DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Religion im Netz

Beichten online

Jesus Daily hat auf Facebook mehr Fans als Justin Bieber, das Stichwort „Jesus“ hat bei Google fast eine Milliarde Treffer, der Papst gab Social Media kürzlich seinen Segen. Wie im Netz die frohe Botschaft verkündet wird und Apps zum Beichten auffordern.

berlin-pics, angelina.s...k.... / pixelio.de

berlin-pics, angelina.s...k.... / pixelio.de

Nach dem Branchendienst Allfacebook.com hat Jesus Daily die aktivsten Fans auf Facebook. Die Fangemeinde ist von 5,5 Millionen im Mai auf 10,5 Millionen im Dezember gestiegen. In den USA wird jede Woche vier Millionen Mal auf „Gefällt mir" geklickt. Gepostet werden Bibelverse, Fürbitten, Gebete, religiöse Gedichte, erbauliche Fotos und spirituelle Videoclips. Der Gründer ist Aaron Tabor, Sohn eines Predigers, der im zivilen Leben Diätpillen, Sojadrinks und Proteinpulver im Internet verkauft.

„Du findest ihn auch im Internet"

Insbesondere in den USA wimmelt es von Seiten mit religiösen Inhalten, die mehrheitlich von offiziellen Kirchenvertretern betrieben werden. Die große virtuelle Präsenz von religiösen Inhalten lässt sich durch die Begeisterung der Amerikaner für Religion erklären. Es ist also nicht verwunderlich, wenn dort Beerdigungen und Hochzeiten per Webcam online übertragen werden. News vom Papst erhält man auf allen sozialen Kanälen, unter anderem über seinen Twitter-Account oder über den Youtube-Kanal „The Vatican".

Aber auch in Deutschland ist das Christentum im Netz stark vertreten. Webseiten wie jesuslebt.de, de.jesusfreaks.com und jesus-online.de („Du findest ihn auch im Internet") verkünden die frohe Botschaft und bringen nach eigener Aussage „die beste Nachricht aller Zeiten ins schnellste Medium der Welt".

Religiöse Skurrilitäten

Sicher, Apps und Internetseiten können für den praktischen Glaubensalltag eine große Hilfe sein. Auf den Smartphones moderner Christen finden sich heute aber auch Anwendungen, die wahrscheinlich nicht immer im Sinne des Erfinders wären. Die iPhone App „Confession" etwa ermöglicht es Christen via Handy zu beichten - und das sogar mit dem Segen der Kirche. Hierzu muss der Sünder nur angeben, gegen welche Gebote er verstoßen hat. Darauf basierend erhält er Vorschläge, welche Gebete und Bibelstellen zur Buße geeignet sind.

Wer erst einmal nichts zu beichten hat und trotzdem beten möchte, holt sich eine der beliebten Rosenkranz-Apps. „Holy Rosary Audio" etwa enthält - wie der Name schon sagt - auch eine Audiospur. Das ermöglicht ein einfaches Mitbeten, das die Applikation bei den Gläubigen besonders beliebt macht.

Christliche Radiosender, Gottesdienstfinder, die Apps diverser freikirchlicher Gemeinden und verschiedenste Ausgaben der heiligen Schrift: Es fehlt kaum ein Glaubensbereich als Miniprogramm fürs Mobiltelefon. Am weitesten verbreitet sind die Anwendungen für iPhone und iPad - nach Aussage der Kirche sind diese besonders glaubwürdig, da sie geprüft werden, bevor sie im Appstore veröffentlicht werden.

Fundamentalismus verboten

Gläubigen Programmierern wurde das aber auch schon zum Verhängnis. Die „Manhattan Declaration", eine Anwendung die ab Oktober 2010 im AppStore erhältlich war, wurde kurz darauf von Apple gesperrt. Der Grund: die fanatischen Christen verbreiteten auf diesem Weg schwulenfeindliche Inhalte und verteufelten Kindesabtreibungen.

Christ-Zertifikat

Wer auf der sicheren Seite sein und gern mithilfe einer App zum echten Christ werden möchte, kann dies mit „iChristian" erreichen - eine App, die nach eigenen Angaben die wesentlichen Informationen enthält, um zum Christen zu werden. Des Weiteren steht im Beschreibungstext: „After the prayer of salvation, you may register as a Christian. If you would like, you may request a certificate of a Christian. (...) GOD BLESS YOU!" In diesem Sinne: Amen.

Corinna Kübler

,

Claudia Langer

VERÖFFENTLICHT AM

20. Dezember 2011

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren