant, wo seine Daten liegen, für ihn ist vor allem wichtig, dass die Daten verfügbar und entsprechend geschützt sind.

Erst diese Woche sind Google aufgrund eines Software-Fehlers zehntausende E-Mail-Konten abhanden gekommen. Kann man grundsätzlich sagen, dass die Daten in der Cloud unsicherer sind als zuhause auf der Festplatte?

Hinkelmann: Dieser Datenverlust von Google ist ein Problem, aber ich möchte nicht wissen, wie vielen Google-Usern, die jetzt hier betroffen waren, schon einmal Notebooks gestohlen wurden oder eine Festplatte kaputt gegangen ist und kein Back-up verfügbar war. Cloud-Services werden in aller Regel hoch professionell betrieben. Bezogen auf unser Beispiel Datenhaltung heißt das, dass die Hardware-Systeme entsprechend redundant ausgelegt sind und die Daten auch einem entsprechenden Back-up unterliegen. Wer sich schon einmal in Großrechenzentren bewegt hat, weiß, welcher Aufwand für den Schutz - physisch und logisch - der Daten betrieben wird. Gerade wenn ich einen Cloud-Computing-Service kostenpflichtig abonniere erwarte ich diesem Professionalität. Die Daten sind auf der eigenen Festplatte unsicherer, sowohl was die physische Zerstörung als auch den Angriff auf die Daten anbelangt. Ein Problem beim Cloud Computing bleibt der Datentransfer. Dies betrifft sowohl die Sicht der Sicherheit als auch die Infrastruktur. Für die individuelle Sicherheit ist der Anwender zu einem Großenteil selbst verantwortlich, indem er seinen eigenen Rechner auch weiterhin schützt, seine Firewall nur soweit öffnet, wie dies unbedingt notwendig ist und nur den Transfer nutzt, der auch entsprechend abgesichert ist. Zusätzlich muss man sehen, dass das Thema „always connected", also zu jeder Zeit mit dem Internet verbunden zu sein, eben doch nicht ganz funktioniert.

Auf welche Kriterien sollte man als Nutzer bei der Auswahl eines Cloud-Anbieters achten?

Hinkelmann: Nehmen wir zum Beispiel den Service Speicherplatz. Hier gibt es freie Varianten wie etwa Dropbox, dabei liegen die Daten dann irgendwo im Netz. Ich kann mir aber auch einen kostenpflichtigen Anbieter für einen Speicherplatz aussuchen, mir die zugesicherten Leistungsmerkmale ansehen und diese vergleichen. Beispielsweise, wie lange rückwirkend werden Back-ups vorgehalten, wie ist die Verschlüsselung des Datentransfers, welche Reputation hat das Unternehmen, wie ist das Unternehmen aufgestellt, handelt es sich um einen "Marken"- oder um einen "No-Name"-Anbieter.

Welche Vorbereitungen z.B. im Bereich Sicherheit/IT-Infrastruktur müssen noch getroffen werden, um das Cloud Computing Wirklichkeit werden zu lassen?

Hinkelmann: Eine der wesentlichen Vorraussetzungen für Cloud Computing ist die ständige und qualitativ hohe Verfügbarkeit des Internets im Sinne von hohen Datenraten, sowohl was den Download als auch den Upload anbelangt. Gerade der Upload bekommt mit dem Cloud Computing eine wesentlich höhere Bedeutung. Stuttgart hat eine gute Datenversorgung, so sollte man meinen. Solange man aber die weißen Flecken der DSL-Versorgung direkt vor den Toren der Stadt sieht, ist das Thema Cloud Computing zumindest für den Privatmann und klein- bis mittelständische Firmen ein Problem. Was die Sicherheit von Cloud Computing in Firmen anbelangt, so gehe ich davon aus, dass hier die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen und auch die rechtlichen Bedingungen im Rahmen der Vertragsgestaltung abgesichert sind. Diese Dinge sehe ich relativ unkritisch. Ich gehe davon aus, dass man zum Beispiel für einen Cloud-Service genauso ein Service-Level-Agrement schließt, wie man es mit Out-Sourcing-Partnern schon seit vielen Jahren getan hat.

Was bedeutet Cloud Computing für die IT-Branche? Welche neuen Produkte wird es demnächst geben?

Hinkelmann: Es wird sicher viele neue Services geben. Gerade hat SAP einen Cloud-Service für den Bereich Vertriebsunterstützung angekündigt. Aber ich sehe das Thema Cloud Computing für Unternehmen vor allem auch im Zusammenhang mit Green IT. Wichtig ist, dass die Kapazität von Rechenzentren optimal genutzt wird und Ressourcen zum Beispiel im Bereich der Energieversorgung entsprechend reduziert werden.

 

Christina Walzner

Quellen: Das Arbeiten in der Wolke

http://www.heise.de
http://www.bitkom.org

VERÖFFENTLICHT AM

02. März 2011

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Falk Ebert

am 03.03.2011 um 14:43 Uhr

Tolles Interview! Cloud ist ja heute bereits näher als man denkt. Ich persönlich arbeite an keinem Uni-Projekt mehr, ohne dass Google Docs und Dropbox eingesetzt werden.

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