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Marketing-Offensive

Gehüllt in Print

Jean-Paul Gaultier designt eine Ausgabe der französischen Tageszeitung "Liberation". Er hüllt die gesamte Verlagsbelegschaft in freizügige Kleidung aus Zeitungspapier. Dadurch soll die Auflage des Blatts gesteigert werden.

Quelle: "Libération" Cover vom 14. Juni 2011

Quelle: "Libération" Cover vom 14. Juni 2011

„Zeitung einmal anders", unter diesem Motto stand die Ausgabe der „Libération" vom 14. Juni 2011. Der französische Modezar Jean-Paul Gaultier verwandelte 50 Verlagsmitarbeiter in Mannequins: Redakteure, Grafiker, Marketing- und Vertriebsleute spielten einmal erste Geige, statt die Fäden im Hintergrund zu ziehen. Die Zeitung nahm die am 13. Juni eröffnete Retrospektive auf Gaultiers Werk im Musée des Beaux-Arts in Montréal zum Anlass, Gaultier ein Heft gestalten zu lassen. 

Gaultier entwirft eine Ausgabe der „Libération"

Für die französische Tagezeitung kreierte der Maestro eine eigene Kollektion: Diese umfasst Kleider aus Zeitungsstreifen, Westen aus Papierschnipseln oder Bustiers aus Pappmaschee und trägt den schillernden Namen „JPG pour Libé". Der Modeschöpfer selbst posiert mit einer bodenlangen Robe aus diversen „Libération"-Ausgaben auf dem Cover. „Schön und sexy" wollte er die Zeitungsangestellten sehen, sagte Gaultier vor seiner Aktion. Als kreative Schaffensstätte fungierte der Konferenzraum. Dieser wurde kurzer Hand zum Umkleide- und Schminkzimmer umfunktioniert.

Der kreative Überlebenskampf

„Libération" leidet ebenso wie viele andere französische Tageszeitungen unter der weltweiten Zeitungskrise. Zuletzt lag die Auflage nur noch bei 115 000 Stück pro Tag. Aus diesem Grund versucht das Blatt mit ungewöhnlichen Covern Leser anzulocken. Das unter anderem von Jean-Paul Sartre, französischer Philosoph und Romancier, gegründete Blatt, lässt gerne Prominente eine Ausgabe entwerfen. Im Jahr 2008 durfte beispielsweise Ex-Model Carla Bruni und Gattin des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy die Chefredakteurin der „Libération" spielen, was nicht von allen Lesern positiv aufgenommen wurde. Nachdem Karl Lagerfeld 2010 eine Ausgabe gestalten durfte, soll jetzt Jean-Paul Gaultier die Werbetrommel für die Zeitung rühren.

Libé & Gaultier - un couple parfait

Die „Fusion" des Modezars mit der „befreienden" Tageszeitung könnte passender nicht sein: Beide haben laut der Süddeutschen Zeitung (SZ) als so genannte „enfants terribles" begonnen. Auch wenn die „Libération" ihr Anti-Establishment-Image längst abgelegt hat und heute ein sozialdemokratisches Publikum anspricht, ist sie auf dieses Renommee noch immer stolz. Und weil sowohl die Auflage der „Libération" als auch der Umsatz von Gaultiers Unternehmen schwächeln, ergäbe sich aus der Kooperation nach Auffassung der Beteiligten eine klassische Win-Win-Situation.

In Print kleidet es sich besser

Ironisch bemerkt die SZ zur Kampagne: „Journalisten sind vielseitiger einsetzbar als Verleger bisher ahnten; und Papier ist immer noch geduldig." Die positive Botschaft für alle Printliebhaber: Online-Medien mögen auf den ersten Blick trendiger erscheinen und ihnen mag die Zukunft gehören, doch damit lässt sich niemand einkleiden. Kein Medium wirkt adretter auf dem „Catwalk" als die gute altbewährte Tageszeitung.

Nadine Steinhübel

Quellen: Gehüllt in Print

www.sueddeusche.de

http://www.dnv-online.net/

http://profashionals.wordpress.com

VERÖFFENTLICHT AM

27. Juni 2011

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