DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Debüt im Ersten

Gut gemacht?!

Sonntag, 21.45 Uhr. Bereits vier Sendungen „Günther Jauch“ hat Deutschlands beliebtester Moderator jetzt schon hinter sich gebracht. Zeit genug, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen, finden wir.

Quelle: daserste.de

Quelle: daserste.de

Die Erwartungen an Jauch waren hoch, nachdem bekannt wurde, dass er Anne Will auf dem Sonntagabend-Sendeplatz der ARD zur besten Zeit direkt nach dem Tatort beerben würde. Den Druck spürte auch Jauch, das merkte man ihm an der einen oder anderen Stelle an. Bisher ist es ihm nicht gelungen, die Polit-Talk-Welt zu revolutionieren. Seine Leistung ist dennoch respektabel.

Ein Hauch von Stern-TV

Die erste Sendung am 9. September widmete sich ganz dem Terror und dem Afghanistan-Krieg. Mit Peter Struck, Jürgen Klinsmann und anderen sprach der Moderator darüber, wie 9/11 die Welt verändert hat und was seitdem gut und schlecht lief. Jürgen Klinsmann in der Rolle des Amerika-Erklärers wirkte dabei irgendwie putzig. Alles in allem war die Sendung jedoch ein gelungener Auftakt, mit einem schwierigen Thema. Natürlich fragte sich jeder: Was wird der Jauch denn nun anders machen? Viele Überraschungen gab es nicht. Auffallend waren eher die Parallelen zu „Stern-TV“, die sich in den folgenden Sendungen bestätigten. Insbesondere die häufig verwendeten Einspielfilme erinnern sehr an das RTL-Format. Punkten kann der Neue im Ersten vor allem mit spannenden Gesprächspartnern, wohingegen bei Anne Will man zum Ende oft das Gefühl hatte, dass sich die immer selben Gäste über wechselnde Themen unterhalten. Neben der Kanzlerin waren bereits Philipp Rösler, Elke Heidenreich und Ursula von der Leyen zu Gast bei Günther Jauch. Anne Will hatte seit dem Jahreswechsel nur noch selten Kabinettsmitglieder im Studio. Ob die Gäste so hochkarätig bleiben, wenn die Quoten weiterhin sinken, bleibt abzuwarten.

Gute Moderation 

Unabhängig von der Frage, wer bei ihm zu Gast ist, muss Jauch sich an seiner Moderation messen lassen. Und das kann er auch. Es wirkt geradezu erfrischend, wie er seine Gäste ausreden lässt, ohne ihnen ins Wort zu fallen, gleichzeitig aber dafür sorgt, dass alle Redeanteile haben. Selbst Dampfplauderern wie Oskar Lafontaine nimmt er charmant den Wind aus den Segeln. Zudem scheint bei Jauch wieder möglich, was Sonntagabends zuvor selten geworden war: Eine sachliche Auseinandersetzung, in der verschiedene Meinungen zugelassen werden, ohne dass jemand vorgeführt wird. Daraus entstehen nicht nur gute Gespräche, sondern auch spannende Koalitionen. Am vergangenen Sonntag wurde es Ursula von der Leyen (Bundesministerin für Arbeit und Soziales) Angst und Bange, als sich plötzlich Oskar Lafontaine (Fraktionschef „Die Linke“ im Saarland), Götz Aly (Historiker) und Herbert Henzler (ehemaliger Chef von McKinsey Deutschland) auf eine gemeinsame politische Linie einigten. Auch wenn der deutsche Fernsehpreis für die beste Moderation in diesem Jahr nicht an Günther Jauch geht, kann man sich Peter Struck (ehemaliger Bundesverteidigungsminister), der in der ersten Show zu Gast war, nur anschließen. Er bestätigt Jauch zum Ende der Sendung: „Das haben Sie gut gemacht.“

Corinna Kübler

VERÖFFENTLICHT AM

12. Oktober 2011

Lesen Sie auch

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren