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Hochschule der Medien

"Wetten, dass..?"

Orgie an Schenkelklopfern

Mit einem Überraschungsauftritt von Sänger Robbie Williams startete "Wetten, dass..?" am Samstag, den 3. November 2012. Doch die Euphorie hielt nur kurz an. Der gleiche Trott, schlechte Witze von Moderator Markus Lanz und fast dreißig Minuten Überlänge strapazierten die Nerven der Zuschauer und Gäste.

 

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Für den Thomas Gottschalk-Nachfolger Lanz war es die zweite Live-Sendung. Im Gegensatz zur ersten Show schien er lockerer. Er lachte, machte Witze und Anspielungen, wollte Spaß vermitteln. Doch ganz glücken konnte es ihm nicht.

In knapp drei Stunden konnten die fast elf Millionen Zuschauer verfolgen, wie Lanz und sein Team ein Repertoire an Spaß-Provokationen abfeuerte. Die hochschwangere Schauspielerin Barbara Schöneberger musste versichern, dass sie ihr Kind nicht während der Show gebären würde und es nicht von Robbie sei. Schauspielerin Halle Berry musste hingegen fürchten, den Moderator Oliver Welke küssen zu müssen, wenn ihre Wettkandidatin, die Beautybloggerin Angela Kliebisch, ihre Nagellackwette verloren hätte. Und Moderator Lanz betonte gleich zweimal, wie sehr es seiner Mutter gefallen würde, dass er nun einen grünen (Nagellack-)Daumen habe. Welche Orgie an Schenkelklopfer.

"Lost in Translation"

Auch der Umgang mit den Gesprächspartnern schien manches Mal holprig zu sein. Es wolle kein richtiges Gespräch aufkommen. Besonders schwer schienen es die Gäste zu haben, die auf ihren Übersetzer hören mussten. Halle Berry sagte nach der Show sogar, dass sie nichts von der Sendung mitbekommen habe: "Ich war komplett 'Lost in Translation'. Mein Ohrstecker war plötzlich weg!" Da bleibt nur zu fragen, ob Promi-Gäste geeignet sind, wenn sie nichts mit der Show anfangen können oder wollen.

Vielleicht waren drei Stunden "Wetten, dass..?" einfach zu viel. Etwa eine halbe Stunde hat Lanz überzogen. Auch wenn es fast zum Standard gehört, dass die Sendung nicht pünktlich beendet wird, kam das bei Gottschalk in dem Ausmaß so oft nicht vor. Eins muss man Lanz und dem neuen Konzept aber zu Gute halten: Die Promis haben hier keine Sonderrechte. Jeder muss bis zum Schluss bleiben und seinem Wettkandidaten beistehen. Dafür bekommen sie schließlich Geld. Da muss auch ein Tom Hanks lächeln, wenn er einen glitzerfarbenen Nagellack tragen muss oder mit Katzenohren auf dem Kopf ein lebender Begrenzungspfeiler für die Publikumswette darstellt.

Am 8. Dezember 2012 kann Lanz einen neuen Versuch starten und hoffen, dass nicht nur die ersten Minuten mit einem Robbie Williams-Auftritt toll werden. Aber nächstes Mal gibt es auch eine weitere Neuerung bei "Wetten, dass..?", denn der Moderator muss oberkörperfrei mit den Chippendales auf der Bühne stehen. Wenn das nicht vielversprechend klingt.

Franziska Böhl

Kommentare geben nicht die offizielle Haltung der Hochschule wieder, sondern nur die Meinung oder Einschätzung des kennzeichnenden Autors. Im Falle der HdM-Website sollen sie außerdem zur Diskussion über ein aktuelles Medienthema im Zeitgeschehen anregen

VERÖFFENTLICHT AM

07. November 2012

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