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TV-Wahl-Duell

United Debates of America

Selten war die Präsidentschaftswahlwahl in den USA so spannend wie in diesem Jahr. Am Montag fand das letzte und entscheidende TV-Duell der beiden Kontrahenten Barack Obama und Mitt Romney statt. Grund genug, die TV-Spektakel als Ganzes zu betrachten, und einen Sieger der Debatten zu küren.

Barack Obama, 44. Präsident der USA, Foto: Wikimedia

Barack Obama, 44. Präsident der USA, Foto: Wikimedia

Mitt Romney, der republikanische Herausforderer, Foto: Wikimedia

Mitt Romney, der republikanische Herausforderer, Foto: Wikimedia

Noch vor wenigen Wochen hätte kaum einer dem republikanischen Herausforderer Mitt Romney einen Wahlsieg zugetraut. Ende September, rund eine Woche vor dem ersten TV-Duell, sah selbst der konservative und meistgesehene Nachrichtensender "Fox News" den amtierenden Präsidenten Obama mit satten fünf Prozentpunkten vorn. Doch der Vorsprung ist dahin. Erstmals seit Beginn des Jahres, sehen einige Umfragen den ehemaligen Gouverneur des Bundesstaates Massachusetts vorn. Kopf an Kopf streiten Obama und Romney inzwischen um Wiederwahl und Einzug ins Weiße Haus. Kaum zuvor gelang es einem Herausforderer, einen vergleichbaren Endspurt hinzulegen.

Mitt Romney, der republikanische John F. Kennedy?

Bereits nach der ersten Debatte vom dritten Oktober war klar: Der Wahlkampf könnte wider Erwarten spannender werden, als sich mancher Demokrat erhofft hatte. Zu müde, zu defensiv, zu nervös - so die einhellige Meinung zu Obamas Auftritt. Als eloquenter, angriffslustiger und gewitzter Redner trat hingegen Mitt Romney in Erscheinung. Erinnerungen an das erste TV-Duell in der Geschichte des Fernsehens kamen hoch. 1960 schlug der damals noch unerfahrene John F. Kennedy den Polit-Veteran Richard Nixon völlig überraschend im Kampf um das Weiße Haus. Jugendliches Charisma und braungebrannter Teint verschafften Kennedy den entscheidenden Vorteil gegenüber dem ungeschminkten und hölzern wirkenden Nixon.

In TV-Duell Nummer zwei und drei war Obama gewarnt und der 44. Präsident der USA zum Siegen verdammt, wollte er für weitere vier Jahre Präsident bleiben. Denn bereits vier Tage nach dem ersten TV-Duell lag Romney erstmals seit Monaten in einer Umfrage der Meinungsforscher "Rasmussen Reports" mit zwei Prozentpunkten vor Obama.

Ausgeruht in das zweite Duell

Zwei Wochen nach seiner unerwarteten Niederlage sahen die amerikanischen Zuschauer einen neuen, alten Barack Obama. Energie und Angriffslust schienen zurückgekehrt zu sein. Grund hierfür, so der amtierende Präsident auf einer Gala in New York, war eine ausgedehnte Ruhepause ("nap"), die er sich während der ersten TV-Debatte gönnte. Der Humor hatte Obama nicht verlassen. Viele wichtige Stimmen auf dem Weg zur Wiederwahl musste er jedoch einbüßen. Trotz des ihm zugesprochenen Sieges in der zweiten Debatte, konnte Obama die Umfragewerte nicht nenneswert steigern. Einer Umfrage des drittgrößten Nachrichtensenders MSNBC und des Wall Street Journal zu urteilen, konnte sich Romney auf dem Level von Obama festbeißen.

Alle guten Debatten sind drei

Die dritte und letzte TV-Debatte zur Präsidentschaftswahl ging laut des als unabhängig geltenden Nachrichtensenders "CNN" an Barack Obama. Doch der Sender selbst bezweifelt allzu große Auswirkungen des Ergebnisses auf den Wahlausgang. Nein, meint auch Harry Enten, Redakteur der britischen Zeitung "The Guardian". Historisch gesehen, so Enten, habe die dritte Debatte nur wenig Auswirkung auf die Wahl. Kurz vor dem Urnengang wären keine großen Überraschungen mehr zu erwarten. Und so sehen sich republikanische Blogger bestätigt, wenn sie der Wahl gelassen entgegen sehen: "Er (Romney, Anm. d. R.) hatte einfach nur zu erscheinen und zu zeigen, dass er ein vertrauenswürdiger und kompetenter Staatsmann ist", so auf einem Blog der Washingtoner Zeitung "The Hill" zu lesen.

Es bleibt spannend

In knapp zwei Wochen ist es soweit. Am 6. November entscheiden die Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten über die politische Zukunft ihres Landes. Die unzähligen Wahlprognosen scheinen sich im Stundentakt zu verändern. Zur Zeit des Artikeluploads liegt Herausforderer Romney mit 0,9 Prozentpunkten vor Obama (Durchschnitt auf RealClearPolitics).

Obschon Barack Obama die beiden letzten Duelle gewonnen haben mag - Mitt Romney scheint dennoch als Sieger hervorzugehen. Im Verlauf der TV-Debatten konnte er laut Umfragewerten wertvollen Boden gut machen. Dies ist in der Geschichte der US-amerikanischen Fernsehdebatten keine Seltenheit. Wie eine Statistik des Meinungsforschungsinstitut "Gallup" deutlich macht, haben die medienwirksamen Formate starken Einfluss auf die Umfragewerte. George W. Bush konnte beispielsweise bei der Wahl 2000 seine schlechten Umfragewerte im zweistelligen Bereich dank Rededuelle aufbessern. Ein wichtiger Schritt für seine erstmalige Wahl ins Weiße Haus.

Die einzig sichere Prognose, die sich derzeit treffen lässt: Für Präsident Obama dürfte es ungleich schwieriger werden als noch bei seinem fulminanten Wahlkampf 2008. Damals setzte sich der Hoffnungsträger in der Wahl zum Präsidenten mit 52,9 Prozent gegen seinen republikanischen Kontrahenten McCain (45,7 Prozent) durch.

Quellen:

http://www.realclearpolitics.com
http://www.rasmussenreports.com
http://www.nielsen.com
http://www.cnn.com
http://thehill.com/
http://www.guardian.co.uk
http://www.gallup.com

Wolfgang Kuhnle

VERÖFFENTLICHT AM

24. Oktober 2012

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