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Newsweek in Print

Menetekel des "Schluss, Aus, Vorbei"

Jüngere kennen den Titel schon gar nicht mehr, für ältere Magazinleser kam die Meldung überraschend: Newsweek, das zweitgrößte Nachrichtenmagazin der USA wird eingestellt. Am gestrigen Donnerstag verkündeten Verlag und Chefredaktion, dass zum Jahresende die letzte Printausgabe des wöchentlichen Montagsmagazins an die Kioske kommt.

Newsweek-Cover (Foto: © Newsweek)

Newsweek-Cover (Foto: © Newsweek)

"The Daily Newsweek Beast" (Foto: inquisitr.com)

"The Daily Newsweek Beast" (Foto: inquisitr.com)

Mit der Einstellung der Newsweek Printausgabe geht eine Ära zu Ende. Der große angelsächsische Print-Journalismus ist um ein Magazin ärmer. Seit Mitte der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts und mit einer Auflage von fast dreieinhalb Millionen zu Bestzeiten, war das Blatt viele Jahre an allen Kiosken der freien Pressewelt erhältlich.

"Ära zerstörerischer Innovation"

Wem das auflagenstärkere Time (mit einer heutigen Auflage von etwa vier Millionen) zu betulich war, schmückte sich rund um den Globus mit der Newsweek unter dem Arm. Das ist jetzt vorbei: Sinkende Verkaufsauflagen und redaktionelle Querelen führten zum Niedergang.  Der Hauptgrund jedoch: "Die Ära enorm zerstörerischer Innovation", so die Chefredakteurin Tina Brown, ausgelöst durch die Internet-Revolution.

Entstanden ist die Newsweek als Tochterunternehmen der "Washington Post" mit dem Auftrag, die Welt als Ergänzung zur Tageszeitung mit Hintergrund- und Zusatzinformationen zu "erklären, erläutern, verdeutlichen". Sie wurde zum kleineren, aber bissigeren Rivalen des Magazins Time. Verlags- und Geldgeberwechsel und der Online-Journalismus läuteten Ende der 1990er Jahre den Niedergang des Blattes ein. Den konnte auch Tina Brown (ehemals Vanity Fair, New Yorker) mit skandalisierenden Aufmachern nicht mehr aufhalten.

Die Online-Ausgabe im Junktim mit der Polit-Site "Daily Beast" sollte deshalb die "neue Woche" täglich aktuell halten – vergebens. Zu groß waren die Unterschiede zwischen überzeugten Print-Journalisten und Online-Schreibern, zu stark der Aktualitätsdruck der neuen Epoche, die kaum noch Zeit zum Nachdenken und für Hintergründe lässt.

Online Menetekel

Mit der Newsweek in Print geht auch eine kulturelle Ära zu Ende, zeugt von einem Menetekel an der Wand: dem Verfall der Aufklärungs-Kultur. Der journalistisch-investigative Stil braucht Zeit für die Content-Erstellung und Zeit für die Rezeption – beides sehr knappe Güter in Zeiten des Internet. Große Polit-Magazine als Printausgaben tun sich schwer, wenn täglich neue Informationen durchs Netz gehetzt werden, nicht nur im angelsächsischen Raum, auch in Kontinental-Europa.

Vielleicht fallen wir so zurück in eine Zeit, wo der Hintergrund nicht mehr journalistisch ans Licht gezerrt wird, sondern elitären Schreibern in Spezial-Publikationen vorbehalten bleibt, deren Publikationen nicht mehr für die vermeintlich demokratisierte Masse zugänglich sind.

Quellen: www.spiegel.de

             www.welt.de

             www.faz.net

Franco Rota

VERÖFFENTLICHT AM

19. Oktober 2012

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