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Hochschule der Medien

Kuppelshows im Fernsehen

„Je higher der heel umso higher mein feel“

Für jeden Paarungswilligen etwas: Nach Großstädtern, Dicken und Bauern können nun auch Landbewohner ganz allgemein im Fernsehen die Liebe fürs Leben suchen. Am Sonntag den 03. Juni ging Sat.1 erstmals mit der täglich schrägen Show „Land sucht Liebe“ auf Sendung.

Der diesjährige "Cast" des Erfolgsformats "Bauer sucht Frau" , Screenshot: rtl.de

Der diesjährige "Cast" des Erfolgsformats "Bauer sucht Frau" , Screenshot: rtl.de

Enrico sucht Seelenverwandschaft, Screenshot: Sat1.de

Enrico sucht Seelenverwandschaft, Screenshot: Sat1.de

der "herzliche Hausmeister" Siegfried ist am liebsten nackt. Screenshot: Sat1.de

der "herzliche Hausmeister" Siegfried ist am liebsten nackt. Screenshot: Sat1.de

Walther beweist seiner Angebeten seine Männlichkeit, Screenshot: rtl2.de

Walther beweist seiner Angebeten seine Männlichkeit, Screenshot: rtl2.de

In der Pilotfolge wurden zunächst die 13 Kandidaten vorgestellt - ab sofort können sich Frauen bewerben, die die paarungswilligen Singles kennen lernen wollen. Unter ihnen der passionierte Nacktsportler Siegfried aus Bayern. Er sucht eine Frau, die seine Liebe zur Natur ebenso teilt wie seinen Hang zum Nudismus - und so ist das erste Bild in seinem Vorstellungsclip der nackte Siegfried am Bügelbrett. Aber auch der „kernige Masseur" Gerrit sucht, mit Unterstützung der ganzen Rockerfamilie, die Frau fürs Leben - schließlich will seine Mutter bald Enkelkinder. Seine Fähigkeiten als Masseur beweist er so denn auch gleich an seinem Vater,  bei dessen wohligem Stöhnen dem Zuschauer ganz anders werden kann. Wer jetzt denkt, die beiden Beispiele seien Extremfälle, der irrt. Der sensible Enrico ist weder homo- noch hetero- oder gar bisexuell (was denn dann?), sagt über sich selbst „der Enrico lässt sich nicht so einfach in eine Schublade stecken" -  und sucht nach einem oder einer  Seelenverwandten. Wie diese(r) aussehen könnte, davon kann sich der interessierte Zuschauer übrigens ab Herbst, in einer täglichen Vorabendsendung ein Bild machen. Fremdschämfernsehen vom feinsten!

„Munterer Mittelfranke" macht Megaquote

Den mit Abstand größten Kultstatus unter den Kuppelshows genießt nach wie vor das RTL-Erfolgsformat „Bauer sucht Frau". Jahr für Jahr präsentiert Moderatorin Inka Bause einsame Landwirte, die sich endlich binden wollen. Dieses Jahr mit dabei: Hans-Georg, der „herzliche Hobbybauer", Jürgen, der „heitere Hühnerwirt" und Kurt, der „muntere Mittelfranke". Sie alle hoffen dank RTL endlich das große Glück zu finden und diese Hoffnung scheint nicht ganz unbegründet. Das Format punktet nämlich nicht nur mit Einschaltquoten, auch die Trefferquoten bei der Partnervermittlung können sich sehen lassen: Schäfer Heinrich ist zwar, glaubt man dem Boulevard, wieder Single (dafür jetzt eine nationale Berühmtheit), Jungbauer Josef und seine Narumol sind jedoch zwischenzeitlich verheiratet, haben ihre Tochter Jorafina getauft und denken schon über ein zweites Kind nach. Kuppelerfolgsgeschichten, wie sie nur RTL schreiben kann.

Flirten im rot-weiß gestreiften String

Wem das zu normal ist, der sollte dringend RTL 2 einschalten: Bei „Traumfrau gesucht" bekommen auch Single-Männer eine Chance, die auf dem deutschen Markt praktisch nicht vermittelt werden können. In Moskau und Budapest suchen Manfred, Walther, Elvis und Karsten nach bindungswilligen Schönheiten. Dabei haben sie nicht nur hohe Ansprüche - Manfred etwa steht auf Absätze, oder wie er es formulieren würde „je higher der heel, umso higher mein feel". Sie haben auch selbst einiges zu bieten: der etwas in die Jahre gekommene Walther im rot-weiß gestreiften Tanga  ist sich zum Beispiel sicher, dass seine Ausdauer für jede junge Frau ausreicht. Glücklicherweise tritt er den Beweis nicht vor laufender Kamera an.

Wohnmobil und Wohlfühltempel

Aber nicht nur Landbewohner wollen unter die Haube gebracht werden, auch in der Stadt findet, trotz Internetsinglebörsen, offenbar nicht jeder sein Glück. Aber kein Problem - RTL hilft: Während Dirk  - ja, einfach nur Dirk, in diesem Format muss der Zuschauer auf freche Namensalliterationen leider verzichten - mit dem Wohnmobil durch Deutschland fährt, um seine potentiellen Partnerinnen zu besuchen, werden dem „Zauberclown Peppino" alias Esoterik-Fan Peter aus München, die Frauen nach Hause gebracht. Das lohnt sich, schließlich hat er sich mit seinem Baldachinbett einen eigenen „Wohlfühltempel" geschaffen.

Immer weiter im Trash

Das deutsche Fernsehpublikum jedenfalls scheint sich an peinlichen Singles und den daraus resultierenden, nicht weniger peinlichen Paaren nicht satt sehen zu können. Nach dem Talkshowhype der 90-er und den Gerichts-und Castingshows der frühen 2000-er Jahre, scheint nun die Ära der Kuppelshows angebrochen - ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Erst wenn der letzte deutsche Freak verkuppelt ist, erst wenn dem letzten Redakteur die Alliterationen ausgehen, erst wenn der letzte Zuschauer die Schnauze voll hat von Sondersendungen über Hochzeiten und Babys verkuppelter Paare, erst dann wird sich ein noch seichteres und billigeres Format erfinden, dass quer durch die Sender hinweg adaptiert werden kann.

Weitere mögliche Überschriften für diesen Artikel aus Sicht der Redaktion:

Lüsterne Landwirte locken Luder

Treuer Tänzer tröstet Tunten

Quellen:

www.sat1.de

www.rtl.de

www.rtl2.de

 

Corinna Kübler

VERÖFFENTLICHT AM

15. Juni 2012

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