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Grüne Handys als Lebensaufgabe

Vision oder Utopie: Die niederländische Initiative Fairphone will ein Handy auf den Markt bringen, das ohne Kinderarbeit und Ausbeutung produziert und gehandelt wird. Hinter dem Namen verbirgt sich die Kombination aus Fair Trade und Telephone.

Foto: fairphone.com

Foto: fairphone.com

Die Fairhandelsbewegung spielt in dem Projekt eine zentrale Rolle. Denn viele der in einem Handy notwendigen Bauteile kommen aus Entwicklungsländern und werden später in die Industrieländer exportiert. „Ein Handy zu bauen, klingt erst einmal ziemlich einfach, das wird ja ständig gemacht. Das Problem ist, dass die Produktion intransparent ist. Es gibt weder einen Hersteller, noch einen Provider, der garantieren kann, dass sein Telefon fair produziert ist. Denn was am Anfang der Herstellungskette passiert, weiß niemand“, sagt Teammitglied Bas van Abel.

Projekt im Kongo

Ein Beispiel dafür sind die Rohstoffe: Im Durchschnitt werden für ein Handy um die 30 Mineralien und Metalle benötigt, darunter Kupfer, Gold und Coltan. Diese sind meist in Entwicklungsländern, wie dem Kongo, zu finden. Bei der Rohstoffgewinnung würden die Hersteller der Handy-Metalle keine Rücksicht auf Umwelt oder Menschen nehmen. „Vielfach werden Menschen umgesiedelt, um das Land für den Rohstoffabbau freizumachen. Zudem sind die Arbeitsbedingungen in den Minen sehr gefährlich“, so van Abel. Weiter sagt er zum Thema Kinderarbeit: „Zum Beispiel beim Abbau von Kobalt, was auch in Handys und Akkus landet, arbeiten alleine im Kongo 50 000 Kinder in den Bergwerken.“

An einem „Fair Trade“-Modell für die Rohstoffgewinnung von Kobalt in den Bergminen des Kongos arbeitet das Team bereits. Sie setzen sich ein gegen Kinderarbeit und für eine faire Bezahlung der Arbeiter. Doch das ist nur ein kleiner Schritt in diesem großen Projekt. „Es ist so unglaublich kompliziert, dass es am Ende bedeutet, die ganze Welt zu verändern“, sagt van Abel.

Fairphone als Lebensaufgabe

Neben ihm arbeiten noch sechs weitere Personen im Kernteam mit. Daneben gibt es eine Community mit über 100 Profilen. Mithelfen können sie in den einzelnen Arbeitsbereichen. Dazu gehören die Bergminen für die Rohstoffgewinnung, die Produktion und das Design des Telefons. Ebenfalls mache sich das Team Gedanken über Geschäftsmodelle und die späteren Kunden vom Fairphone. „Wir wollen ein faires Handy schließlich nachhaltig machen und nicht für den Müll“, so van Abel. Bis es einmal so weit sein könnte, vergehen noch mindestens zwei bis fünf Jahre, schätzt er. Doch Abel weiß auch, dass das erste Fairphone noch nicht zu „100 Prozent ethisch unbedenklich“ sein wird. Für ihn wird es zur Lebensaufgabe: „Wir müssen an einem fairen Telefon arbeiten, solange wir leben.“

Quellen: www.ard.de

             www.fairphone.com

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

15. Juni 2012

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