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Studie

Fast jeder schummelt

Früher gab es Spickzettel, heute hilft das Smartphone: Schummeln ist nicht neu, auch nicht an Universitäten. Bereits als Schüler konnte man lernen, richtig zu spicken – ohne aufzufliegen. Neu ist aber, dass erstmals eine Studie empirische Daten zum Schummeln an deutschen Universitäten erhoben hat.

Jeder Dritte schreibt ab, Foto: Claudia Hautumm/pixelio.de

Jeder Dritte schreibt ab, Foto: Claudia Hautumm/pixelio.de

Plagiate sollen bestraft werden, Foto: Gerd Altmann/pixelio.de

Plagiate sollen bestraft werden, Foto: Gerd Altmann/pixelio.de

Soziologen der Universitäten Bielefeld und Würzburg führten dazu im Auftrag des Bundesbildungsministeriums zwischen 2009 und 2012 mehrere Befragungen durch. Zwischen 2000 und 6000 Studenten sowie rund 1400 Dozenten antworteten anonym auf die Fragen der Experten. Im September soll die so genannte "Fairuse"-Studie erscheinen. Erste Ergebnisse wurden exklusiv vorab im aktuellen "Zeit Campus"-Magazin, Ausgabe 5/2012, veröffentlicht.

Universitäten sollen auch Werte vermitteln

Laut der Erhebung gaben 79 Prozent der Befragten an, mindestens einmal im Semester geschummelt zu haben. Jeder fünfte soll sogar schon mindestens einmal ein Plagiat abgegeben haben. Beliebt ist auch das Abschreiben ( Juristen nannten es früher als Unterschleif) in Klausuren: Rund 37 Prozent hat schon vom Wissen des Nachbarn profitiert oder heimisches Wissen mitbebracht, bei den Medizinern sogar zwei Drittel. Jeder dritte Mediziner und Naturwissenschaftler würde zudem Messergebnisse fälschen oder erfinden. All das sind Verstöße gegen die Prüfungsordnungen. Entdeckt werden sie fast nie.

Vor allem Studenten, die schlecht mit ihrem Studium zurechtkommen, neigen zum Schummeln. Auch große Prüfungsangst und starker Konkurrenzdruck lassen einige zu solchen Mitteln greifen. Zufriedene Studenten betrügen hingegen seltener. Sebastian Sattler, Projektleiter der Studie, plädiert deshalb dafür, an den Universitäten nicht nur Stoffe, sondern auch Werte zu vermitteln. "Nicht zufällig gibt es in vielen Berufen Probleme mit Korruption, Diebstahl am Arbeitsplatz oder unzuverlässiger Zeitabrechnung. Das verursacht einen volkswirtschaftlichen Schaden. Und irgendwo fängt die Bereitschaft zu betrügen an."

Schummeln erschweren

Doch was können die Dozenten dagegen machen? "Im Bereich der Prävention und Methodenlehre gibt es in Deutschland noch Verbesserungspotenzial, das muss sich durchs ganze Studium ziehen", sagte Wolfgang Marquardt, Professor für Prozesstechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und Vorsitzender des Wissenschaftsrats. Bei Klausuren könnten Hochschullehrer zum Beispiel Klausuren verteilen, bei denen jeweils die Fragen anders sortiert sind. So wäre das Abschreiben komplizierter.

Auch Plagiate könnten schneller entdeckt werden, wenn Dozenten bei Suchmaschinen Sätze aus Hausarbeiten eingeben würden. Ebenso könnte mit Plagiatssoftware kontrolliert werden. Der Mehraufwand ist meist gering, weil direkt im Dokument markiert werden kann. Doch nur ein kleiner Teil der Befragten gab an diese Möglichkeiten zu nutzen. Laut einem Test würden die meisten Software-Programme aber nichts taugen, so der "Spiegel".

Wissenschaftsbetrug bestrafen

Der Betrug an Universitäten geht aber noch weiter, wie prominente Beispiele immer wieder gezeigt haben: So waren die Doktorarbeiten des früheren Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin und von Veronica Saß, der Tochter von CSU-Politiker Edmund Stoiber, Plagiate. Nicht auszuschließen war, dass Teile der Arbeiten von Ghostwritern, also nicht von den Autoren selbst verfasst worden sind.

Der Hochschulverband, der die Universitätsprofessoren in Deutschland vertritt, fordert den Gesetzgeber auf, auch "Wissenschaftsbetrug" als Tatbestand ins Strafgesetzbuch aufzunehmen. Damit sollen Ghostwriter und Wissenschaftler, die den Dienst nutzen und ihre Qualifikationsarbeiten lieber von anderen schreiben lassen, betraft werden können. Bislang versuchen die Universitäten, dem Betrug mit einer eidesstattlichen Erklärung und der stärkeren Betreuung der Doktoranden entgegenzuwirken. Doch gegenüber gewerblichen Promotionsberatern seien sie machtlos.

Quellen: www.zeit.de

             www.tagesspiegel.de

             www.spiegel.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

20. August 2012

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