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Zeitungsexperiment

„Kontext: Wochenzeitung“ in der Landeshauptstadt

Ein neues Wochenblatt soll die Zeitungslandschaft in Stuttgart bereichern. Finanziell getragen wird es von Stuttgartern, darunter Prominente wie Walter Sittler oder Edzard Reuter. Die ersten Ausgaben sind erschienen und geben Aufschluss über die Richtung und Inhalte der lokalen Zeitung.

„Kontext: Wochenzeitung" heißt das neue Projekt, das die Zeitungslandschaft journalistisch vielfältiger machen will. Die Zielsetzung des Blattes: gegen aktuelle Trends gehen. Immer mittwochs gibt es eine Online-Ausgabe, die mit anderen Online-Zeitungen nicht viel gemeinsam hat, denn sie beinhaltet lange Texte. Auch Animationen oder grafische Aufbereitungen fehlen. Die Aufmachung wirkt fast ein bisschen altmodisch. Chefredakteur Josef-Otto Freudenreich schreibt in seinem Editorial der ersten Ausgabe, Kontext wolle bewusst altmodisch sein, als ein „Gegenmodell zur Atemlosigkeit, mit langen Texten". Den Redakteuren von Kontext geht es nicht darum, dem Mainstream zu gefallen. Sie sehen ihr Projekt als ein Experiment an, mit interessanten, tiefgründigen Geschichten, die die Menschen in anderen Medien nicht bekommen.

Klare Positionierung

Eine lobenswerte Idee, doch welche Geschichten sind damit gemeint? Chefredakteur Josef-Otto Freudenreich war ehemals Chefreporter bei der Stuttgarter Zeitung. Ihn störte die Berichterstattung über das Bahnhofsprojekt - wohl einer der Gründe, warum er eine eigene Zeitung herausbringen wollte. Einer der finanziellen Unterstützer von Kontext ist Schauspieler Walter Sittler, den Stuttgarter mit seinem Engagement im Rahmen der Proteste gegen Stuttgart 21 verbinden. Und natürlich ist Stuttgart 21 ein Thema in dieser Lokalzeitung aus Stuttgart. Es wird außerdem deutlich, welche Position die Redaktion vertritt. Sowohl, wenn es um das Bahnhofsprojekt geht, als auch, wenn die Wahlergebnisse der Landtagswahlen im März kommentiert werden.

Kein Protestblatt

Trotzdem wäre es falsch, Kontext als linke oder als Öko-Zeitung, ebenso als Organ der sogenannten „Wutbürger" zu bezeichnen. Die Zeitung kommt nicht als Protestblatt daher. Richtig ist, dass Kontext aus einer Oppositionshaltung heraus entstanden ist - Opposition gegen die bestehenden Stuttgarter Medien und die Stuttgarter Politik. Nichtsdestotrotz wird Kontext dem eigenen Anspruch gerecht, unabhängig zu berichten. Die Zeitung vertritt zwar Positionen, gleichermaßen machen sich die Redakteure aber ernsthaft Gedanken darüber, wie es weiter geht in Stuttgart und im „Ländle". Auch den Grünen und der SPD werden kritische Worte gewidmet, wenn die beiden Parteien auch besser wegkommen als die CDU und der „schwarze Filz". Die Artikel, Reportagen und Hintergrundberichte sind interessant und spannend zu lesen. Thematisiert werden zum Beispiel polizeiliche Fehlermittlungen, Schicksale von Menschen oder die Medienskepsis der Bürger. Durch Kontext wird die Zeitungslandschaft in Stuttgart in der Tat bereichert und journalistisch vielfältiger.

Eine Frage des Geldes

Größere Sorgen als die Berichterstattung wird den Redakteuren wohl die dauerhafte Finanzierung ihrer Zeitung bereiten. Kontext ist nicht werbefinanziert und erscheint kostenfrei mittwochs im Netz und samstags als vierseitige DIN A3-Beilage der ‚taz'. Finanziert wird die Zeitung ausschließlich durch Spender. So will Kontext seine Unabhängigkeit von der Wirtschaft und von Lobbyisten wahren. Die Abhängigkeit von wohl gesonnenen Geldgebern ist dafür umso größer. Ob die Unterstützung durch Spenden tatsächlich ausreicht, ist fraglich. Schließlich wollen gute Journalisten auch für ihren Job bezahlt werden.

Corinna Kramm

VERÖFFENTLICHT AM

05. Mai 2011

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