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Jugendzeitschriften

Print ist Trumpf?

Es geht ums Überleben. Besonders die Auflage des Branchenprimus „BRAVO“ schwächelt. Kostenlose Jugendzeitschriften wie der „Spiesser“ drängen auf den umkämpften Markt. Nun auch noch „yuno“aus dem Verlagshaus Gruner+Jahr. Feuer frei.

Quelle: pixelio.de

Quelle: pixelio.de

Glaubt man vielen Prophezeiungen, dann naht das Ende der gedruckten Jugendzeitschrift. Einst Objekt der jugendlichen Begierde, ist sie heute eher ungelesen im Altpapier zu finden. Zukunft ungewiss! Wie generiert man Begeisterung für ein Produkt, das wie ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert anmutet? Doch die Blütezeit der Jugendzeitschriften ist noch lange nicht vorbei!

„BRAVO"- Leitmedium einer ganzen Generation

Einst fieberten ganze Scharen von Teenies ihrem wöchentlichen Erscheinungsdatum entgegen. Kurz danach war sie ausverkauft und die Jugendlichen hielten stolz die neuesten Star-News, die Fotolovestory oder ein weiteres Puzzlestück des „BRAVO" Starschnitts in den Händen. Im Jahr 2011 hat die „BRAVO" zirka 4 Mal so viele Jahre auf dem Buckel wie ihre Leserschaft. Mit 55 Jahren scheint die Printausgabe der „BRAVO" wie ein Dinosaurier, der vehement ums Überleben kämpft.

Je älter die „BRAVO" wird, desto weniger Leser hat sie. Im Jahr 1996 hatte die „BRAVO" eine sensationelle Auflage von 1,4 Millionen. Heute lesen sie nur noch knapp 400.000 Jungendliche pro Woche. Sind die Themen nicht mehr zeitgemäß? Doch, die „BRAVO" fährt immer noch das bewerte redaktionelle Konzept wie einst. Teenigerechte Ressortaufteilung. Man denke an Dr. Sommer, der auch heute noch mit Rat und Tat zur Seite steht. Gepaart mit allerhand Stories über „Celebrities" und „Wannabes", eigentlich ein Erfolgsgarant.

Schreckgespenst Web 2.0

Die eigene „BRAVO"-Homepage in Kombination mit „BRAVO"-Accounts auf Twitter sowie bei sozialen Netzwerken wie Facebook und SchülerVZ bieten derart viele Informationen über die heißgeliebten Idole, dass der Kauf der Printausgabe oftmals überflüssig erscheint. Wer mit wem, was und warum, die Jugend von heute wird täglich neu informiert. Doch das Internet bietet keine Stars zum Aufhängen. Der hippe Teenie tapeziert immer noch gerne die Wände seines Zimmers mit Postern, ganz zum Verdruss der Eltern. Auch das heimliche Lesen der gedruckten Ausgabe unter dem Tisch während der Schulstunde bietet Flair und weckt Emotionen.

Das Haifischbecken der Teeniemagazine

Die Gefahr für die „BRAVO" besteht vielmehr darin, dass sie ihr Monopol von einst längst verspielt hat. Wer kennt nicht „Popcorn", „Pop Rocky" oder „Yam"? Sie alle buhlen um das junge Publikum mit einem mehr oder weniger identischen Konzept. Neben bundesweit erhältlichen Magazinen, sprießen auch immer mehr regionale Produkte wie Pilze aus dem Boden. Zum Beispiel „Yaez" ein in Baden-Württemberg und Hessen beheimatetes Regionalprodukt mit einer Auflage von über 100.000 Exemplaren. Auch immer mehr Gratis-Magazine wie „Unicum-Abi" oder „fluter" werden angeboten und werben so die junge Leserschaft zusätzlich ab.

„BRAVO" macht Jagd auf „Spiesser"

Insbesondere das kostenlose Jugendmagazin „Spiesser" versetzt den Mutterkonzern der „BRAVO", die Bauer Media Group, in Aufregung. Das Problem: Der „Spiesser" mit einer Gesamtauflage von 800.000 Exemplare, liegt an vielen Schulen gratis aus. Die „BRAVO"-Juristen wollen jetzt Klarheit, auf welcher rechtlichen Grundlage die Verbreitung des „Spiessers" erfolge. Sollte man keine Antwort erhalten, sehe man sich gezwungen, die jeweilig zuständige Behörde zu informieren. Das Problem bestehe laut der Bauer Media Group darin, dass es sich bei dem „Spiesser" um eine anzeigenfinanzierte und somit um eine kommerzielle Zeitschrift handele. Der „Spiesser-Verlag" sieht sein Verhalten durch die im Grundgesetz verankerte Pressfreiheit gedeckt. Es sei auch nicht von Bedeutung, dass der „Spiesser" anzeigenfinanziert sei. Denn nur der jeweilige Schulleiter entscheide darüber, welche Druckprodukte an seiner Schule ausliegen. Das Ende dieses Streits ist ungewiss.

Zukunftsmodell „yuno"

Nach zwei erfolgreichen Testläufen im vorigen Jahr und einem durchweg positiven Feedback der Leser und Eltern erscheint seit dem 14. April 2011 „yuno", die junge Ausgabe des Sterns zweimal pro Monat. Zielgruppe sind Jugendliche ab 10 Jahren. „yuno" wartet mit einem neuen redaktionellen Konzept auf. Es gibt keine klassische Trennung zwischen Popkultur und Wissen. Der junge Leser soll durch gehaltvolle Berichterstattung, verbunden mit beeindruckenden Bildern, überzeugt werden. Der Dialog mit der jungen Zielgruppe steht im Fokus. Auf der Facebook-Seite von „yuno" können die Teenies nicht nur News lesen oder Kommentare posten, die Redaktion lädt auch zur interaktiven Mitgestaltung des Hefts ein. So wird Kundenbindung generiert. „yuno"-Verlagsleiterin Antje Schlünder äußert sich wie folgt: "Die Reaktionen der Käufer am Kiosk und unserer Werbekunden haben uns sehr gefreut. Das Konzept hinter 'yuno' wurde gleich verstanden, was zeigt, dass genug Neugier am Markt vorhanden ist, um ein neues Printkonzept für Jugendliche wirtschaftlich umzusetzen."

Die Zukunft der einst heißgeliebten Jugendzeitschriften ist noch ungewiss. Trotz neuer Formate, mag kaum jemand eine Zukunftsprognose abgeben. Eines ist sicher, falls das Leitmedium „BRAVO" scheitert, wird aller Voraussicht nach die ganze Spezies Jugendzeitschrift mit ihr untergehen.

Quelle:

Spiegel 15/2011
www.presseportal.de/pm/6329/2026552/gruner_jahr_stern
www.jugendmagazine.com/uebersicht-magazine.html

 

 

 

Nadine Steinhübel

VERÖFFENTLICHT AM

27. April 2011

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