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Neue Medien

iPad statt Teddy und Bauklötze

Das iPad hält Einzug in bundesdeutsche Kindeszimmer. Säuglinge konsumieren Apps bereits so selbstverständlich wie die Muttermilch. Wie wirkt sich die frühe Digitalisierung auf die kognitive Entwicklung der Babys aus?

Foto: pixelio.de/olga meier-sander

Foto: pixelio.de/olga meier-sander

Bereits vergangenes Weihnachten wünschten sich die Sechs- bis Zwölfjähringen nichts sehnlicher als ein iPad. Dank des iPads sank das Computereinstiegsalter von sieben Jahren auf sage und schreibe acht Monate. Damit nimmt das Phänomen „Digital Natives" immer bizarrere Formen an: Kaum geboren, werden die Säuglinge von heute bereits mit einem High-Tech Gerät wie dem iPad konfrontiert.

Die neue Spielwiese der Säuglinge

Das iPad nimmt die uralte Zeigegeste des Menschen auf und kann ohne Tastatur und Maus bedient werden. Das Prinzip ist so einprägsam, dass es sogar Tiere verstehen. „Wenn die Kinder imstande sind, gezielt zu greifen, können sie im Prinzip auch mit dem Gerät umgehen", sagt Moritz Daum, Psychologe am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. Daher können bereits Säuglinge ab acht Monaten den innovativen Flachcomputer problemlos bedienen. Sie entwickeln schnell ein technisches Gespür für das Gerät. Die Kleinen drücken, patschen oder klopfen fröhlich auf das Display und auf wundersame Weise können sie mit ihren Fingern Symbole zum Leben erwecken. Dank der virtuellen Tastatur zerstäuben beispielsweise Schatzkisten in abertausende Sterne. Auch digitale Bilderbücher sind der Renner in der infantilen Medienwelt. Bereits im frühen Kindesalter begeben sich die „kleinen Racker" in eine digitale Scheinwelt, die mit allerhand verheißungsvollen Spieloptionen lockt.

Frühkindliche Digitalisierung versus kognitive Störung

Nicht nur Psychologen stellen sich die Frage, ob die Kleinsten die digitalen Eindrücke verarbeiten können, oder die infantile Welt durch digitale Impressionen aus den Fugen gerät. Eigentlich lernen die Kinder gerade erst mit Bauklötzen umzugehen oder begeben sich auf erste Entdeckungsreisen in der realen Welt. Bereits die Fernsehsendung „die Teletubbies" setzte Kognitionsforscher und Eltern in helle Aufregung. Doch mit dem iPad sind die Bedenken noch größer geworden. Während die „Kiddies" im analogen Zeitalter nur vor dem Fernseher saßen, sind sie heute mittendrin in der digitalen Bildschirmwelt. Dort gelten andere Gesetze als im „real life". Der Programmierer hat die Macht und bestimmt somit, ob ein Hund bellt oder ob ihm aus purer Arbitrarität der Laut einer Kuh zugeordnet wird. Doch wie reagieren die Kinder auf die Diskrepanz zwischen digitaler und realer Welt? Im frühkindlichen Alter neigt der Mensch dazu, jede neu entdeckte Regel auf alles Erdenkliche anzuwenden. Daraus resultieren Wörter wie „gehte" statt „ging". Oder oftmals halten die „Digital Borns" die reale Welt für ein übergroßes iPad. In verheißungsvoller Erwartung patschen sie auf alle blinkenden Flächen und reagieren verwundert, wenn nichts geschieht. „Unsere Iduna hat es nach dem iPad auch mit dem Fernseher und dem Notebook probiert", sagt die Verlegerin Kirstin Hofkens. Doch mit der Zeit lernen die Kinder die Sphären auseinander zu halten. Sie können unterscheiden ebenso wie sie in der Lage sind eine zweite Sprache zu erlernen.

Haben „Digital Borns" Mangelerscheinungen?

Im Vergleich zu den realen Entdeckungsmöglichkeiten bietet das iPad nur begrenzt Abwechslung. Niemals können die Youngsters die Beschaffenheit eines Gegenstands erfühlen. Sie bemerken somit auch nicht, dass viele Objekte universell einsetzbar sind. Beispielsweise können sich Topfdeckel zum Krachmachen eignen, aber nach mehrmaligem Probieren vielleicht auch als Schaufel im Sandkasten oder als Schild im Ritterspiel. „Diese Aha-Erlebnisse, mit denen Kinder ihr Weltwissen erweitern, fehlen am Computer" es lässt sich nur nachvollziehen, was der Programmierer vorgegeben hat", sagt Haug-Schnabel. Folglich kann die Kreativität der Jüngsten leiden. Sofern den Kindern jedoch genug Zeit bleibt, die reale Welt zu entdecken, sei ein gewisser Medienkonsum laut Experten unbedenklich. Die Verhaltensbiologin Haug-Schnabel plädiert für Gelassenheit: „Das iPad ist sicherlich kein Teufelszeug, aber natürlich auch absolut unnötig, es bietet Kindern nichts, was sich nicht anders besser erreichen ließe", sagt sie.

Quellen:

Spiegel 19/2011 Manfred Dworschak: Das Patschpäd, S.124-128.

http://www.bild.de

http://www.spielzeug-ratgeber.com/ratgeber/ipad-fur-kinder

Nadine Steinhübel

VERÖFFENTLICHT AM

16. Mai 2011

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