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Ohne Quote, ohne Live, ohne Gottschalk

Bereits seit Wochen wird über das Ende der ARD Vorabend-Show „Gottschalk Live“ spekuliert. Trotz mehrmaliger Überarbeitung des Sendungskonzeptes waren die Quoten niedrig geblieben. Vergangene Woche gab die ARD bekannt, die Sendung zur Sommerpause absetzen zu wollen.

Screenshot: www.daserste.de / Gottschalk-Live

Screenshot: www.daserste.de / Gottschalk-Live

Er trat an, den ARD Vorabend zu retten – und scheiterte. Gerade drei Monate nachdem der deutsche Kultmoderator Thomas Gottschalk sein Debut auf der ARD-Bühne feierte, wurde das Aus für die Sendung verkündet. Thomas Gottschalk ist es nicht gelungen, die vertraglich geforderten zehn Prozent Marktanteil zu erreichen. Er selbst nimmt das Ende der Show betont gelassen: "Ich nehme diese Entscheidung der Intendanten mit Bedauern zur Kenntnis, habe aber volles Verständnis dafür. Es war uns von Anfang an klar, dass wir mit diesem Format ein Experiment gewagt haben, und ich war mir des Risikos zu jeder Zeit bewusst," so berichtete unter anderem die Welt.

Chronik eines Fehlschlags

Am 23. Januar 2012 ging „Gottschalk Live“ zum ersten Mal auf Sendung. Große Hoffnung hatten die Programmmacher in das Format gesetzt: Einem wie Thommy müsste es doch gelingen, aus der „Todeszone“ (Vorabendsendeplatz der ARD, Anm. der Redaktion) eine Goldgrube zu machen. Gottschalk plauderte also zunächst aus „seinem“ Wohnzimmer über die Welt und mit der Welt. Die Einschaltquoten blieben dabei deutlich hinter den Erwartungen zurück. Das musste sich ändern.

Die Diskussion um einen gecasteten, weiblichen Sidekick begann, die Idee wurde jedoch verworfen. Publikum sollte her. Also schnell ein anderes Studio gesucht, Publikum und noch mehr prominente Talkgäste eingeladen und schon war er da, der Relaunch. Doch die Quoten wollten nicht steigen, zumindest nicht auf die angestrebten zehn Prozent Marktanteil. Daran konnte auch der eilends engagierte Redaktionsleiter Markus Peichl nichts ändern. Die Entscheidung, nicht mehr Live zu senden, was aufmerksame Zuschauer zufällig entdeckten - kommuniziert wurde das nie, hatte keinen großen Einfluss mehr auf den Erfolg der Show. 

Innerhalb der ARD wurden immer mehr Stimmen laut, die eine Absetzung der Show forderten. Zuletzt veröffentlichte der Spiegel ein internes Papier der ARD, nachdem „Gottschalk Live“ gar die Gesamtquote des Senders gefährde. Der Moderator wirkte auf Grund der gesamten Situation immer unentspannter, immer unzufriedener in seinen Moderationen, auch wenn er sich stets bemühte, der Sendung doch noch zum Erfolg zu verhelfen. So ist das Aus für die Show nicht nur die logische Konsequenz aus den Kritiken der letzten Wochen, sondern auch eine Erleichterung für alle.

Der Fehler: das Konzept

Warum ist die Sendung so gefloppt?  An dieser Stelle sind sich Deutschlands Kritiker ausnahmsweise einig: Das Konzept passte nicht zum Moderator. Weder glaubte man Gottschalk, dass er den älteren Zuschauern das Internet näher bringen wolle, noch konnten seine Ausflüge in das World Wide Web die junge Generation überzeugen. Viele Themen in allzu kurzer Zeit abzuhandeln zählte ebenfalls nie zu den Stärken eines Moderators, der es bisher gewohnt war, seine Sendung beliebig zu überziehen. Die zweimalige Unterbrechung jeder Sendung durch Werbepausen verhinderte einen Gesprächsfluss von vornherein. Das Konzept beraubte Gottschalk seiner größten Stärke: der Spontanität.

Gottschalk, die ARD, die Zukunft

Für alle Gottschalk Fans besteht aber weiter Hoffnung: Die ARD überlegt bereits, wie man Thomas Gottschalk anders in das Programm einbinden kann. Eine große Abendshow – so die Spekulationen -  soll es werden, vielleicht ein bisschen so wie „Wetten, dass…?“ . 

 

Quellen:

www.spiegel.de

www.welt.de

Corinna Kübler

VERÖFFENTLICHT AM

25. April 2012

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