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Occupy-Bewegung

Human Mic – der analoge Like-Button

Die Occupy-Bewegung verständigt sich über Sprechchöre anstatt mit Mikrophonen. Es wird per Handzeichen abgestimmt. Alle Teilnehmer sollen in die Entscheidungsfindung eigebunden werden. Vorbild ist das Web 2.0.

Quelle: Screenshot Occupy Homepage

Quelle: Screenshot Occupy Homepage

Die Occupy-Bewegung hält die Kommunikationswissenschaftler in Atem. Zunächst demonstrierte die Gruppierung eindrücklich, wie sich via Twitter und Facebook eine völlig neue Art des politischen Widerstands in kürzester Zeit rund um den Globus formieren lässt. Nun versucht es die Bewegung mit binären Codes: „Gefällt Mir", „Gefällt mir nicht" die Online-Kommunikation in die analoge Welt zu übertragen. Das Human Microphone, kurz Human Mic, könnte ein erster Versuch sein.

Funktionsweise des Human Mics

Das Human Mic entstand, weil die New Yorker Behörden den Occupy-Demonstranten die Benutzung von Megafonen untersagt hatten. Daher begannen die Menschen über Sprechchöre zu kommunizieren und wurden somit selbst zu Tonverstärkern. Die Sätze der Sprecher werden von den anderen Demonstranten in kurzen Wortgruppen im Chor wiederholt, die Redebeiträge können so bis zum Rand der Versammlung (Asamblea) gelangen. Dies hat einen ähnlichen Multiplikator-Effekt wie das Posten von Beiträgen in Sozialen Netzwerken oder die Fortpflanzung von Bewegungen in Flashmobs. Nach einigen Wortblöcken legt das Human Mic eine Pause ein. Bei Zustimmung zum Gesagten heben die Beteiligten die Hände, bei Ablehnung kreuzen sie diese zu einem X. Mit dieser Art der Kommunikation können nicht nur Informationen weitergegeben werden, sondern es kann auch über ganze Programme abgestimmt werden.

Neue Form der analogen Kommunikation

Der Occupy-Aktivist und Software-Entwickler Florian Raffel erklärt, dass das Human Mic nicht nur ein technischer Ersatz für das Megafon sei, sondern eine Kommunikationsform, die dabei helfe, sich präziser auszudrücken und besser zuzuhören. Dadurch entstehe eine völlig neue Gesprächskultur unabhängig von Technik. Auch der amerikanische Professor für Medien und Kommunikation an der New York University Nicolas Mirzoeff ist von der Funktionsweise des Human Mics begeistert. Er sieht diesen Abstimmungsmodus als revolutionär an, da die Reaktion der Zuhörer nicht auf Applaus begrenzt sei, sondern alle Anwesenden ein Veto-Recht hätten und somit in den Prozess der Konsensbildung einbezogen würden. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht entsteht somit eine neue Form der Kommunikation, in der alle Beteiligten sowohl zu Sendern als auch Empfängern von Informationen werden und auch ein Feedback möglich ist. In der realen Politik des Alltags könnten damit auch öffentliche Abstimmungen möglich werden.

Hierarchiefreie Kommunikation

Durch das Human Mic wird zugleich auch der politische Wunsch nach Basisdemokratie verdeutlicht. Die Occupy-Bewegung sieht sich als eine Gruppierung in der es „keine Delegation und keine Repräsentanten" geben soll, so der Medienwissenschaftler Mirzoeff. Daher überrascht es wenig, dass ein Radioreporter ins Human Mic sprach um die „Asamblea" als Ganzes zu befragen. Die Stimmung der Occupy-Anhänger ist vom Gedanken geprägt, dass jeder seine Meinung kund tun darf und ein Mitbestimmungsrecht hat.

Zukunft des Human Mics

Bei all der Euphorie der Aktivisten und der Kommunikationswissenschaftler stellt sich die Frage nach der Effizienz dieser Kommunikationsform. Diese Art der Kommunikation wird nicht mehr durchsetzbar sein, wenn sich immer mehr Menschen der Occupy-Bewegung anschließen. Insbesondere der palamentarische Alltag erfordert schnelle Entscheidungen und komplexe politische Sachverhalte lassen sich nicht in wenigen Wortblöcken darlegen. Daher bleibt es abzuwarten, in wie weit sich diese Kommunikationsform beibehalten lässt, oder ob, wie schon oft die „Revolution ihre Kinder frisst".

Quellen:

www.stern.de

www.zeit.de

www.wikipedia.de

Nadine Steinhübel

VERÖFFENTLICHT AM

28. November 2011

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