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Innovationsdenken

Kopieren und plagiieren statt neu erfinden

Innovationen gelten als Treiber für Unternehmen und Wirtschaft. Dass diese kopiert werden, wird stattdessen verpönt und gilt als Tabu. Dabei beruhen viele erfolgreiche Produkte auf Imitationen. Ein Grund dafür, einmal aus einer anderen Perspektive auf das Thema Innovation zu schauen.

Quelle: www.pixelio.de

Quelle: www.pixelio.de

Das iPad 2 ist da. Lange Schlangen vor den Verkaufsständen in den USA und eine starke Medienpräsenz beweisen zum wiederholten Male den Erfolg von Apples Produkten. Dabei haben sie, nimmt man es genau, ja eigentlich nur geklaut. Und sie sind nicht die einzigen, die kopieren - ein heikles Thema zu Zeiten, in denen unser Ex-Verteidigungsminister genau aus diesem Grund zurücktreten musste. Doch Imitieren muss nicht immer illegal, nicht gleich ein Ideenklau und nicht zwangsläufig Betrug sein. Richtig umgesetzt kann man damit sogar sehr erfolgreich sein.

Erfolg durch Kopieren

Bleiben wir beim Beispiel Apple. Nach der Marktforschungsgruppe Millward Brown liegt die Marke Apple auf Platz drei der wertvollsten Marken der Welt. Ihr Erfolg beruht dabei nicht auf radikalen Innovationen, sondern auf einer Mischung von geschicktem Imitieren, einem guten Zeitgespür und der richtigen Kommunikation. Berüchtigt ist das Beispiel des MP3-Players. Schon 1995 wurde er von deutschen Wissenschaftlern am Frauenhofer-Institut erfunden und patentiert. Aber erst Apples Nachahmer iPod, der sechs Jahre später zum ersten Mal vom Band lief, wurde zum Verkaufsschlager. Ähnlich verlief es auch beim Tablet-PC. Einen ersten Vorläufer, das Dynabook, gab es schon in den 1960er und 70er Jahren. 2005 zeigte Microsoft erste Versionen von Tablet-PCs, die mit den Fingern bedient werden können. Doch erst Apples iPad, neu ausgestattet mit einem fingerbedienbaren Embedded-System und einer geschlossenen Hardwarearchitektur, schaffte Anfang 2010 den Durchbruch und revolutionierte damit die IT-Branche. Hier hat Apple also zweimal geschickt imitiert. Vom guten, alten Fax-Gerät gibt es bei dessen Markteinführung eine ähnliche Entwicklung schon in den 80er Jahren zu berichten.

Imitation muss nicht gleich Betrug sein

Sind solche Markteinführungen also fragwürdig, rechtswidrig, beruhen auf der Schädigung des Erfinders, Urhebers? Genau hier beginnt die Kontroverse, denn die Übergänge zwischen legalem und illegalem Verhalten verlaufen oftmals fließend. Marcus Boon schreibt in seinem kürzlich bei Harvard University Press erschienenen Buch „Lob des Kopierens", dass wir uns erst darüber im Klaren sein müssen, was „Kopieren" überhaupt ist, bevor wir uns mit rechtlichen und moralischen Abgrenzungsfragen auseinandersetzen. Denn Kopieren, ohne schon von Klauen zu sprechen, muss nicht immer schlecht sein. Schließlich haben schon wir Menschen dadurch unser evolutionäres Überleben gesichert. Auch die Weiterentwicklung von Gesellschaften und politischen Systemen beruhten darauf, Kenntnisse der Errungenschaften und Techniken anderer zu übernehmen. Selbst elementare Dinge wie Sprache und Sozialfähigkeit lernen wir von unseren Eltern durch pures Nachahmen.

Lob auf die Kopie

Eine Lobeshymne auf Imitationen findet sich auch in dem jüngst erschienenen Buch „Copycats" des US-amerikanischen Soziologen und Ford-Manager Oded Shenkar, der schon im Titel schreibt „Gut kopiert ist besser als teuer erfunden". So gibt er zum Schluss sogar zehn Ratschläge für erfolgreiches Plagiieren. Aber auch er grenzt explizit den Betrug von der Imitation ab. Kopieren sei nur dann vertretbar, wenn es helfe, eine Idee zu optimieren. Genau genommen kann man hier sogar schon von einer sogenannten „Inkrementellen Innovation" sprechen. Auch hier zeigt sich, dass die Grenzen zwischen Innovation und Imitation äußerst unscharf sind.

Wertschätzung der Imitation und des Plagiats

Was sowohl Boon als auch Shenkar erreichen wollen, ist ein Umdenken: weg von der Sichtweise des Lobes auf ein einzigartiges, schöpferisches Genie und dessen Verteidigung - hin zur Anerkennung des kreativen Plagiierens. Denn es ist schließlich auch eine Kunst, ein Produkt oder eine Idee sinnvoll zu optimieren. Ebenso bedarf es eines gewissen Know-Hows, den richtigen Zeitpunkt und Kontext zu erkennen, wann und wie ein Produkt, eine Idee und ihre Weiterentwicklungen eingeführt werden können - siehe Apple.

 

Quellen:

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2011-03/copycats-rezension

http://inpraiseofcopying.wordpress.com/

 

Vielen Dank auch für die Lektüre der Seminararbeit von Michael Burkhart, Marc Grau, David Maus und Leona Ott zu dieser Thematik.

 

Claudia Langer

VERÖFFENTLICHT AM

18. März 2011

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