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150 Jahre Telefon

Vom Luxusgut zum Gebrauchsgegenstand

Seit 150 Jahren können wir über weite Entfernung miteinander sprechen. Johann Philipp Reis erfand 1861 einen Apparat namens „Telefon“. Zeit, einen Blick auf die Geschichte des "Fernsprechers" und damit verbundene Kurositäten zu werfen.

150 Jahre Telefon

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Lars Mikloweit/Danny König/pixelio.de

Lars Mikloweit/Danny König/pixelio.de

Johann Philipp Reis war gerade 27 Jahre alt, als er der Physikalischen Gesellschaft in Frankfurt seine Erfindung präsentierte: Einen Apparat, mit dem man Schallwellen elektronisch kilometerweit übertragen konnte. Sein Vortragstitel dazu lautete etwas sperrig: „Über die Fortpflanzung von Tönen auf beliebige Entfernungen durch Vermittlung des galvanischen Stroms". Dass 150 Jahre später pro Jahr weltweit 1,4 Milliarden Telefone im Wert von 174 Milliarden Euro über den Ladentisch gehen sollten, konnte er damals nicht ahnen. „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat" war der erste Satz, den Reis bei seinem Vortrag durch den neuen Apparat schickte. Was auf den ersten Blick etwas komisch klingt, war aber wohl durchdacht: Er dachte sich einen nicht alltäglichen Satz aus, um zu beweisen, dass die die Botschaft vorher nicht auswendig gelernt worden war und die Technik funktionierte.

Ein Telefon aus Darm und Holz

Aufgebaut war das Telefon aus einer hölzernen Ohrmuschel und einem nachgebildetem Trommelfell aus Naturdarm. Ein Stück Platin diente dem Gerät als „Gehörknöchelchen". Hiermit konnten erstmals analoge Schallwellen in ein elektrisches Signal umgewandelt und weitertransportiert werden. Für das Wiedergabegerät wickelte Reis eine Kupferdrahtspule um eine Stricknadel. Diese wandelte die Stromimpulse wieder in Schallwellen um. Eingebaut war das ganze in eine Apparatur aus Holz, die die Töne verstärkte. Der Fernsprecher unterschied sich allerdings stark von heutigen Telefonen. Das Gerät funktionierte nur in eine Richtung, um antworten zu können, musste der Angerufene zurückrufen.

Das Telefon als Forschungsobjekt

1863 wurde das Telefon erstmals in größeren Mengen hergestellt. Die Geräte fanden ihren Weg in die ganze Welt, auch in den USA forschte man einige Jahre später mit dem deutschen Apparat. Die Apparate dienten in dieser Zeit vor allem als wissenschaftliches Forschungsobjekt und setzten sich erst Jahre später als Gebrauchsgegenstand durch. Die magische Schwelle von einer Million Telefonbesitzern erreichte Deutschland im Jahr 1910. Aktuell existieren bundesweit knapp 40 Millionen Festnetzanschlüsse, die Zahl der Mobiltelefone ist etwa dreimal so groß.

Telefon hält uns zum Narren

Die Geschichte des Telefons bringt viele Kuriositäten mit sich. So wurde beispielsweise das erste Telefonbuch, das am 14. Juli 1881 in Berlin erschien, im Volksmund „Buch der Narren" genannt. Richtig „vernarrt" ins Telefonieren war auch Marlene Dietrich, die es auf monatliche Telefonrechnungen von 15.000 D-Mark brachte. In den 1990er Jahren galt das Telefon als ein derart wichtiges Statussymbol, dass so manch einer bloß für eine Attrappe rund 800 D-Mark ausgab. Heute besitzen statistisch gesehen weltweit sechs von zehn Menschen ein Handy. In Deutschland verfügen etwa 83 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren über mindestens ein Exemplar.

Briten verlieren Handys im Pub

Großmeister im Verbummeln von Mobiltelefonen sind die Briten, die jährlich 4,5 Millionen Stück davon verlieren. Etwa 800.000 werden im Pub vergessen und 315.000 bleiben im Taxi liegen. Das hätte mit dem ersten richtigen Handy, das 1983 auf den Markt kam, wohl nicht passieren können. Dieses war länger als eine DIN-A4-Seite und wog mit 800 Gramm Gewicht so viel wie eine Flasche Wasser. Ein echter Knochen war auch das erste mobile Telefon für das Auto, dessen Hauptgerät im Kofferraum untergebracht werden musste und stolze 16 Kilo wog.

Claudia Langer

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Christina Walzner

Fakten rund ums Telefon

... in rund einem Drittel aller Telefonate geht es um Verabredungen.

... die erste Telefonzelle wurde 1904 in Berlin aufgestellt. 1989 gab es in Deutschland rund 162.000 Telefonzellen, 2009 waren es nur noch etwa 94.000.

... jedes sechste Mobiltelefon weist einer britischen Studie zufolge Spuren von Fäkalien auf.

... Deutsche telefonieren durchschnittlich 37 Stunden im Jahr über ein mobiles Gerät.

... In Tschechien telefonieren 81 Prozent nur noch über Handy. In Deutschland verfügen hingegen nach wie vor 88 Prozent der Haushalte über einen Festnetzanschluss, allerdings denken 30 Prozent der Festnetz-Kunden in Deutschland darüber nach, auf ihren Festnetzanschluss zu verzichten.

... 57 Prozent der Deutschen nerven Klingeltöne und laute Handytelefonate ihrer Mitmenschen.

... Weihnachtsgrüße übermitteln die Deutschen am liebsten per Telefon.

VERÖFFENTLICHT AM

03. November 2011

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