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Hochschule der Medien

Trauerbewältigung

Sterben 2.0

Sterben ist gar nicht mehr so einfach: Denn im Internet bleiben viele Spuren zurück. Der E-Mail-Account, die Community-Profile oder die eigene Webseite. Der neueste Clou: Der QR-Code auf dem Grabstein. Mit ihm können noch auf der Trauerfeier Informationen zum Verstorbenen abgerufen werden.

Grabsteine mit QR-Codes (Montage, Foto von Thomas Scholz/Pixelio)

Grabsteine mit QR-Codes (Montage, Foto von Thomas Scholz/Pixelio)

Der Tod im elektronischen Zeitalter hat damit also eine weitere skurrile Errungenschaft: Rund 100 Euro kosten die QR-Aufkleber für die Grabsteine. Damit können Fotos, Videos, Artikel zum Verstorbenen und dergleichen verlinkt werden.

Ob die QR-Codes makaber, pietätlos oder als Ergänzung zur digitalen Trauerbewältigung angesehen werden können, soll hier nicht beantwortet werden. Fest steht: Es bleibt die Frage, was mit den Online-Hinterlassenschaften passiert, den E-Mails, Texten, Videos, Profilen und Bildergalerien in Communities oder Einträgen in Foren?

Trauerprofile für Verstorbene

Manche sehen darin wichtige Erinnerungen und halten ihre elektronischen Hinterlassenschaften am Leben, schreiben vielleicht noch einen Spruch wie "In Erinnerung an XYZ" dazu. Bei einigen Communities kann zum Beispiel das Profil des Verstorbenen in ein offizielles Trauerprofil umgewandelt werden. Bei Facebook und StudiVZ müssen die Hinterbliebenen den Unternehmen jedoch eine Kopie der Sterbeurkunde zukommen lassen. Erst mit dem Nachweis wird das Profil in den Gedenkzustand versetzt oder auf Wunsch gelöscht.

Erbberechtigte können bei E-Mail-Unternehmen wie GMX oder Web.de auch den Zugang zum Postfach erhalten, wenn sie den Erbschein und die Sterbeurkunde vorlegen können. Am einfachsten ist es bei der Karriereplattform Xing: Das Profil wird inaktiv geschaltet, wenn der Betreiber per E-Mail, Telefon oder auf dem Postweg über den Tod eines Nutzers informiert wird. Nach drei Monaten wird das Profil endgültig gelöscht. Zugriff auf die Daten erhält keiner.

Rechtliche Grauzone

Da solche Vorgehensweisen bislang eine rechtliche Grauzone sind, sollte man am besten zu Lebzeiten bei einem Notar Passwörter hinterlegen und klarstellen, was nach dem Tod mit den Daten passieren soll - oder ob der Grabstein mit einem QR-Code verziert werden darf. Das geht auch online, zum Beispiel mit den englischsprachigen Angeboten wie Asset Look oder Legacy Locker.

Ähnlich skurril wie QR-Codes sind die "Grabstein-Butler", die Hinterbliebene engagieren können, damit diese die eigenen Grabbesuche übernehmen. Oder die verschiedenen Arten von Friedhöfen, wie den Unterwasserfriedhof in Miami oder die hängenden Särge in den Felswänden in China oder auf den Philippinnen.

Quelle: www.sueddeutsche.de    

           www.spiegel.de    

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

02. Oktober 2012

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Axel Roth

am 14.10.2012 um 17:52 Uhr

Hallo Rainer, vielen Dank für deine Worte. Tatsächlich hat mich dein Beitrag dazu angeregt über das Thema intensiv nachzudenken. Denn eines ist klar: Einen Reset-Knopf gibt es nicht. Ich empfehle daher folgende 2 Grundregeln: - Veröffentliche nur Informationen/Bilder/Standorte über Dich, die weder dir noch deinen Angehörigen zum Verhängnis werden können. - Deaktiviere Web-Accounts sobald du diese nicht mehr regelmäßig nutzt. Unter Berücksichtigung dieser beiden Verhaltensregeln kann man bereits viel Schaden/ Druck von Angehörigen nehmen. Und eines wird dabei auch deutlich: Man muss diese Regeln in Schulen und Hochschulen aktiv verbreiten. Viele Grüße

Rainer (rr08)

am 09.10.2012 um 18:11 Uhr

Ein QR-Code auf dem Grabstein mag heute noch skurril sein, in ein paar Jahren ist er es vielleicht nicht mehr. Es könnte aber auch sein, das die Menschen bis in ein paar Jahren festgestellt haben, dass im Internet doch nichts sooo lange bestand hat, wie man sich das vielleicht denkt. Da macht dann auch ein QR-Code keinen Sinn, der vielleicht auf eine URL zeigt, die wenige Jahre später schon nicht mehr gültig ist. Vielleicht sollte wir uns damit abfinden, dass nicht nur unser Körper vergänglich ist sondern auch unsere virtuellen Spuren nach und nach im digitalen Nirvana verschwinden... Viel spannender aber leider auch schmerzhafter ist viel eher die Frage, was bedeutet das Sterben in einer "digitalen Welt" für die Hinterbliebenen? Vor ein paar Wochen kam ein Freund von mir bei einem Unfall ums Leben. Und von heute auf morgen ist man da als Hinterbliebener mit Fragen konfrontiert, über die man sich vorher keine Gedanken gemacht hat: - Will der Verstorbene, dass seine Facebook-Seite eine Erinnerungsseite wird oder nicht? - Wenn die Seite zu einer Erinnerungsseite umgebaut wird, dann wird das Profil von Facebook für immer(!) für Logins gesperrt, Freunde des Verstorbenen können aber weiterhin auf die Wall des Verstorbenen posten... will ich das wirklich?! - Kann ich mich einfach in die Accounts des Verstorbenen einloggen und diese löschen, oder gebe ich mich dadurch als jemand anderer aus und begehe ein Betrugsdelikt? - Und was passiert z.B., wenn sich die Nachricht des Todes schon herumgesprochen hat, ich aber bei der Nachlassverwaltung den Rechner des Verstorbenen anmache und dabei automatisch z.B. Tools wie Skype online gehen und damit Anderen suggerieren, der Verstorbene wäre online? In der Tat, es lohnt sich - wie im Artikel erwähnt - schon zu Lebzeiten über diese Fragen nachzudenken und vorzusorgen (auch in jungen Jahren) Rainer

Verstanden

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