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Hochschule der Medien

Crowdfunding

Neue Wege der Projektfinanzierung

Die deutsche Kulturlandschaft ist stark abhängig von Fördergeldern. Die Grundsätze der Förderanstalten lassen jedoch nur einige Projekte zu. Die Alternative ist die eigene Gewinnung von Sponsoren. Wer selbst schon auf Sponsorensuche war, weiss wie aufwendig und bürokratisch dieser Prozess sein kann.

Die Lösung: „Crowdfunding". Damit lassen sich Kultur- und Filmprojekte ebenso finanzieren, wie Produktideen oder Unternehmensgründungen.Während durch „Crowdfunding" in Amerika bereits viele Projekte finanziert werden können (Umsatz: 80 Millionen Dollar jährlich), nimmt nun auch in Deutschland die Zahl „schwarmfinanzierter" Projekte zu. Dieser Tage erschien die erste Studie über „Crowdfunding" in Deutschland. Die Studie verdeutlicht, dass es sich dabei um ein durchaus vielversprechendes Instrument zur Projektfinanzierung handelt: 53 Prozent aller betrachteten Projekte erhielten die angestrebte Summe. Diese lag durchschnittlich bei knapp 3000 Euro. Die Summe würde beispielsweise vielen Studentenprojekten ein Teil der Finanzierungssorgen nehmen. Die höchste, bisher in Deutschland erzielte Spendensumme lag bei 27.000 Euro.

Durchdachte Konzepte anschaulich präsentieren

Vorgestellt werden die Projekte auf so genannten „Crowdfunding"- Plattformen. Dort bewirbt man sein Projekt mittels Videos, Bildstrecken und Texten. Überzeugt die Idee, finden sich häufig Personen, die bereit sind, dieses Projekt zu unterstützen. Im Gegenzug erhalten die Geldgeber - abhängig von der Spendensumme - Prämien. Dabei kann es sich um handsignierte CD's handeln, eine Einladung zur Release-Party oder ein Meet-and-Greet mit den beteiligten Künstlern.

Mund-zu-Mund Propaganda und PR

Die Einbeziehung der Geldgeber ist für die erfolgreiche Projektfinanzierung ein wichtiger Faktor. Je besser es gelingt, Unterstützern das Gefühl zu vermitteln, Teil des Projektes zu sein, desto größer ist auch die Chance, dass diese das Projekt via Mund-zu-Mund Propaganda weiterempfehlen. Auch Unternehmen profitieren davon, dass sie derartige Projekte unterstützen, indem sie ihr Sponsoring für Pressearbeit nutzen. Dadurch erhalten auch die Projekte größere Aufmerksamkeit, was wiederum die Chance auf Erfolg erhöht. Denn die Ausschüttung des Geldes erfolgt nur dann, wenn die gesamte, zuvor definierte Summe, gesammelt wurde. Hier liegt auch einer der Gründe für das Scheitern solcher Finanzierungen: Die Projektverantwortlichen setzen sich eine zu hohe Summe als Ziel. Initiatoren sind also gut beraten, sich im Vorfeld zu überlegen welche Summe realistisch durch Schwarmfinanzierung erreicht werden kann.

Erfolgsgeschichten - die Projekte ‚Iron Sky‘ und ‚Diaspora‘

Für Aufsehen gesorgt hat das Team um das Filmprojekt „Iron Sky" - ein Film darüber, dass Vertreter des Naziregimes auf der dunklen Seite des Mondes bis heute überlebt haben. Der Film arbeitet mit einem Gesamtbudget von 6,5 Millionen Euro. Davon werden 5,6 Millionen Euro durch traditionelle Filmfinanzierungen realisiert, weitere 900.000 Euro sollen durch die Internet-Community finanziert werden. Mehr als die Hälfte des Geldes ist bereits eingegangen. Den Machern ist es gelungen, dem Film bereits während der Produktionsphase einen Kultstatus zu verleihen und einen hohen Bekanntheitsgrad zu erzielen. Auch die von Studenten entwickelte Social Media Plattform „Diaspora", die im vergangenen Jahr in aller Munde war, finanzierte sich über die Gemeinschaft. Erwartet hatten sie 10.000 Dollar, derzielt wurde jedoch eine Summe von 200.641 Dollar. Unter den Spendern für die Plattform befand sich unter anderem Mark Zuckerberg.

Crowdfunding für HdM-Projekte

Auch Studierende der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) haben dieses Finanzierungsinstrument für sich entdeckt. Das Team, das den Abschlussfilm „Der Ausflug" realisiert, versucht derzeit durch Crowdfunding an Sponsorengelder zu gelangen. Der Film beschäftigt sich mit dem Thema Amoklauf. Gerade sozial relevante Themen eignen sich besonders gut für eine Schwarmfinanzierung, da Teile der Öffentlichkeit sich für die Projektrealisierung interessieren. Das ehrgeizige Ziel des Teams: 3500 Euro sollen durch die Community beigesteuert werden. Auf der Seite www.mysherpas.com kann man sich über das Projekt informieren und den Film finanziell unterstützen.

Zwei weitere HdM-Studenten, Casjen Ennen und Benjamin Wiedenbruch, die derzeit ihren Abschlussfilm planen, wollen Crowdfunding für ihr Projekt nutzen. Mindestens ein Drittel ihrer Produktionskosten wollen sie so decken. Auch sie behandeln ein sozial relevantes Thema: die Flüchtlingssituation auf Malta. Weitere Informationen zu dem Projekt finden sich unter www.bildwerkfilm.de.

Tipps für erfolgreiches Crowdfunding

  • bereits vor dem Start des Crowdfundings möglichst viel Aufmerksamkeit generieren
  • andere Kampagnen ansehen (und von ihnen lernen!)
  • ein attraktives, aussagekräftiges Video aufnehmen
  • E-Mails und Social Media Plattformen nutzen, um das Projekt im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis zu promoten
  • transparente Darstellung des Projektstatus
  • regelmäßige Updates veröffentlichen
  • Multiplikatoren gezielt ansprechen
  • nicht nur über das Projekt sprechen (Mehrwert generieren)

Deutsche Crowdfunding-Plattformen:

www.mysherpas.com

www.Pling.de

www.startnext.de

www.betterplace.org/de

www.seedmatch.de

www.kickstarter.com

 

Quellen:

www.tn3.de

www.startnext.de

www.ironsky.net

Corinna Kübler

VERÖFFENTLICHT AM

04. Juli 2011

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