DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Bewerbungen

Im Unterhosen-Video zum Traumjob ?

Matthew Epstein ist auf Jobsuche. Er stellt ein skurriles Bewerbungsvideo online, wird zum Youtube-Star und bekommt sogar ein Vorstellungsgespräch bei Google. Sind also ausgefallene Bewerbungen immer die besseren?

Screenshot: www.youtube.de

Screenshot: www.youtube.de

Er macht in seiner Bewerbung alles, was man in einer Bewerbung nicht machen sollte: Statt einer Mappe mit Anschreiben und Lebenslauf stellt Matthew Epstein ein Video von sich bei Youtube ein. In noblem Ambiente präsentiert er sich mit angeklebtem Schnurrbart und Boxershorts und nippt lässig an einem Glas Brandy. Er beginnt das Video mit „Ich bin ein Mann mit einem Schnurrbart, der selbst Engel zum Weinen bringt". Die Botschaft ist eindeutig: Epstein will auffallen im Bewerberrennen um einen Job im Marketing-Team von Google.

Viele Jobangebote

Nach 20 erfolglosen Bewerbungen, auf die er teilweise noch nicht mal eine Absage zurückbekam, entschloss sich Epstein zu dieser ungewöhnlichen Aktion. Das Video hat mittlerweile schon über 400 000 Views. Neben seinem Wunsch-Arbeitgeber haben mittlerweile weitere namhafte Firmen wie Amazon und Microsoft bei ihm angeklopft. Ein erstes telefonisches Vorstellungsgespräch bei Google hat Epstein auch schon hinter sich. Bringt bei Bewerbungen der Stil den Erfolg?

Wir sprachen mit Prodekan Prof. Dr. Michael Weißhaupt, Professor für Human Resource Management (HRM, Personalmanagement), wie viel Kreativität bei Bewerbungen erlaubt ist und was jeder Absolvent beachten sollte.

Matthew Epstein ist mit 20 herkömmlichen Bewerbungen gescheitert. Sein Video machte bei Arbeitgebern jedoch Furore. Haben ungewöhnliche Bewerbungen wirklich immer den größeren Erfolg?

Weißhaupt: Es gibt meines Ermessens keinen Automatismus, dass originelle, auffällige Bewerbungen, die aus dem Raster des Gewöhnlichen herausfallen, erfolgreicher sind als weniger originelle Bewerbungen. Die Frage ist, was ist der Zweck einer Bewerbungsmappe beziehungsweise wann ist eine solche erfolgreich? Eine Bewerbungsmappe ist dann gut, wenn sie den Bewerber im Auswahlprozess einen Schritt weiter bringt, das heißt, ihm oder ihr eine Einladung zu einem Einstellungsinterview einbringt. Dann hat die Bewerbungsmappe hat ihren Zweck erfüllt. Es gibt Studien darüber, wie lange HR-Mananger Bewerbungsmappen anschauen und auf was sie besonderen Wert legen.

Worauf achten die Personaler/innen denn besonders?

Rund zehn Minuten schauen diese sich Bewerbungen an. Eine gute Mappe - ob elektronisch oder ausgedruckt spielt keine Rolle - weckt die Neugier und man nimmt sich mehr Zeit. Die weniger guten liegen nach kurzer Zeit und dem Lesen des Anschreibens auf den Absagenstapel. In dieser Phase haben originelle, auffällige Bewerbungsmappen möglicherweise einen Vorteil, da man sich diese womöglich rein schon aus Interesse ansieht. Spätestens wenn es aber an die Inhalte der Bewerbung geht, also die Kompetenzen, Erfahrungen, Ausbildung, usw. des Bewerbers, verpufft dieser Vorteil. Spätestens jetzt zählen die harten Fakten und nicht die Verpackung. Der vermeintliche Vorteil einer besonders originellen Bewerbung kann sich dabei umkehren, denn eine ungewöhnliche Bewerbung weckt auf Seiten des Lesers bestimmte Erwartungen, die dann natürlich auch erfüllt werden müssen. Tut sie dies nicht, hat die Bewerbung nicht das gehalten, was die Verpackung versprochen hat und enttäuscht den Leser. Hinzu kommt, dass eine originelle, kreative Bewerbung bei einem originellen, kreativen Unternehmen erfolgreich sein kann, bei einem bodenständigen, traditionsbewussten Mittelstandsunternehmen jedoch durchfällt.

Auf was sollte ein Absolvent in erster Linie achten, um mit seiner Bewerbungsmappe einen positiven Eindruck zu hinterlassen?

Weißhaupt: Folgende Grundregeln müssen beachtet werden: Beim Erstellen der Bewerbungsmappe muss der Bewerber sich in die Lage des Unternehmens versetzen und sich mit den jeweiligen Besonderheiten vertraut machen. Jede Bewerbung sollte auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein. In diesem Sinne ist jede Bewerbung ein Unikat, das es so nur einmal gibt. Nichts ist schlimmer, als dass beim Leser der Eindruck entsteht, eine "Postwurfsendung" vor sich zu haben, die mit abgeänderten Unternehmensadressen auch an weitere Unternehmen versandt wurde. Man sollte sich also Zeit nehmen, sich über das Unternehmen, seine Produkte, seine Philosophie, usw. informieren und dieses Wissen in die Bewerbung einfließen lassen. So entsteht der Eindruck, dass sich der Bewerber mit dem Unternehmen beschäftigt hat. Darüber hinaus sollte im Anschreiben deutlich werden: Was hat das Unternehmen davon, wenn es mich einstellen würde?

Wie haben sich perfekte Bewerbungsmappen verändert? Gibt es auch hier Modeerscheinungen?

Weißhaupt: Modeerscheinungen im Recruitment-Umfeld gibt es wie in anderen Bereichen der Wirtschaft auch. So haben zum Beispiel in den letzten Jahren die Themen "E-Recruitment" oder "Outsourcing von Recruitment-Aktivitäten" stark an Bedeutung gewonnen. Was Bewerbungsmappen anbelangt, hat sich - abgesehen von möglichen elektronischen Übertragungswegen - auf der inhaltlichen Ebene wenig verändert. Die Kernbestandteile des Bewerbungspaketes sind nach wie vor Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse - so wie vor 60 Jahren. Im Übrigen gibt es die eine, perfekte Bewerbungsmappe ja nicht. Perfekt ist eine Mappe, wenn sie als Unikat einerseits klar erkennbar auf eine definierte Zielposition in einem bestimmten Unternehmen zugeschnitten ist und andererseits den Wertbeitrag, den der Bewerber vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen diesem einen Unternehmen erbringen kann, deutlich macht.

Christina Walzner

VERÖFFENTLICHT AM

25. August 2011

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren