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Hochschule der Medien

Netz-Identität

Das eine Ich im Netz

Die Zeiten der Nicknames neigen sich dem Ende zu, aus den verschiedenen Identitäten auf den Plattformen wird eine einheitliche Netz-Identität. Dies erspart ewiges Ein- und Ausloggen, kann das „Alter Ego“ aber auch verraten.

Dieter Schütz  / pixelio.de

Dieter Schütz / pixelio.de

Waren das noch Zeiten als wir mit Kosenamen wie „Piepmaus66", „Sternchen87" oder „Grinsekatze" im Netz unterwegs waren. Zeiten, in denen wir regelmäßig den Link „Passwort vergessen?" anklickten oder uns gänzlich die Login-Daten inklusive Nickname verloren gingen. Auch heute benötigt man zwar noch für viele Plattformen eigene Login-Daten, dennoch zeigt sich ein Trend zum Universalaccount und damit auch zu einer einzigen Identität im Netz.

Keine multiple Persönlichkeit mehr im Netz

2008 erschien im Juli ein Artikel auf Spiegel-Online mit dem Titel: „Das digitale Ich liegt in Scherben". Hier ist von der multiplen Persönlichkeit der Internet-Nutzer die Rede, die heute - drei Jahre später - auszusterben scheint. Stattdessen fängt unsere Identität an, sich zu zentralisieren. Bei Youtube loggt man sich mit dem Google-Account ein. Auf jeder Seite mit dem Gefällt-mir-Button von Facebook ist man - falls dort zuvor eingeloggt - automatisch auch mit seinem Profil verbunden. Die Datenspuren auf den verschiedenen Websites fügen sich durch das „Single-Sign-On" zu einem großen Ganzen zusammen.

Einfacher, aber transparenter

Das erscheint im ersten Moment praktisch: Man muss sich keine hundert Anmelde-Daten merken und sich nicht ständig ein- und ausloggen. Vorteile schöpfen daraus insbesondere die werbetreibenden Unternehmen, sowie die Plattformen, die diese bedienen. Für solche ist eine einheitliche Identität mit allen Interessen, Vorlieben und Kontakten, die dadurch einen Zusammenhang bekommen, viel nützlicher.

Andererseits werden die Nutzer transparenter und geben dadurch automatisch mehr von sich preis. "Vielen Usern wird dies egal sein. Gerade weil sich im Moment vieles auf Facebook konzentriert, gibt es natürlich auch einen hohen sozialen Druck, dabei zu sein und mitzuspielen, selbst wenn man dabei Bauchschmerzen hat," meint Roland Schmitz, Professor für Internet-Security im Studiengang Medieninformatik an der Hochschule der Medien.

Plattformen müssen sich an AGBs halten

Dennoch müssen sich die Firmen an ihre eigenen AGBs halten, wenn es um den Datenschutz geht. „Daten aus einem geschützten Facebook-Profil dürfen also nicht ohne weiteres weiter gegeben werden," sagt Schmitz. Das sehe bei öffentlichen Profilen anders aus. Dadurch, dass diese Daten frei zugänglich seien, können sie auch gesammelt und verarbeitet werden.

Wir halten fest: Die Anonymität geht verloren. Also gilt es abzuwiegen: Bequemlichkeit gegen Datensicherheit.

 

 

Claudia Langer

VERÖFFENTLICHT AM

11. Mai 2011

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