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Insolvenz bei manroland

„Ein herber Schlag für die Druckbranche“

Der drittgrößte Druckmaschinenhersteller manroland hat Insolvenz angemeldet. Wie es mit den 6500 Mitarbeitern weitergeht, steht noch nicht fest. Erste Kaufinteressenten haben sich aber bereits gemeldet.

Foto: manroland AG

Foto: manroland AG

Bereits seit Monaten kämpfte das Augsburger Unternehmen mit der Auftragslage. Am Freitag war es dann offiziell: Mit dem Insolvenzantrag ist das Weiterbestehen der insgesamt 6500 Arbeitsplätze an den Standorten Augsburg, Offenbach und Plauen ungewiss. Mit 167 Jahren blickt der Druckmaschinenhersteller auf eine lange Geschichte zurück. „Bei aller Enttäuschung über den einzuschlagenden Weg bietet das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hinreichend Chancen, weil das Unternehmen überzeugende Produkte, das nötige Know-how und eine exzellente Mannschaft hat", so das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

Zusammenarbeit mit der HdM

Auch die HdM ist mit manroland eng verbunden: Gerd Finkbeiner, Vorstandsvorsitzender der manroland AG, ist seit Mai 2000 Honorarprofessor an der HdM. Er hält regelmäßig Ringvorlesungen über aktuelle Trends in der Druckbranche.

 

Wir sprachen mit Prof. Dr.-Ing. Gunter Hübner, Studiendekan im Studiengang Druck- und Medientechnologie, über die Auswirkungen der Insolvenz und die Herausforderungen der Druckbranche der Zukunft.

Was bedeutet die Insolvenz von manroland für die Druckbranche?

Hübner: Die Insolvenz ist ein herber Schlag für die Druckbranche, denn manroland ist ein äußerst traditionsreiches Unternehmen. manroland hat sich auf den Offsetdruck konzentriert und, zumindest in der Öffentlichkeit, nicht gezeigt, dass sich das Unternehmen auch mit neuen Technologien wie dem Digitaldruck und hier vor allem dem Inkjet intensiv auseinandersetzt. Da aus meiner Sicht in diesen Techniken ein großes Zukunftspotenzial steckt, könnte dies mit ein Grund sein, dass sich Kunden abwartend verhalten und gegebenenfalls anderswo orientieren.

Worin bestand die Kooperation zwischen der HdM und manroland?

Hübner: Die HdM hat mit manroland auf vielen Gebieten zusammengearbeitet. Zunächst sind hierzu unzählige Abschlussarbeiten zu nennen, die von HdM-Studierenden sowohl in den Standorten Augsburg als auch in Offenbach angefertigt wurden und zurzeit auch noch in Kooperation verfasst werden. manroland hat sich immer sehr für die HdM engagiert mit großzügigem Sponsoring und gemeinsamen Projekten. Im manroland Konzern sind ferner viele Abgängerinnen und Abgänger der HdM beschäftigt, die sich alle stets in großem Maße für Ihre Firma eingesetzt haben.

Sehen Sie in der Insolvenz von manroland einen Einzelfall oder einen Trend?

Hübner: In der Größe ist die Insolvenz ein Einzelfall. Allerdings ist in der Branche schön länger ein Konzentrationsprozess zu beobachten. Die Anzahl der Druckbetriebe (Kunden von manroland) nimmt seit einiger Zeit kontinuierlich ab. Betroffen sind vor allem kleinere Unternehmen, die den technischen Wandel aus verschiedenen Gründen nicht mitmachen können oder wollen. Eine neu aufgestellte Druckmaschine ersetzt nicht nur in hocheffizienten Betrieben wie zum Beispiel Flyeralarm gut und gern zwei ältere Maschinen. Die Folge sind Überkapazitäten vor allem im heimischen Markt. Der asiatische Markt (aufstrebende Länder wie China etc.) läuft dagegen nach wie vor gut. Ich bin überzeugt, dass nach diesem "Cut" ein Nachfolgeunternehmen mit deutlich geringerer Größe entstehen wird, das die Geschäfte und vor allem den Service weiterführen und den Markt gut bedienen wird.

Wie bereiten Sie Ihre Studierenden auf die Druckbranche der Zukunft vor?

Hübner: Wir setzen auf eine breite Ausbildung der Studierenden, die sie dazu befähigt, rasch und flexibel mögliche technologische Wandel mitzumachen. In unserem neuen Schwerpunkt "Print&IT" reagieren wir auf den Trend, die Datenströme besser managen zu können und Technologien wie "Web2Print" oder die Vernetzung der Produktionsanlagen selbst weiter entwickeln zu können. Dem, wie im Falle von manroland, stagnierenden, wenn nicht sogar abnehmenden Offsetmarkt stehen in der Druckbranche gut florierende Märkte gegenüber. Verpackungsdruck, Veredelungen, Digitaldruck und der Bereich der gedruckten Elektronik sind wachsende und zukunftsorientierte Techniken und Märkte, die selbstverständlich einen angemessenen Platz in unserem Curriculum haben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Christina Walzner

VERÖFFENTLICHT AM

29. November 2011

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Hoffmann-Walbeck

am 30.11.2011 um 13:44 Uhr

In dem Interview wird vom „stagnierenden, wenn nicht sogar abnehmenden Offsetmarkt“ gesprochen und gleichzeitig von den „wachsenden und zukunftsorientierten Techniken“ wie gedruckter Elektronik. Meine Frage: Gibt es denn Kennzahlen, die diese Gegenüberstellung untermauern? Wenn ja, würden die mich sehr interessieren. Wie sieht denn beispielsweise das Umsatzvolumen vom Offsetdruck im Vergleich zur gedruckten Elektronik aus? Wie war die Situation vor wenigen Jahren und wie ist sie heute?

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