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Hochschule der Medien

Protest im Internet

Schwarze Startseiten gegen Zensur

Wikipedia hat es getan, Greenpeace und die Piraten auch: Um ein Zeichen gegen Zensur im Internet zu setzen, quittierten viele Websites für 24 Stunden ihren Dienst. Anstoß des Protests sind die geplanten US-Gesetze SOPA und PIPA.

Gegen Zensur und für ein freies Internet: 24 Stunden war das Online-Lexikon Wikipedia nicht zu erreichen (Screenshot: www.wikipedia.de)

Gegen Zensur und für ein freies Internet: 24 Stunden war das Online-Lexikon Wikipedia nicht zu erreichen (Screenshot: www.wikipedia.de)

Wer am Mittwoch die Startseite von Wikipedia aufgerufen hat, erreichte nur eine schwarze Seite mit einem kurzen Statement: „Stellen Sie sich eine Welt ohne freies Wissen vor. Seit mehr als einem Jahrzehnt haben wir unzählige Stunden mit dem Aufbau des größten Nachschlagewerks der Menschheitsgeschichte verbracht. Augenblicklich berät der US-Kongress über Gesetzesentwürfe, die sich verheerend auf das freie und offene Internet auswirken würden. Um Sie alle für diesen Umstand zu sensibilisieren, bleibt Wikipedia die nächsten 24 Stunden nicht erreichbar." Auf der Website von Greenpeace erwartete den Besucher ebenfalls ein schwarzer Hintergrund mit einem Statement gegen die geplanten Gesetze, über die in Washington diese Tage beraten wird.

Firmen profitieren - User verlieren

Die beiden umstrittenen Gesetzesentwürfe sollen das Urheberrecht stärken, sprich neben Privatpersonen vor allem Firmen aus der Musik- und Fimindustrie helfen, die Verbreitung geschützten Materials einzudämmen. Die Unternehmen versprechen sich davon beispielsweise, härter gegen Websites und Provider mit illegalen verbreiteten Inhalten, wie Filmen oder Audiodateien, vorzugehen. Tritt das Gesetz in Kraft, wären davon auch Suchmaschinen betroffen. Zukünftig dürften sie keine Links zu Seiten anzeigen, die geschütztes Material anbieten. Um sich an dem Protest zu beteiligen, zensierte Google das Logo auf der Startseite. Auch die Internetgemeinde läuft gegen die US-Pläne Sturm und sieht darin einen Angriff auf die Netzfreiheit. Mit schwarzen Balken auf ihren Social-Media-Profilen in Facebook, Google+ oder Twitter zeigten sie sich solidarisch mit der Protestbewegung.

Zweierlei Maß

Die Maßnahmen, wie sie die US-Gesetze vorsehen, kennt man sonst nur aus weniger freiheitlichen Staaten. Bekannt für Internetzensur ist vor allem China und dafür muss es sich von westlichen Nationen regelmäßig Schelte anhören. Ob im Rahmen der Olympischen Spiele oder während der Jasmin-Revolution: wann immer die Chinesen eine Internetseite sperrten, liefen hierzulande die Medien zu Bestform auf. Anfang 2011 hatte sich das Unternehmen Google deshalb aus dem chinesischen Markt zurückgezogen. Das verstoße gegen die Freiheit des Netzes und gegen das Geschäftsmodell von Google, so die Begründung. Nur konsequent also, wenn Google auch in Amerika gegen die Zensur protestiert.

Wen schützt Zensur?

Wie schwierig Internetzensur durchzusetzen ist, hat sich bereits 2009 in Deutschland gezeigt. Damals wollte Ursula von der Leyen das so genannte „Zugangserschwerungsgesetz" auf den Weg bringen. Was juristisch-bürokratisch klingt, diente nur einer Sache: kinderpornographische Web-Inhalte sollten gesperrt werden. Schon damals ging ein Aufschrei durch alle Länder. Viele hielten Zensur für den falschen Weg - das Gesetz scheiterte. Während damals wehrlose Kinder gegen schwere Straftaten geschützt werden sollten, geht es dem amerikanischen Senat jetzt vor allem um den Schutz großer Industriezweige, die das Urheberrecht auch im Netz durchsetzen wollen, womit auch die Providerhaftung für bereitgestellte Inhalte einherginge. Im Dies erklärt den weltweiten Protest.

Auch Europa betroffen

Schon nach zwei Tagen führte dieser gestern zum Erfolg, denn einige republikanische Abgeordnete des US-Kongresses wollen die Parlamentsvorlage nachbessern. Sollten die Gesetze nicht nachgebessert werden, hätten auch europäische User Nachteile, denn die nutzen vielfach in den USA betriebene Websites. Gleichzeitig steht in Europa das ACTA-Abkommen (Anti-Counterfeiting-Trade-Agreement) vor dem Abschluss, das ähnlich den US-Gesetzesvorlagen die Verantwortung über die Kontrolle und Überwachung von Internetinhalten auf die Provider überträgt, und somit die Fälschung und Verfälschung von ursprünglich aus einer Quelle stammenden Inhalten und deren Verbreitung im Internet verhindern helfen soll.

 

Corinna Kübler

,

Christina Walzner

Quellen: Schwarze Startseiten gegen Zensur

www.sueddeutsche.de

www.spiegel.de

www.heute.de

www.abendblatt.de

www.digitalegesellschaft.de

VERÖFFENTLICHT AM

19. Januar 2012

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


k3nny

am 22.01.2012 um 19:26 Uhr

Zur Zeit sieht es nicht so aus als würde der SOPA eine Mehrheit im Kongress bekommen. Dennoch ist es ein Warnschuss. Die Regierung der USA wird das Gesetz in veränderter Form und auf kleine Reformen verteilt dennoch versuchen einzuführen. Die Freiheit des Internets ist keine Selbstverständlichkeit mehr. In Holland existiert eine derartige Zensur bereits, ebenfalls in Australien. Anonymous ist die Flagge unter der wir diese Einschränkungen bekämpfen können, müssen und werden. United as one, divided by zero. Expect us.

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