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Hochschule der Medien

Harald Schmidt Show

Das Ende der Late-Night-Legende

Harald Schmidt geht – nicht nur in die Sommerpause, sondern endgültig. Sat.1 wird die die Show absetzen. Mit ihr verschwindet der letzte echte Late-Night-Talker aus dem deutschen Fernsehen.

Screenshot: www.schmidt.de

Screenshot: www.schmidt.de

Insgesamt fast 18 Jahre sorgte er mit seiner Harald Schmidt Show für Unterhaltung im deutschen Fernsehen, beim TV-Privatsender Sat.1 sowie während eines gut fünfjährigen Ausflugs zu den Öffentlich-Rechtlichen. Anfangs mit vier Folgen pro Woche, später mit einer oder zwei, erzielte der Star der deutschen Late Night-Shows hohe Einschaltquoten. In den letzten Monaten und jüngst wieder mit drei Ausgaben pro Woche, auf einem zu späten Sendeplatz, konnte Harald Schmidt dem Quotendruck des Privatfernsehens einfach nicht gerecht werden. Nur mit  "Schade", soll er die Entscheidung für das Aus kommentiert haben. Schade, um einen großen Talkmeister, der seinen amerikanischen Vorbildern wie David Letterman und Jay Leno das Wasser durchaus reichen konnte. Schade, um ein großes Stück Qualitätsfernsehen, das mit der selbst ernannten „Medien-Nutte" jetzt verloren geht. Und vor allem schade, dass bei vielen Intendanten und Fernsehmachern die reine Quote oft mehr wiegt, als klares Profil und hoher inhaltlicher Anspruch.

Schmidt stichelt besser denn je

"Dirty Harry" erreichte in seiner Hochzeit in den Jahren nach der Jahrtausendwende einen Marktanteil von bis zu 17 Prozent, aber in den vergangenen Monaten nur noch gut fünf Prozent. In der ersten Sendung nach Bekanntwerden seiner Kündigung vor zwei Tagen, ist bei ihm von Wut oder Enttäuschung keine Spur zu sehen. Stattdessen stichelt er besser denn je. Gegen Kollegen, die Fernsehlandschaft und sich selbst. Er berichtete von Plänen, die er geschmiedet habe, um sich von seinem Arbeitgeber trennen zu können: "Ich musste auf Knien bitten und habe noch nie harte Fernsehmanager so weinen sehen." Später gestand er jedoch "Man hat mich gefeuert. Aber bitte kommt mir nicht mit ZDFneo! Das ist ein Sender für arbeitslose Spätpubertierende, die nie den Kapitalismus verstanden haben."

Empörung im Web 

Auch im Netz ist das Unverständnis für die Absetzung seiner Schow zu spüren. Fans des Late Night Stars reagieren auf die Neuigkeiten mit Empörung: "Ich möchte nicht Bürger in einem Land sein, in dem Mario Barth eine Show hat, Harald Schmidt aber nicht," schreibt Marc-André auf Facebook. Fan Isabelle stellt sich die Frage nach der Verantwortung: "Intelligenter Humor ist leider nicht für Quotenmassen geeignet. Wann übernehmen Sender für die Pressefreiheit endlich mehr Verantwortung? Gehen die Programmentscheidungen nach Quote/TKP wirklich in die richtige Richtung?" Facebook-User Christian sieht das Problem vor allem in der Technologie: "Ich wüsste gerne mal die Zahlen derer, die sich die Sendung online angeschaut haben." Denn diese Zahlen würden bei der Ermittlung der Zuschauerquote nicht beachtet. Trotzdem: 400.000 Zuschauer bei manchen Sendungen sind für Privatsender, die von der Quote leben, einfach zu wenig.

Überraschender Abgang

Die SZ kommentierte das Ende der Late Night mit einem TV-Rundumschlag: dass die deutschen Entertainer zu selbstsicher geworden seien, dass niemand von Kerner über Gottschalk bis Schmidt je deren qualitative Steigerung gefordert habe, der Wechsel von Sender zu Sender keine Einbußen, sondern die Kassen der Stars immer weiter gefüllt habe. Es hätte einfach genügt, beispielsweise Schmidt zu sein, immer das Selbe zu tun und damit das zu machen, was man immer schon gemacht habe.

Spitz kommentiert Schmidt dagegen seinen Rauswurf in seiner Show: "Das ist ja wie beim D-Day", so Schmidt, "Alle gucken mit dem Fernrohr, wann der Gottschalk gefeuert wird und dann komme ich zuvor. So war das damals in der Normandie auch. Man hat vorne geguckt und von hinten kamen die Amerikaner." Die Frage ist, wie geht es weiter mit Harald Schmidt? Finanziell hat er sicher ausgesorgt. In den vergangenen Jahren habe er sich verändert, sagen manche, er sei zunehmend zynisch und gelangweilt, eben einfach "schlechter" geworden, nicht mehr so ganz dabei. Nicht abstreiten kann man Schmidt jedoch sein Gespür für Tabus, und den Mut, eben diese in gekonnt feuilletonistischer Manier zu brechen.

Vielleicht kommt Schmidt aber bald so überraschend zurück, wie er jetzt geht. Es wäre nicht das erste Mal und für jeden Sender der Gewinn einer kleinen, aber feinen Zielgruppe.

 

 

Christina Walzner

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Quellen: Das Ende einer Late-Night-Legende

www.welt.de
www.spiegel.de
www.wikipedia.de

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29. März 2012

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