DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

De-Qualifizierungs-Kurs

"De-Quali" für Akademiker

Um einen Job zu bekommen, müssen arbeitslose Wissenschaftler wieder echte Männer werden. In dem Kurs "De-Qualifizierung für Akademiker" sollen sie ab dem 1. April 2013 lernen, wie es geht. Der verfrühte Aprilscherz wurde aber nicht als solcher erkannt und sorgte in den letzten Wochen für Aufsehen.

Zur Detailansicht Ausschnitt aus dem Kursprogramm der Kreisvolkshochschule Osterode.

Ausschnitt aus dem Kursprogramm der Kreisvolkshochschule Osterode.

Der Kurs an der Volkshochschule war als Maßnahme des Jobcenters des Landkreises Osterode am Harz ausgeschrieben. Im Programmheft hieß es: "Ein akademischer Abschluss oder gar eine Promotion kann beim Zugang zu bestimmten Berufen, beispielsweise als Bauhelfer, eine große Einstellungshürde sein." In 320 Unterrichtsstunden sollte "durch Erlernen eines zielgruppenspezifischen Vokabulars, angepasste Kleidung und gezielte Verhaltensänderung auch aus promovierten Geisteswissenschaftlern wieder echte Männer" gemacht werden. Für Frauen sei ein Kurs bereits in Vorbereitung.

Journalist wollte Praxistest machen

Obwohl am Ende der Hinweis stand, das Startdatum (1. April 2013) zu beachten, sorgte das Angebot für Furore: So mancher Internetuser erkannte den verfrühten Aprilscherz nicht. Ein freier Journalist soll der "Zeit Online" sogar angeboten haben, einen Praxischeck durchzuführen. Er wollte "die Metamorphose vom Akademiker zum Bauarbeiter" durchmachen, wie die Zeitung berichtete.

Erst eine offizielle Stellungnahme der Volkshochschule beendete das Durcheinander: Der Kurs starte am 1. April 2013 und sei somit ein Aprilscherz, hieß es. "Kurse zum 1. April, die zum Schmunzeln oder Nachdenken anregen sollen, haben eine lange Tradition in der Volkshochschullandschaft und finden sich in so manchem Programm", erklärte Jörg Hiddersen von der Volkshochschule. Für den 1. April 2012 boten sie zum Beispiel den Kurs "Venezianischer Gondelführerschein mit Gesangsprüfung" an. "Bislang hatten wir bei solchen Angeboten noch nie ernstgemeinte Anmeldungen, da die Leser unseres Programms unsere Intention an der vom Standard abweichenden Kursnummer und am Startdatum sowie an den offensichtlich übertriebenen Formulierungen der Kursausschreibung erkannt haben."

"Bildungsprekarier" beim Jobcenter

Die Reaktionen zeigten, dass einige Leser einen solchen Kurs nicht für abwegig hielten. Auch musste mancher Arbeitsloser mit akademischem Abschluss bereits Helfer-Jobs annehmen. Da lag es scheinbar nahe, dass die "verweichlichten Akademiker" zum Beispiel als Bauhelfer wieder zu "echten Männern" werden könnten.

Unter den zahlreichen Äußerungen war auch der Leserbrief von Jörg Neunhäuser, der auf "Zeit Online" veröffentlicht wurde. Der Mathematiker wisse, wie schwierig es die "geistige Elite" in der Arbeitswelt hat. Auch sie beziehen teilweise Arbeitslosengeld und haben mit den Vorurteilen gegenüber Arbeitslosen zu kämpfen. Diese gelten als wenig gebildet und würden primitive Sendungen schauen, Bier trinken und sich nicht um ihre Kinder kümmern.

Quellen:
Volkshochschule Osterode
Zeit Online
Rhein-Zeitung

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

10. Dezember 2012

ARCHIV

Netzwerk
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren