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Hochschule der Medien

TV-Serien, Teil 4 von 6

Zicken und Exzentriker

Komische Momente können überall entstehen: Egal, ob beim konservativen "Ekel-Alfred", bei Absurditäten im Kontakt mit Außerirdischen oder unter sozial inkompetenten Nerds. Um Sitcoms geht es in unserem vierten Serienteil.

Sitcoms sollen unterhalten. Im Gegensatz zu Comedyshows, bei denen Sketche nacheinander folgen, werden bei Sitcoms Gags oder Situationskomik in dramatische Handlungen eingebunden. Die Handlungsstränge werden also meist humorvoll behandelt. Aufgenommen wurden die Sitcoms zu Beginn meist auf einer Studiobühne vor Livepublikum. Heute ist das anders: Gleich geblieben ist die Beschränkung auf wenige Orte, wie das heimische Wohnzimmer, Straßenecken oder Gartenanlagen. Auch die Schauspieler wechseln selten. Durch den hohen Wiedererkennungswert kann sich das Publikum stets schnell ins Geschehen einfinden.

Höhepunkt in den 1990er Jahren

Als erste Sitcom gilt "I Love Lucy" mit der US-Komikerin Lucille Ball. Sie spielte 1948 in einer Radiosendung eine verrückte Ehefrau. Daraus wurde die TV-Serie entwickelt. Ihren Höhepunkt hatten die Sitcoms in den 1990er Jahren. Besonders US-Serien wie "Friends" (1994-2004) oder "Seinfeld" (1989-1998) waren beliebt. Im gleichen Jahrzehnt begann man auch in Deutschland Comedyserien zu drehen: Weniger populär waren die Anfänge mit Serien wie "Hilfe, meine Familie spinnt" (1993), dagegen waren Serien wie "Die Camper" (1996-2005) oder "Ritas Welt" (1998-2003) beliebter. Allerdings gab es schon früh Ausnahmen, die die Produktionsweise der US-Sitcoms imitierten, wie zum Beispiel "Ein Herz und eine Seele" aus den 1970ern.

Die Anzahl der Sitcoms ist heute recht groß. Das Geschehen in Familien ("Eine schrecklich nette Familie", 1987-1997), Gruppen ("Seinfeld") oder WGs ("How I Met Your Mother", seit 2005), bot stets genug Möglichkeiten für Lacher. In den Anfängen wurden verstärkt auch Comedyserien mit politischem Hintergrund gedreht, zum Beispiel "Ein Käfig voller Helden" (1965-1971), das in einem deutschen Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg spielte. Ebenso tauchten immer wieder Fantasy-Sitcoms auf, darunter "Bezaubernde Jeannie" (1965-1970) oder "Alf" (1986-1990). Andere Drehorte waren Büros ("Stromberg", seit 2004), Hotels ("Golden Palace", 1992-1993) oder Krankenhäuser ("Scrubs – Die Anfänger", 2001-2010). 

Schaurig-schön: "The Addams Family" (1964-1966)

© Filmways Television

Die Fantasy-Sitcom fiel durch ihren morbiden Humor auf. Statt dem Idealbild einer US-Familie ging es um bizarre Bewohner einer alten Villa: Vater Gomez stellte am liebsten mit seiner Modelleisenbahn Zugunglücke dar und liebte seine vampiristische Frau Morticia abgöttisch. Die niemals lächelnde Tochter Wednesday versuchte stets ihren Bruder Pugsley zu verletzen und zu töten, doch er starb nie. Auch gab es noch Onkel Fenster, der in seinem Mund Glühlampen zum Leuchten brachte, und das eiskalte Händchen, eine abgetrennte Hand mit Eigenleben. Konkurrenz bekam die Serie von "The Munsters", die ebenfalls 1964 bis 1966 produziert wurde und auf ähnlichen Humor setzte. Erstmals tauchte "The Addams Family" 1938 als Cartoon in der Zeitung "The New Yorker" auf. In unterschiedlichen Versionen schaffte sie es immer wieder ins Fernsehen, zusätzlich entstanden drei Filme.

"Ekel-Alfred" in "Ein Herz und eine Seele" (1973-1976)

© Studio Hamburg

"Ekel-Alfred" (gespielt von Heinz Schubert) war das Familienoberhaupt: Der kaufmännische Angestellte, Hertha BSC-Fan und BILD-Leser wetterte als kleinbürgerlicher Stammtischpolitiker gegen Ausländer, Gastarbeiter und Frauen, besonders gegen die eigene, die "dusselige Kuh". Auch sein Schwiegersohn (in der ersten Staffel von Diether Krebs gespielt) passte ihm nicht, denn der Feinmechaniker war links und verkörperte die 68er-Generation. "Ekel-Alfred" nannte ihn auch "Sozi" oder "langhaarige bolschewistische Hyäne". Mit der Serie stellte der Westdeutsche Rundfunk in seinen 25 Episoden erstmals realistischere Familienbilder dar und war damit erfolgreich. Die amüsante Serie ging auf die britische Sitcom "Till death us do part" (1965-1975) zurück, genauso wie die amerikanische Version "All in the Family" (1971-1979).

"Die Bill Cosby Show": Afroamerikaner erobern Bildschirm (1984-1992)

© Universum Film

Zu jener Zeit unüblich für das US-Fernsehen drehte Bill Cosby eine Sitcom über eine wohlhabende schwarze Familie: Vater Heathcliff Huxtable war Gynäkologe und seine Frau Claire engagierte Anwältin. Die beiden ältesten Töchter besuchten bereits das College, die eine recht erfolgreich, die andere eher sprunghaft in ihrer Berufswahl. Auch Sohn Theo fiel lange durch seine Faulheit auf. Die jüngeren Schwestern Vanessa und Rudy stritten sich gerne. Zum Alltag gehörten genauso Taschengeldprobleme oder Liebeskummer. Gepaart wurde die Handlung mit Running Gags, wie der komisch läutenden Türklingel oder dem vielen Kaufen von Elektrogeräten, die Cliff nur einmal benutzte. Ende der 1980er Jahre eroberten die Afroamerikaner aus New York das deutsche Fernsehen. Lange galt die Cosby Show als die am längsten laufende Serie im US-Fernsehen, bis sie 1999 von den Simpsons überholt wurde.


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VERÖFFENTLICHT AM

03. September 2012

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