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Hochschule der Medien

Medieninformatik

Vorbeugung bei Massenpanik

Menschenmengen, enge Passagen und wenige Notausgänge - Viele Großveranstalter müssen mit dem Problem einer Massenpanik rechnen. HdM-Absolvent Benjamin Heuer hat in seiner Abschlussarbeit Bewegungsdaten einer Großveranstaltung analysiert. Das Ergebnis präsentierte er auf einer Fachkonferenz in Vancouver.

Benjamin Heuer hat seine Arbeit in Vancouver vorgestellt

Benjamin Heuer hat seine Arbeit in Vancouver vorgestellt

Die Massenpanik bei der Loveparade 2010 in Duisburg schreckt heute noch zahlreiche Gäste von Großveranstaltungen ab. Auch deshalb hat sich der 25-jährige Medieninformatik-Absolvent der HdM in seiner Bachelor-Arbeit mit Menschenmengen befasst. Er hat „Bewegungsdaten einer Großveranstaltung" genauer unter die Lupe genommen, auffällige Datenmuster extrahiert und Prognosemodelle entwickelt. Solche Passantenstromanalysen können helfen, Unglücke bei größeren Veranstaltungen zu vermeiden, da sie es erlauben, mögliche Engpässe vorherzusagen.

Sicherheit bei Großveranstaltungen

Die hohe Mobilität vieler Menschen, attraktive Städte und ihre Angebote führen zu einer wachsenden Zahl an Großveranstaltungen. Die An- und Abreise dorthin sollte sicher von statten gehen. Vor diesem Hintergrund, hat Heuer empirische Daten, die im Rahmen des Projektes „VeRSiert" erhoben wurden, für eine Simulation des Kölner Hauptbahnhofs mit Gebäude und Besuchern ausgewertet. In dem Computermodell konnte jede Person hingehen, wohin sie wollte. Dieses Verhalten und die Wege der Personen wurden aufgezeichnet.

Verfolgungsjagd im Kölner Hauptbahnhof

„Die erste Idee für die Datenerhebung war, festzuhalten, wie viele Personen die Ein- und Ausgänge des Kölner Hauptbahnhofs genutzt haben", berichtet Heuer. In einem weiteren Schritt wurde das Bewegungsverhalten von knapp 2.000 Menschen aufgezeichnet. Hierfür wurden einzelne Personen an zwei Tagen auf ihrem Weg durch den Bahnhof unbemerkt begleitet. Die Route und die einzelnen Stationen, sei es nun ein Bäcker oder ein Zeitschriftenladen, wurden festgehalten und in einer Datenmenge zusammengefasst. Dabei spielen die reinen Wegeketten eine Rolle.

Katastrophenvorbeugung in drei Ansätzen

Mit diesen Daten hat der Medieninformatiker weiter gearbeitet, mit drei verschiedenen Ansätzen. Im ersten analysierte er, welche Ausgänge des Kölner Bahnhofs am häufigsten genutzt wurden. Mit den gefilterten Daten konnte der HdM-Absolvent feststellen, welche Ausgänge beispielsweise wenig oder gar nicht genutzt werden. Mit diesen Erkenntnissen können die Verantwortlichen des Kölner Bahnhofs Maßnahmen ergreifen, um dafür zur sorgen, dass durch eine bessere Ausweisung sich die Menschenmassen bei einer Panik besser auf die vorhandenen Ausgänge verteilen. Im zweiten Ansatz untersuchte er das Verhalten der Menschen in Abhängigkeit ihres zurückgelegten Weges. Je länger dieser war, desto unterschiedlicher ist das Verhalten des Bahnhofsgastes. Je nachdem, wo er einen Zwischenstopp eingelegt hat, variiert seine Verhaltensweise. „Hier kann klar heraus gefiltert werden, welche Punkte die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und welche Teile des Bahnhof unscheinbar sind. Diese Auswertungen könnten ideal für die Platzierung von Werbeflächen eingesetzt werden", erklärt Heuer. Im letzten Ansatz bündelte er die Datenmenge durch ein aus der künstlichen Intelligenz stammendes Clusteringverfahren, das automatisch Ähnlichkeiten findet und gruppiert. Der HdM-Absolvent hat sechs Monate an seiner Thesis gearbeitet, die von Professor Dr. Johannes Maucher und Dr. Heiko Roßnagel vom Fraunhofer IAO betreut wurde. Inzwischen macht er seinen Master in Wirtschaftsinformatik an der Universität Hohenheim.

Internationale Vorstellung

Auf der Iscram 2012, eine internationale Fachkonferenz über Krisenmanagementsysteme, Ende April in Vancouver (Kanada) hat Heuer seine Ergebnisse vorgestellt. „Das ist ein toller Erfolg", freut sich Betreuer Maucher. „Dass die Bachelor-Arbeit als ‚Full Paper' angenommen wurde belegt, dass das Studium zu wissenschaftlicher Arbeit qualifiziert", so Maucher. Heuers Arbeit ist Bestandteil des Verbundforschungsprojektes „VeRSiert", an dem sieben Partner beteiligt sind. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms "Forschung für die zivile Sicherheit" als Teil der High-Tech-Strategie der Bundesregierung gefördert.


Der Titel der Bachelor-Arbeit:
„Analyse von Bewegungsdaten einer Großveranstaltung. Extraktion auffälliger Muster und Erstellung eines Prognosemodells
"
Sommersemester 2011

Betreuer:
Prof. Dr. Johannes Maucher, Hochschule der Medien
Dr. Heiko Roßnagel, Fraunhofer IAO Stuttgart

 

VERÖFFENTLICHT AM

24. Mai 2012

KONTAKT

Benjamin Heuer
E-Mailbenjamin.t.heuer@googlemail.com

Prof. Dr. Johannes Maucher

Medieninformatik

Telefon: 0711 8923-2178

E-Mail: maucher@hdm-stuttgart.de

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