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Henri Nannen Preis

Buhrufe und eine abgelehnte Auszeichnung

Drei Redakteure der Süddeutschen Zeitung haben den Henri Nannen Preis abgelehnt. Sie sollten die Auszeichnung in der Kategorie "Investigative Recherche" zusammen mit Autoren der Bild-Zeitung bekommen.

© http://www.henri-nannen-preis.de

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Herausragende journalistische Arbeit sowie gründliche und investigative Recherche: Der Henri Nannen Preis steht für Qualitätsjournalismus. Er ist eine der größten Auszeichnungen, die ein Journalist in seiner Berufslaufbahn bekommen kann. Trotzdem haben bei der diesjährigen Verleihung drei Autoren der Süddeutschen Zeitung den Preis abgelehnt, weil sie nicht zusammen mit der Bild-Zeitung ausgezeichnet werden wollten. Im Publikum fanden die SZ-Autoren einige Unterstützer. Mit Buhrufen kommentierten sie die Überreichung des Preises an die Bild-Redakteure, die für ihre Recherchen im Fall Wulff geehrt wurden.

Geteiltes Medienecho

Die Zurückweisung des Preises hat für ein großes Medienecho gesorgt. Die Reaktionen der Verlage reichen von Verständnis, über Empörung bis hin zu Gleichgültigkeit. Jakob Augstein wirft in seiner Kulumne auf Spiegel-S.P.O.N. die Frage auf, ob "der Schritt der SZ-Kollegen besonders mutig oder besonders hochmütig" war. Weiter vermutet er: "In Wahrheit geht es um mehr: nämlich um die Frage, was ist und was darf Journalismus und wer entscheidet das?" Alexander Kissler bezeichnete den Vorfall auf Focus-Online nicht als Eklat, sondern als "Normalfall": "Der dreiköpfige Wächterrat, als der sich die SZ-Kollegen präsentierten, passt so gar nicht in eine Zeit, die von epochalen Veränderungen der Medienwelt geschüttelt wird." Er bedauerte vielmehr die verpasste Gelegenheit, auf der Veranstaltung über seiner Ansicht nach wichtigere Themen zu sprechen, wie etwa die aktuelle Frage nach dem Urheberrechtsschutz oder die rückläufige Leserschaft in der jungen Generation. "Die fehlende Größe der Redakteure bei der SZ-Aktion" vermisste Patricia Schlesinger, Leiterin Programmbereich Kultur und Dokumentation beim NDR: "Hans Leyendecker und seine Kollegen hätten mehr Größe bewiesen, wenn sie über die Kollegen der Bild gesagt hätten: Wir begrüßen die New Kids on the Block."

Gewinnerquote: 100 Prozent männlich

Kritik wehte auch von Seiten der Journalistinnen-Initiative ProQuote. In einer Mitteilung kritisierten sie die ausschließlich männlichen Preisträger: 30 Journalisten erhielten dieses Jahr den Henri Nannen Preis - und keine einzige Journalistin. Bei den Nominierten sieht die Verteilung zwar ein wenig besser aus, bei 28 männlichen und vier weiblichen Bewerbern liegt die Männerquote allerdings immer noch bei 88 Prozent. Auch in der Vorjury liegt der Anteil der männlichen Entscheidungsträger mit 78 Prozent relativ hoch, in der Jury sind es sogar 80 Prozent. Die Initiative ProQuote hat es sich zur Aufgabe gemacht, für mehr Frauen in redaktionellen Führungspositionen zu kämpfen. Auf ihrer Internetseite macht die Organisation darauf aufmerksam, dass aktuell nur zwei Prozent der deutschen Chefredakteursstellen mit Frauen besetzt seien.

Nicht der erste Eklat

Bereits bei der Verleihung im vergangenen Jahr sorgte ein Preisträger für Medienrummel. Spiegel-Redakteur René Pfister bekam den Preis für die beste Reportage erst verliehen und anschließend aberkannt. Umstrittien war eine Passage in seinem Text "Am Stellpult" über Horst Seehofer, den bayerischen Ministerpräsidenten. Eine Schilderung der Modelleisenbahnanlage in der Reportage, bei der Seehofers Keller beschrieben wurde, hatte vermuten lassen, er selbst sei bei der Szene dabei gewesen. Dies aber stimmte, wie sich im Nachhinein herausstellte, nicht.

Insgesamt gingen dieses Jahr 872 journalistische Arbeiten beim Henri Nannen Preis ein. Verliehen wurden die Auszeichnungen am 11. Mai in Hamburg. Mit dem Henri Nannen Preis wurden  erstmals 2005 herausragende Reportagen in deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften ausgezeichnet. Verliehen wird der Preis jährlich vom Verlagshaus Gruner + Jahr und dem Stern. Dotiert ist die Auszeichnung mit insgesamt 35.000 Euro.

Christina Walzner

Quellen: Süddeutsche Zeitung lehnt Preis ab

VERÖFFENTLICHT AM

15. Mai 2012

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