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Hochschule der Medien

TV-Serien, Teil 2 von 6

Alltag auf der Mattscheibe

Heimatgeschichten in der Nachkriegszeit, Mauerbau oder US-Serien in den 70er Jahren: Politische und gesellschaftliche Ereignisse spiegelten sich oft im TV wider. Im zweiten Serienteil blicken wir auf das Genre "Familienserie".

Die Kinder lieben es, sie regelmäßig anzusehen, auch die Eltern verfolgen sie gebannt, im besten Fall finden sich sogar Oma und Opa in der Handlung wieder. Der Erfolg von Familienserien liegt auf der Hand: Die Darstellung von Geschichten im Familienumfeld geben jedem die Möglichkeit, sich mit einem Darsteller zu identifizieren. Familienserien leben den Alltag, wie er sich in Millionen Haushalten täglich in ähnlicher Weise abspielt, im Fernsehen vor. Beziehungen und Abhängigkeiten, Streit, Krankheit, traurige und freudige Ereignisse sind die Grundzutaten für ein erfolgreiches Familienserien-Drehbuch. Die Geschichten auf der Mattscheibe bieten vielen Zuschauen eine Orientierung und zeigen Lösungsansätze zu Problemstellungen.

Kernfamilie als Spiegelbild

Familienserien laufen normalerweise immer zur gleichen Zeit, entweder täglich oder wöchentlich. Ausnahmen werden höchstens bei Feiertagen oder großen Sportereignissen, wie zum Beispiel der Olympiade oder Weltmeisterschaften, gemacht. Für jede Familienserie gibt es einen festen Cast an Schauspielern, der nur von Zeit zu Zeit wechselt. Oft gibt es eine Kernfamilie, die über Jahre hinweg bestehen bleibt. Manchmal kommt es vor, dass eine Figur von einem neuen Schauspieler übernommen wird, dies erntet allerdings in der Fangemeinde oft große Kritik. In den Storylines wechseln sich normative und zeitgeschichtliche Ereignisse ab: Taufen, Hochzeiten, Beziehungsprobleme, Scheidungen oder der Schul- und Arbeitsalltag werden kombiniert mit Wahlen, politischen Strömungen, wirtschaftlichen Entwicklungen oder Modetrends.

Tier- und Familienserien passé

Auch wenn es heute noch viele Tier- und Familienserien gibt, ihre aufmwerksamkeitsstarke Blütezeit ist längst passé. In der Nachkriegszeit kamen die noch heute oft wiederholten US-Familienserien mit einem Tier in der Hauptrolle auf: Rin-tin-tin (der kluge Spürhund), Lassie (der intelligente Familienhund), Fury (der gezähmte Mustang) und Flipper (der 'sprechende' Delfin) waren die wohl bekanntesten. Irgendwie waren diese Serien Vorläufer der später aufkommenden Tierschutz-, Öko- und Natur-Thematik der 80er und 90er Jahre in den westlichen Gesellschaften.

Insgesamt beschäftigten sich die deutschen Serien in dieser Zeit vor allem mit dem Alltag nach dem Krieg. So drehten sich viele Geschichten um Vertreibung, nachgeholte Bildung oder Kriegsgefangenschaft. Das Wirtschaftswunder sorgte für deutsche Serien, die aufstrebende Familienunternehmen und zunehmenden Wohlstand, aber auch die Teilung Deutschlands, zum Hauptthema hatten. Während der 70er und 80er Jahre erfreuten sich amerikanische TV-Reihen, deutsch synchronisiert, zunehmender Beliebtheit. Seit den 1990er und 2000er Jahren leidet die Beliebtheit der klassischen Familienserien jedoch unter Talk- und Kochshows, Quizsendungen und Daily Soaps.

Die Hesselbachs - Wirtschaftswunder und Familienglück

© S.A.D. Home Entertainment GmbH

Die Geschichte der Hesselbachs begann mit einer Radioserie in den 50er Jahren. Insgesamt 77 Hörspiele wurden im Hörfunk gesendet. Weil die Serie so beliebt bei den Hörern war, wurde sie Ende der 50er Jahre für das Fernsehen verfilmt. 1960 flimmerte die erste Folge der Serie "Die Firma Hesselbach" über den Bildschirm und setzte leicht abgewandelt die Handlung aus den Hörspielen fort. Sie spiegelte die damalige gesellschaftliche Stimmung in der Wirtschaftswunderzeit wider. Hauptperson war Karl Hesselbach, Direktor einer kleinen Verlagsdruckerei. Die Erzählstränge drehten sich am Anfang rund um den Arbeitsalltag im Familienunternehmen, später rückte die Familie des Firmenbesitzers, die über der Druckerei wohnt, in den Mittelpunkt. Die erste Staffel erzielte so hohe Einschaltquoten (teilweise 93 Prozent), dass kurz darauf die weiteren Staffeln "Die Familie Hesselbach" und "Herr Hesselbach und ..." produziert wurden.

Fury - Tierische Helden auf dem Bildschirm

© Polyband/WVG

Aufgemacht im Western-Look, inhaltlich aber eher ein Kinder- und Familienformat, lief zwischen 1955 und 1960 die erfolgreiche Serie "Fury". Die Geschichten und Abenteuer rankten sich um den Waisenjungen Joe, der durch Adoption auf der Broken Wheel Ranch landete. Er erarbeitete sich das Vertrauen des wilden Pferdes Fury. Die beiden verband eine tiefe Freundschaft und sie erlebten zusammen viele Abenteuer. Die Geschichte der ersten Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch. Der weitere Verlauf wurde von Drehbuchschreibern erfunden. Die Serie war bei den Zuschauern vor allem aufgrund der detailverliebt ausgearbeiteten Darstellung der Charaktere beliebt.

Daktari - Tierschutz in Afrika

© Warner Home Video - DVD

Ein Exporterfolg der US-Serien war "Daktari", erstmals ausgestrahlt im Jahr 1969. Spielort der Serie ist die Wameru-Tierstation in Afrika. Der amerikanische Tierarzt Dr. Marsh, seine Tochter Paula und der Wildhüter Hedley kümmerten sich um verletzte Tiere. Kernthemen des Formats waren der Tierschutz und der Kampf gegen Wilderer. Beliebt war die Serie auch bei Kindern, da mehrere Tiere, wie der schielende Löwe Clarence und die kluge Schimpansin Judy eine tragende Rolle spielten. Insgesamt entstanden 89 einstündige Episoden. Produziert wurde die Serie von dem Tierfilmer Ivan Tors, der bereits für die Produktion von "Flipper" verantwortlich war. Die Serie über den "sprechenden" Delphin war ebenfalls ein Riesenerfolg in Deutschland. Flipper löste in den Folgen für die Familie der Wasserrettung kleine Kriminalfälle und rettete in Seenot geratene Menschen.


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06. August 2012

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