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Facebook-Timeline

Unser Leben auf dem Silbertablett

Facebook bringt unsere Daten in Form: Die neue Timeline zeigt unser Leben als eine Online-Chronik. Damit bekommt das Profil nicht nur ein völlig neues Aussehen, die bisher unstrukturierten Daten werden auch in einen zeitlichen Kontext gestellt.

Die neue Timeline

Die neue Timeline

Facebook ist wie ein öffentliches Tagebuch. Ibrahim Evsan schrieb schon 2010 „Jeder von uns Onlinern führt im weitesten Sinne doch ein Tagebuch, indem er die verschiedenen Möglichkeiten von Social Media nutzt" und „Zum ersten Mal in der Geschichte ist es uns heute mit Hilfe des Internets möglich, unsere Erfahrungen und Erlebnisse, Wünsche, usw. per Bild, Text, Video und Sprache gleichzeitig vielen Menschen mitzuteilen".

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat diese Tatsache jetzt in Form gebracht. Die Daten, die sowieso schon da sind, sollen in Zukunft in einer Zeitleiste bzw. Timeline repräsentiert werden. Diese Neuerung stellte Zuckerberg auf der Entwickler-Konferenz f8 in San Francisco erstmalig vor: „Timeline ist die Geschichte eures Lebens". Alles, was man also bislang auf Facebook geteilt hat, wird plötzlich in einen Kontext gestellt, strukturiert und zu einem „Lebenswerk" abgewandelt.

Datenschutz, Privatsphäre hin oder her, die Timeline hat etwas Faszinierendes. Mit ein paar Klicks kann man sich sein neues Profil jetzt schon ansehen (hier eine Anleitung dazu). Fertig installiert hat man tatsächlich eine kleine Zusammenfassung seines Lebens seit der Anmeldung bei Facebook - mal mit mehr mal mit weniger Informationen, je nachdem, wie viel man geteilt hat.

Auf dem neuen Profil prangt oben ein großes Coverfoto, das man selbst einrichten kann. Das Profilbild wird klein links in der Ecke angezeigt. Rechts ist die Zeitleiste, die die Jahre und Monate anzeigt, die man anklicken und so in seinem „Leben" hin und her springen kann. Am Ende eines jeden Monats und Jahres wird zusammengefasst dargestellt, mit wem man sich angefreundet, wie viel und was man „geliked" und an welchen Orten man sich eingecheckt hat. Zusätzliche Applikationen ermöglichen es, anderen mitzuteilen, wie viel man im letzten Monat gelaufen ist oder welche Musik man just in diesem Moment hört.

Zuckerbergs Absicht ist, dass man nach und nach die Lücken füllt und so auch die Jahre vor der Facebook-Anmeldung dargestellt werden. Zum Beispiel lassen sich Babyfotos zum Tag der eigenen Geburt hinzufügen. Damit entstünde tatsächlich die Geschichte unseres Lebens.

Eine weitere Änderung ist die Weiterentwicklung der „Likes". Es geht nicht mehr darum, ob einem etwas gefällt, sondern vielmehr um die Aktivität als solche. So ist es in Zukunft möglich, ein Buch als gelesen oder einen Film als gesehen anzugeben. Dies ermöglicht eine Unmenge an weiteren Verbindungen zwischen Personen untereinander oder von Personen mit Dingen, Orten oder Handlungen.

Insgesamt ein kluger Schachzug von Facebook: Das soziale Netzwerk schafft es dadurch, den Konkurrenten Google+ und Co. die Stirn zu bieten. Des Weiteren besteht darin (erneut) ein ungemeiner Mehrwert für die Werbeindustrie. Damit tauchen aber auch wieder Bedenken zum Datenschutz und zur Privatsphäre auf.

 

Claudia Langer

Quellen: Unser Leben auf dem Silbertablett

VERÖFFENTLICHT AM

30. September 2011

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