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Hochschule der Medien

45 Jahre Farbfernsehen

Farbfernseher oder Kleinwagen?

Keine Farbe, keine Fernbedienung und nur ein Programm: Die Welt flimmerte bis vor 45 Jahren noch in schwarz-weiß über die Bildschirme. Doch die Umstellung auf ein buntes Programm hat anfangs kaum jemand wahrgenommen, denn ein Farbfernseher kostete so viel wie ein Kleinwagen.

"Das Sandmännchen" (Kinderkanal), "Lassie" (CBS Television), "Bonanza" (NBC Television), "Flipper" (NBC Television) und "Mit Schirm, Charme und Melone" (Studio Canal)

"Das Sandmännchen" (Kinderkanal), "Lassie" (CBS Television), "Bonanza" (NBC Television), "Flipper" (NBC Television) und "Mit Schirm, Charme und Melone" (Studio Canal)

“Cartouche, der Bandit“ © Studio Canal

Pünktlich zum Beginn der 25. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin startete am 25. August 1967 das Farbfernsehen in Deutschland. Es war das erste Land in Europa, das seitdem ein regelmäßiges Farbfernsehen ausstrahlt hat. Bereits morgens gegen 9.30 Uhr gab es eine Begrüßungsmoderation vom Sender Freies Berlin: Zunächst in schwarz-weiß, die Verabschiedung wurde dann in Farbe übertragen. Nachmittags um 14.30 Uhr wurde zeitgleich auf dem ARD und dem ZDF der französische Spielfilm „Cartouche, der Bandit“ als erster Farbfilm gesendet.

Umschalten musste man lange nicht

Doch sehen konnten die meisten Zuschauer die bunten Bilder nicht, weil kaum einer über ein entsprechendes Gerät verfügte: Gerade einmal rund 100.000 Farbfernseher wurden 1967 verkauft. Diese kosteten anfangs zwischen 2500 und 4000 DM – fast so viel wie ein Kleinwagen. Erst 1971 wurde die Millionengrenze bei den Verkaufszahlen überschritten und vier Jahre später hatte sich die Anzahl verdoppelt.

"Mit Schirm, Charme und Melone" © Studio Canal

Die neuen Fernsehgeräte unterschieden sich stark von den Schwarz-Weiß-Geräten, die noch bis in die 1980er Jahre gebaut wurden: Die ersten Geräte brauchten noch nicht einmal eine Fernbedienung, weil es lange keine Programmauswahl gab. Folglich besaßen die Geräte meist nur einen Ein- und Aus-Schalter, einen Regler für die Lautstärke, einen für die Helligkeit und den Kontrast sowie einen für die Feinabstimmung der Frequenz.

Sendungen wurden langsam bunt

Das Fernsehprogramm jener Jahre bot für Kinder Serien wie „Die Kinder von Bullerbü“ oder „Die Augsburger Puppenkiste“. Gerade kleinere Kinder mussten nach dem „Sandmännchen“ ins Bett. Erwachsene sahen gerne das ZDF-Magazin, „Die Drehscheibe“ oder um 20 Uhr auf der ARD die Tagesschau. Besonders der Satz „Hier ist das erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau“ wird vielen im Gedächtnis geblieben sein. Abends liefen dann Tiersendungen wie „Ein Platz für Tiere“ oder Krimi- und Agentenserien wie „Mit Schirm, Charme und Melone“. An den Wochenenden waren Familien- und Tiersendungen, darunter „Lassie“, „Flipper“ oder „Jedermannstraße 11“, beliebt. Sonntagnachmittags gab es Western wie „Bonanza“ oder „Rauchende Colts“.

"Bonanza" © NBC Television

Ganz in Farbe gab es das Fernsehprogramm erst Anfang der 1970er Jahre. Bis dahin wurden Sendungen oder Filme kurz vorher mit einem kleinen Farblogo angekündigt. Die erste Fernsehserie, die es nur bunt gab, war die Western-Komödie „Pistols and Petticoats“.

Mainzelmännchen sind geblieben

Noch einige Jahre dauerte es auch, bis es einen 24-stündigen Fernsehbetrieb gab. Zwischen dem spätabendlichen Sendeende und dem morgendlichen Sendebeginn wurde nur eine große analoge Uhr gezeigt. Ein weiterer Unterschied: Kurz vor Beginn eines Spielfilms erschien eine Fernsehansagerin, die einen kurzen Einblick in das bevorstehende Programm bot. Ein Überbleibsel der Frühzeit sind die Mainzelmännchen als Werbetrenner auf dem ZDF. Die kleinen Trickfiguren sind heute noch Kult.

Quellen: www.das-waren-noch-zeiten.de

             www.wikipedia.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

22. August 2012

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