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Katastrophe in Japan

Hilfe und Trauer im Web

Statt Häme oder Kritik: In Krisenzeiten wird das Internet zum Spendenaufrufportal, zum Suchdienst für Vermisste, zum Ort des Mitgefühls. Nie kamen erschütternde Bilder einer Katastrophe schneller bei Menschen auf der ganzen Welt an.

Screenshots: Facebook, Twitter

Screenshots: Facebook, Twitter

Während das Netz in den vergangenen Monaten mit den WikiLeaks-Diskussionen, der umstrittenen Datenschutzpolitik von Facebook oder der Blog-Schleichwerbeaffäre hauptsächlich negative Schlagzeilen gemacht hat, scheint die Katastrophe in Japan ein Gegenbeispiel zu liefern. Menschen aus aller Welt nehmen Anteil und spenden für die Unglücksopfer, viele Japaner forschen im Web nach Vermissten oder informieren sich gegenseitig über die aktuelle Strahlenbelastung im Land.

Die Welt nimmt Anteil

Die Erde bebt kaum eine Minute und schon finden sich zahlreiche Tweets auf Twitter, das sich in dieser Katastrophe als eines der schnellsten Nachrichtenmedien herausstellt. Zu den international meist genannten Hashtags zählen momentan #tsunami, #japan, #sendai und #japanquake. Auf Youtube zeigt unter anderem der Kanal „Citizentube" stetig neue Videos, die Menschen mit ihren Handy-, Digital-Kameras oder Camcordern vor Ort aufgenommen haben. Die amateurhaften Bilder und nach Hilfe rufenden Tweets verbreiten sich ungefiltert und erzeugen eine Nähe zu dem Geschehen, die vor Twitter & Co. undenkbar gewesen wäre. Viele Nutzer senden ihr Mitgefühl über die Social Networks. Außerdem steigt auch die Zahl der Atom-Gegner stetig an. Die Facebook-Gruppen „Gegen Atomkraft" und „Atomkraft? Nein Danke!" gewinnen zunehmend Mitglieder mit aktuell insgesamt etwa 68.000 Personen. Aber auch Gegenpositionen wie der Brief „Why I am not worried about Japan's nuclear reactors" werden zahlreich angeklickt und weiter verbreitet.

Spendenaufrufe im Netz

Bereits wenige Stunden nach Bekanntwerden der Katastrophe sind im Internet die ersten Spendenseiten für die Opfer eingerichtet. Im US-iTunes-Store von Apple können Nutzer einen Betrag zwischen fünf und 150 Dollar auswählen und diesen spenden. Auch bekannte Organisationen wie etwa das Deutsche Rote Kreuz, Caritas International und die Katastrophenhilfe der Diakonie rufen zur Online-Spende auf. Einen eher ungewöhnlichen Weg wählt dagegen Facebook: User können in Spielen wie zum Beispiel „Farmville" oder „Cityville" Geld spenden, indem sie virtuelle Gegenstände kaufen. Der Erlös geht an den Japan-Hilfsfonds und die Organisation „Save the Children".

Vermisstensuche per Mausklick

Ein Google-Tool, das sich bereits bei Naturkatastrophen in der Vergangenheit, wie zuletzt dem Erdbeben in Christchurch in Neuseeland, bewährt hat, hilft nun wieder bei der Suche nach Vermissten: Der „Person Finder" verfügt derzeit über rund 190 000 Einträge zu Vermissten. In Japan können die Menschen Informationen über vermisste Familienangehörige und Freunde eintragen oder nach einer Person suchen. Auch das Rote Kreuz hat einen Suchdienst geschaltet. „Family Links" ist schon seit 1999 bei Kriegen und Katastrophen im Einsatz. Familien können wieder zueinander finden, und Personen können sich als „lebend" melden. Wer allerdings in zerstörten Gebieten Hilfe oder Nahrungsmittel benötigt, kann via Twitter eine Nachricht an #j_j_helpme senden. Der Tweet wird dann direkt an die Rettungskräfte weitergeleitet.

Landesinterne Kommunikation

Kurz nach dem Erdbeben brach das Telefonnetz zusammen, sodass die Menschen auf eine andere Informationsquelle zurückgreifen mussten - das Internet. Ein Autor der englischsprachigen Website „Timeout Tokyo" schreibt kurze Zeit nach dem Beben: „Das einzige, was zu funktionieren scheint, ist Twitter". Doch die Menschen informieren sich nicht nur via Twitter, auch zahlreiche andere Websites geben Auskünfte, wie das Chaos zu bewältigen sei. Dennoch scheinen die Menschen außerhalb Japans mehr zu wissen als in Japan selbst. Um sich auf dem Laufendem zu halten, posten Japaner in der Facebook-Gruppe „Tokyo Radioactive NOW" eigene Messungen zur radioaktiven Strahlung, die sie vor Ort durchgeführt haben.

 

Claudia Langer

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Christina Walzner

VERÖFFENTLICHT AM

15. März 2011

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