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Das Busen-BILD zieht um

Das Ausland klatscht Beifall, aus dem Inland hagelt es Kritik – und alles nur weil die „Bild-Miezen“ vom Titel verbannt wurden. Ironischerweise muss, wer weiterhin nackte Tatsachen auf der ersten Seite sehen möchte, in Zukunft Boulevardzeitungen aus dem benachbarten Ausland abonnieren.

Quelle: Bild

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Screenshot: faz.net

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Den diesjährigen Weltfrauentag nutzten die Herren aus der „Bild“ - Redaktion für einen PR-Coup: Nicht nur schickten sie ihre Kolleginnen in eine Art Sonderurlaub für Frauen, so allein gelassen verbannten sie denn auch gleich das „Seite-1-Girl“ ins Zeitungsinnere. Nach über 5000 Klempnerinnen, Nageldesignerinnen, Regalbauerinnen und Parkettlegerinnen ist jetzt also Schluss mit einer Institution, die das Erscheinungsbild der größten deutschen Boulevardzeitung maßgeblich prägte. Der Plan der Redaktion indes ging auf: Nationale und internationale Medien sind voll von Berichten über das Ende der Ära. Das Busen-Bild wurde zum Medienthema.

„Ein großer Schritt für alle Männer in Deutschland“

Zahlreiche deutsche Publikationen fühlten sich veranlasst, die Abschaffung des „Seite-1-Girls“ zu kommentieren. Zumeist wurden die Kommentare von Frauen verfasst und entsprechend fallen sie  aus: „Süddeutsche“ und „Spiegel“ sind sich jedenfalls einig – Männer, die diesen Schritt als ihren Beitrag zur Feminismusdebatte feiern, haben nichts verstanden. So schreibt etwa der „Spiegel“: „Der Sexismus wird dadurch nicht besser, dass Frauen sich an einem anderen Ort erniedrigen,“ in der „Süddeutschen“ ist zu lesen: „Gleichberechtigung bedeutet nämlich nicht, dass Männer für einen Tag den Softie geben und rote Herzchen in die Zeitung klatschen. Gleichberechtigung, egal, ob zwischen Frauen und Männern oder anderen gesellschaftlichen Gruppen, setzt voraus, einander mit Respekt zu begegnen.“  Erwähnenswert vielleicht ein Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die eine ausführliche Statistik zu Bildung, regionaler Herkunft und Beziehungsstatus der stripteasewilligen jungen Frauen erstellte und diese satirische kommentierte. 

„Schritt in die richtige Richtung“

Während deutsche Redaktionen die Entscheidung der Bild-Zeitung offenbar nicht so recht zu schätzen wissen, ist die internationale Presse voll des Lobes. Insbesondere Hindus begrüßen die Verbannung der Miezen. So schreibt „The Jet“, eine Zeitung von den Fidji-Inseln: „Hindus begrüßen das Ende der Seite-1-Nackten in Bild“. Der indische Hindu-Priester Rajan Zed gab eine Presseerklärung ab, in der er die Entscheidung als „Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnete. 

In Holland wird die Umpositionierung der nackten Tatsachen gar als „kulturelle Revolution“ gefeiert und auch die Engländer kommentieren das Geschehen beim deutschen Boulevardblatt: Der „Guardian“ etwa wünscht sich ähnliches umdenken auch für britische Medien. Diese Forderung wirkt ein wenig befremdlich, ist es doch bei der englischen „Sun“ Gang und Gäbe was die „Bild“ erst jetzt umsetzen möchte: Dort logieren die Busen seit jeher auf Seite drei, von wo aus sie schon der einen oder anderen Dame zu internationalem Ruhm verhalfen. Zu sehen waren dort bereits unter anderem Samantha Fox und Katie Price.

Keine kulturelle Revolution in Luxemburg und der Schweiz

Ob das deutsche Vorbild sich international durchzusetzen vermag bleibt abzuwarten, denn im benachbarten Ausland ist man lange nicht so fortschrittlich wie hierzulande: Die luxemburgische  Boulevardzeitung „Privat“ etwa zeigt nach wie vor barbusige junge Frauen auf der ersten Seite. Aufmachung und Textqualität erinnern dabei durchaus an die „Bild“ - Zeitung. Auch der schweizer „Blick“  titelt mit leicht bekleideten Mädchen. Dort ist man erst bei Nummer 600 – es dauert also noch ein wenig bis zur Abschaffung, wenn man so lange durchhalten möchte wie die deutsche Konkurrenz. Vielleicht ein Trost für alle enttäuschten Männer: Beide Zeitungen erscheinen auf deutsch. 

 

Quellen: 

 

 

 

Corinna Kübler

VERÖFFENTLICHT AM

13. März 2012

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