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Eurovision Song Contest

Der universelle Raab

Markanter Bart, breites, zähnefletschendes Grinsen und offensichtlicher, allgegenwärtiger Ehrgeiz: Stefan Raab. Er macht jede Show zu Geld und ist täglich in den Medien präsent. Wir stellen dieses Allround-Talent und seine TV-Geschichte vor.

Stefan Raab als Wachsfigur bei Madame Tussaud (Foto: Christian Hof, flickr.com)

Stefan Raab als Wachsfigur bei Madame Tussaud (Foto: Christian Hof, flickr.com)

Vom Fleischermeister zum TV-Gott, ein begnadetes Multitalent, das wie wenige sein Privatleben wirklich privat hält. Stefan Raabs Schützling, Roman Lob, trat am Wochenende in Aserbaidschan bei „Eurovision Song Contest" (ESC) an. Er belegte einen guten achten Platz. Auch wenn es nicht die Nummer eins wurde, konnte Stefan Raab den Erfolg seines Sängers feiern, denn seine Casting-Show für den ESC hat sich bewährt. Innerhalb der letzten drei Jahre konnte Raab den ersten Platz und zwei Plätze unter den Top 10 sichern.

Raab macht „Wadde dudde piep piep...."

Bereits 1998 zeigte das Multitalent seine Leidenschaft für den ESC. Als Produzent und Komponist "Alf Igel" sorgte er mit dem Guildo Horn Song "Piep, piep, piep, Guildo hat Euch lieb" beim Grand Prix für Furore. Im Jahr 2000 nahm er mit "Wadde hadde dudde da" selbst an dem europäischen Musikwettbewerb teil und belegte Platz fünf in Schweden. Seit März 1999 wird der 46-Jährige jeden Montag- bis Donnerstagabend auf die Bühne gehievt und setzt sich unter lautem Beifall an seinen fahrbaren Schreibtisch. Im Hintergrund spielt die Live-Band aktuelle Charts. Ein Schulterzucken und schon schweigt das Publikum von „TV-Total" - so sehr hat der Entertainer es im Griff. Genauso wie die Medienwelt. Er ist Schöpfer verschiedener Sendungen und macht sprichwörtlich „aus Dreck Geld".

Der unbesiegbare Raab

„Wok-Weltmeisterschaft", „Stock Car Crash Challenge" „TV Total Turmspringen" und vor allem „Schlag den Raab", sind erfolgreiche Sendungen, geschaffen vom Messias, wie er einst von der Süddeutschen Zeitung betitelt wurde. Bei „Schlag den Raab" stellt dieser sein Talent unter Beweis. Er ist allwissend, geschickt, hat Durchhaltevermögen und selbst nach knapp sechs Stunden Wettstreit ist er immer noch hoch konzentriert. In der nächsten Sendung siegt er wieder und mittlerweile liegen zwei Millionen Euro im Jackpot.

Der Raab, der einsteckt

Beim Musiksender Viva begann seine Fernsehkarriere 1993. Stefan Konrad Raab wollte ursprünglich einen Programmjingle anbieten und wurde spontan zum Casting eingeladen. Er moderierte die Sendung „Vivasion" und half Frank Elstner, den Fußballspieler Toni Polster in die versteckte Kamera zu locken. So viel Spaß hatte Raab nicht immer. Für seine lockere Zunge kassierte er auch mal ein blaues Auge. Rapper Moses Pelham schlug Raab bei der Echo-Verleihung 1997 ins Gesicht, da ihn dieser in seiner Show "Möschen" genannt hatte. Das Ende der Geschichte: Stefan Raab geht vor Gericht. Und gewinnt. Auch in der Sendung „Boxen Total" holte Raab sich ein blaues Auge: Im Kampf gegen Regina Halmich ging er fast k.o., aber eben nur fast - mit gebrochener Nase.

Der Raab, der austeilt

Doch Raab steckt nicht nur ein, sondern teilt auch ordentlich aus. Mit dem Song "Maschendrahtzaun" erreichte er 1999 den ersten Platz in den deutschen Charts und feierte den Erfolg. Nicht so jedoch Hausfrau Regina Zindler aus Auerbach/Vogtland, deren Zitat er aus der Gerichtsshow Barbara Salesch geklaut, in seiner Show verwendet und in sein Lied eingebaut hatte. Das Zitat der Sächsin wurde deutschlandweit berühmt und der Raabsche Musikhit brachte die Reporter ins Vogtland. Regina Zindler hielt den Druck der Öffentlichkeit nicht aus, verkaufte ihr Haus und verließ ihre Heimatstadt.

Der Raab räumt ab

Im Februar 2008 erhielt Raab in der Kategorie „Beste Unterhaltung" die goldene Kamera. Im gleichen Jahr räumte er einen „Bambi" in der Kategorie „Entertainment" ab. Ein Jahr später bekam er die „Goldende Henne" in der Kategorie „Fernseh-Innovation" und für „TV-Total" 2010 den deutschen Comedy-Preis für die beste Late-Night-Show. Allein schon dieses Jahr wurde ihm die „Rose d´Or" verliehen, die Rose für TV-Innovation und Raabs langjähriges und überaus ideenreiches TV-Schaffen. Die genannten sind nur eine Auswahl der Preise, die der Entertainer abgeräumt hat. Erfolge über Erfolge. Raab - eine Person, die alles kann, jeden kennt, aber über sein Privatleben so gut wie nichts preis gibt.

Der Raab stellt sich dagegen

Wie schafft er das nur? Wer ihm zu nahe kommt, lernt rasch seine Anwälte kennen. „Focus online" startete 2010 den Versuch, in die Privatsphäre von Raab einzudringen und intime Details über sein Leben zu erfahren. Gleich am ersten Recherchetag erhielt die Redaktion einen Brief, indem Raab künftige Interviews mit Focus ablehnte und dafür andere Blätter bevorzugen würde. Das Magazin recherchierte trotzdem weiter. Nachbarn, Kioskbesitzer und ehemalige Lehrer wurden befragt. Focus veröffentlichte eine Reihe von privaten Informationen. Gleich nach der Veröffentlichung ließ Raab eine Gegendarstellung drucken.

Raabs Privatleben bleibt im Dunkeln

Die Süddeutsche verglich die Punkte mit dem Bericht von Focus und stieß in die Lücken: Beispielsweise besuchte Raab eine private Schule und bespaßte regelmäßig seine Mitschüler. Sein erstes Geld verdiente er mit Werbe-Jingles und steckte diese Erlöse in das eigene Tonstudio im Elternhaus. Undementiert blieb auch, dass auf dem Sportflughafen Bonn/Hangelar sein Privatflugzeug Marke TBM stehe. So richtig intime Details sind das allerdings nicht. Um wen es sich bei seiner Frau handelt, ist beispielsweise bis heute nicht bekannt. Interessanter Weise ist auch nach längerer Recherche der Originaltext über den Geheimnisvollen bei Focus nicht zu finden. Die Gegendarstellung von Raab kann allerdings bis heute noch online nachgelesen werden.

 

Quellen:
Welt.de
Focus.de
Süddeutsche.de
tvtotal.prosieben.de
haas.homelinux.net

 

Irina Sinner

VERÖFFENTLICHT AM

29. Mai 2012

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