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83. Oscar-Verleihung

Langeweile, die endlich ein Ende hatte

Jung, hip und trendy sollte die 83. Verleihung der Academy-Awards werden: Doch daraus ist nichts geworden. Flache Witze, vorhersehbare Gewinner und überforderte Moderatoren sorgten für eine langweilige Show.

Die Oscarverleihung in Los Angeles (Quelle: Flickr, tradica/Robert Bell)

Die Oscarverleihung in Los Angeles (Quelle: Flickr, tradica/Robert Bell)

Die Oscar-Verleihung 2011 hielt insgesamt wenig Überraschungen bereit. Colin Firth bekam einen Oscar als bester Hauptdarsteller in „The King's Speech" und der Preis für die beste weibliche Darstellerin ging an Natalie Portman für ihre Rolle in dem Psycho-Thriller „Black Swan". Ebenso setzte sich wie erwartet das Historiendrama „The King`s Speech" um den stotternden König George VI. gegen David Finchers Facebook-Film „The Social Network" durch.

Eine spannende Oscar-Verleihung ist anders: Erinnert man sich an die Verleihung im vergangenen Jahr, bei der sich der mit geringem Budget produzierte Kriegsthriller „The Hurt Locker" gegen den Mega-Blockbuster „Avatar" durchsetzen konnte. So wäre es auch in diesem Jahr durchaus mutig von der Academy gewesen, das moderne Zeitgeist-Drama „The Social Network" auszuzeichnen, doch das musste sich mit drei Oscars in den Kategorien „Bester Schnitt", „Beste Filmmusik" und „Bestes adaptiertes Drehbuch" begnügen.

Lediglich der Oscar für die recht konventionelle Inszenierung des Regisseurs Tom Hooper sowie die Tatsache, dass die Brüder Joel und Ethan Cohen mit ihrem Western „True Grit" ganz ohne Auszeichnung blieben, sorgte für fast schale Überraschungen.

Wenn die Jugend alt aussieht

Der 32-jährige James Franco, bekannt aus den „Spider-Man"-Filmen und „127 Stunden", und die 28-jährige Anne Hathaway („Der Teufel trägt Prada") wurden als bislang jüngste Moderatoren für die Oscar-Verleihung verpflichtet. Das junge Duo sollte frischen Wind in die Oscar-Verleihung bringen und zu Beginn schien die Wahl der Moderatoren auch durchaus gerechtfertigt. Franco und Hathaway fanden sich dank digitaler Bearbeitung in einem Einspieler wieder, bei dem sich beide in den nominierten Filmen verirrten und diese auf den Kopf stellten. Da tanzten sie die „Braune Ente" statt den „Black Swan", trafen in der „True Grit"-Kulisse auf Jeff Bridges oder ließen sich von Leonardo DiCaprio erklären, wie man in die Träume von Ex-Oscar-Moderator Alec Baldwin einbricht („Inception").

Doch was die beiden sogenannten Hosts (Gastgeber) dann aufboten, enttäuschte viele Fans. Hathaway wirkte wie ein aufgeregtes Schulmädchen und begrüßte jeden neuen Star noch enthusiastischer als zuvor. Franco twitterte während der Show hinter den Kulissen Kommentare, Fotos und kurze Videos, was ihn aber wohl zu sehr von der eigentlichen Moderation ablenkte. So wurde er im Laufe der Veranstaltung immer ruhiger und schläfriger. Und: Die Chemie zwischen den beiden stimmte einfach nicht, es fehlte an den spitzfindigen Bemerkungen zu anwesenden Stars oder der Bezug zu aktuellen Zeitgeschehen. Dazu fehlte den Jungstars aber wohl der Mut.

Die wenigen Highlights

Die eher mäßige Moderationsleistung wurde besonders durch den kurzen Auftritt des mehrfachen Oscar-Moderators Billy Crystal deutlich: In den wenigen Minuten, in denen er den 18-maligen Comedian und Moderator Bob Hope ehrte, bewies er mehr Humor als die Gastgeber während der ganzen Show. Auch dem Publikum entging das nicht und es spendete Crystal auffallend viel Beifall.

Es waren vor allem die Laudatoren, die für die Lacher und den nötigen Glamour an diesem Abend sorgten: So zum Beispiel Helen Mirren und ihr Co-Laudator Russell Brand, die den besten fremdsprachigen Film präsentierten. Mirren sagte etwas auf französisch, worauf Brand übersetzte: „Sie hat gerade gesagt: Meine Darstellung als Queen war viel realistischer als die von Colin Firth als König". Mirren reagierte darauf hin mit einem: „Tu es un idiot". Auch der Auftritt von Kirk Douglas, der Melissa Leo den Oscar für die beste Nebendarstellerin überreichte, zögerte die Verkündung außerordentlich lange hinaus, was das Publikum zum Lachen brachte. „Ich erinnere mich noch genau an diese Momente", schäkerte der 94-Jährige, der sichtlich Spaß an seinem Auftritt hatte. „Dreimal, und jedes Mal habe ich verloren."

Merklich uninspiriert wirkten dagegen in diesem Jahr die Dankesreden der Preisträger. Beinahe jeder spulte die üblichen Listen vom Produzenten über den Tonmann bis zur Familie herunter. Melissa Leo rutschte in ihrer Rede das F-Wort raus: „Als ich vor zwei Jahren Kate Winslet dabei zugesehen habe, hat es so 'fucking easy' ausgesehen." Aber das war im amerikanischen Fernsehen natürlich, pieps, nicht zu hören.

Unpolitisch und handzahm

Die gesamte Show ging überraschend unpolitisch über die Bühne. Anders als bei früheren Galas blieben die rhetorischen Spitzen und politischen Anspielungen weitestgehend außen vor. Nur Regisseur Charles Ferguson, der für seinen Dokumentarfilm „Inside Job" über die Finanzkrise ausgezeichnet wurde, wagte ein kleines politisches Statement und kritisierte, dass „auch drei Jahre nach der Krise noch kein einziger der verantwortlichen Bankenmanager im Gefängnis sitzt".

Doch ob eine ähnlich unpolitische, nette und weniger glamouröse Gala das Interesse der Fernsehzuschauer im nächsten Jahr erneut weckt, scheint fraglich. Schon in diesem Jahr musste der Sender ABC eine sinkende Einschaltquote hinnehmen: Mit 37,6 Millionen Zuschauern lag sie um neun Prozent unter der Vorjahresquote.

Tanja Rupp

Die Oscar-Gewinner 2011

Bester Film: "The King's Speech"
Beste Regie:
Tom Hooper für "The King's Speech"
Bester Hauptdarsteller:
Colin Firth in „The King's Speech"
Beste Hauptdarstellerin:
Natalie Portman in „Black Swan"
Beste Nebendarstellerin:
Melissa Leo in „The Fighter"
Bester Nebendarsteller:
Christian Bale in „The Fighter"
Bestes Original-Drehbuch:
David Seidler für „The King's Speech"
Bestes adaptiertes Drehbuch:
Aaron Sorkin für „The Social Network"
Bester Animationsfilm:
Lee Unkrich für „Toy Story 3"
Bester fremdsprachiger Film:
Susanne Bier für „In einer besseren Welt", Dänemark
Bester animierter Kurzfilm:
Shaun Tan und Andrew Ruhemann für „The Lost Thing"
Bester Kurzfilm:
Luke Matheny für „God Of Love"
Bestes Szenenbild:
Robert Stromberg und Karen O'Hara für „Alice im Wunderland"
Beste Kamera:
Wally Pfister für „Inception"
Bestes Kostümdesign:
Colleen Atwood für „Alice im Wunderland"
Bester Dokumentarfilm:
Charles H. Ferguson und Audrey Marrs für „Inside Job"
Bester Dokumentar-Kurzfilm:
Karen Goodman und Kirk Simon für „Strangers No More"
Bester Schnitt:
Angus Wall und Kirk Baxter für „The Social Network"
Bestes Make-Up:
Rick Baker und Dave Elsey für „The Wolfman"
Beste Filmmusik:
Trent Reznor und Atticus Ross für „The Social Network"
Bester Filmsong:
Randy Newman mit „We Belong Together" in „Toy Story 3"
Bester Ton:
Lora Hirschberg, Gary Rizzo und Ed Novick für „Inception"
Bester Tonschnitt:
Richard King für „Inception"
Beste visuelle Effekte:
Paul Franklin, Chris Corbould, Andrew Lockley und Peter Bebb für „Inception"

Quellen: 83. Oscar-Verleihung

http://oscar.go.com/
http://www.nydailynews.com

VERÖFFENTLICHT AM

02. März 2011

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Peter von Bergen

am 06.03.2011 um 09:01 Uhr

Warum habe ich nur das Gefuehl, dass ich diesen Artikel bereits auf SpOn, Sueddeutsche, nTV uvm. gelesen habe? Guttenberg laesst Gruessen!

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