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TV-Serie „Borgia"

Vatikan als Sündenpfuhl

Der Sechsteiler „Borgia“ thematisiert das Leben der berühmt berüchtigten spanischen Adels- und Päpstesippe Borgia. Im Zentrum der Historienerzählung stehen Intrigen, Mord und Sex im Kirchenstaat der Renaissance.

Quelle: Screenshot www.zdf.de

Quelle: Screenshot www.zdf.de

Das Historienepos „Borgia" ist mit 25 Millionen Europas teuerste TV-Produktion, sie wird in 40 Ländern ausgestrahlt, das ZDF beteiligte sich mit vier Millionen an den Kosten. Für die Kostüme wurden zwölf Kilometer Stoff verbraucht und es flossen 157 Liter Filmblut. Der Vatikan wurde als Sperrholz-Kulissen in den Barrandoy-Studios in Prag nachgebaut, das Drehbuch vom Amerikaner Tom Fontana geschrieben. Sein ganzes Leben habe er gewartet, etwas über die Borgia zu schreiben und er habe versucht, die wahre Geschichte der Borgia zu zeigen, sagte er. Dies sei nicht leicht gewesen, denn seit Ende der Borgia-Ära ranken sich zahlreiche Mythen und um den umstrittenen Clan. Auch die Serie selbst hat es in sich.

Unzucht und Ordnung

Die Reihe spielt im Rom der Renaissance (ausgehendes 15. Jahrhundert). Rodrigo Borgias (John Doman) Intrigen um an die Macht zu kommen, stehen im Zentrum der Story und 1492 wird er zum Papst gewählt. Auf dem Zenit seiner Macht angekommen, versucht er, diese noch zu erweitern: Feinde werden zu Freuden und wieder zu Feinden. Seine unehelichen Kinder sind dabei Spielball des Pontifex, seine Tochter Lukrezia (Isolda Dychauk) verheiratet er vier Mal, das Leben seiner Söhne Juan (Stanley Weber) und Cesare (Mark Ryder) hängt von ihm ab. Der eine wird zum Heeresführer der päpstlichen Garde ernannt, der andere soll den Papst beerben - mit Unzucht zur Ordnung.

Macht und Politik

Der Borgia-Papst gilt als das perfekte Gegenbild zu einem gütig-vergeistigten Brückenbauer (Pontifex): machtgierig, völlerisch, sexgeil, skrupellos und mit vier unehelichen Kindern. Wenn er nicht mit der Kriegsführung zur Ausdehnung des Kirchenstaates beschäftigt war, vergnügte er sich mit seiner 44 Jahre jüngeren Mätresse oder frönte ausgedehnten Schlemmermahlen. Der Unterschied zwischen weltlichen Herrschern und klerikalen Würdenträgern war damals kaum auszumachen. Und der skrupellose Sohn Cesare stand dem Vater in nichts nach. Niccolo Macchiavelli, Staatstheoretiker der Renaissance, sah in ihm den Inbegriff des nachahmenswerten Herrschers. Seine zentrale These im ‚Il Principe' (dt.: Der Fürst) lautete: Die Machtausdehnung eines Fürsten dient dem Fürstentum (Staat) und damit auch dessen Untertanen (Bürgern); um dies zu erreichen, sind alle Mittel gerechtfertigt.

Historien-Darstellungen auf Erfolgskurs

Mit dem opulenten Mehrteiler beweist das ZDF Mut: Der historische Stoff kommt trotz antiquierter Sprache, nicht altmodisch daher. Diese Serie kann mit BBC Erfolgen wie „Die „Tudors" oder „Rom" durchaus mithalten. Die Charaktere werden facettenreich und differenziert dargestellt. So überrascht es wenig, dass bei der ersten Folge 6,21 Millionen Menschen einschaltet haben. Mehr als 25 Prozent davon waren unter 50 Jahre alt. Dies entspricht einem Marktanteil von beinahe 13 Prozent. Der bis dato durchschnittlich erreichte Jahresmarktanteil in dieser Zielgruppe lag bei rund 7,5 Prozent.

Einziger Wehmutstropfen sind die sechs Teile. Ihre Handlungsstränge werden so stark zerstückelt und der Zuschauer kommt mit den Personennamen durcheinander. Dennoch ist die Serie ein Muss, nicht nur für Geschichts-Fans, Historien-Romantiker und Papstfreunde und -gegner.

Noch eine Borgia-Serie

Für alle, die noch nicht genug haben, strahlt Pro 7 ab dem 9. November 2011 die US-Serie „Die Borgias - Sex. Macht. Mord. Amen" in zwölf Teilen aus. Ebenso wie bei der europäischen Produktion galt auch hier: Ein opulentes Werk benötigt viel Geld. Die Produktionskosten sollen sich dabei auf noch höhere rund 40 Millionen Dollar belaufen.

Quellen:

www.zdf.de

www.sueddeutsche.de

www.news.de

www.zeit.de

Franco Rota

,

Nadine Steinhübel

VERÖFFENTLICHT AM

27. Oktober 2011

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