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Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Studieren mit Beeinträchtigung, Teil 1

Die Skripte sind das Wichtigste

Studieren kann zu einer echten Herausforderung werden: Beeinträchtigte Menschen oder chronisch Kranke müssen zu den Studieninhalten auch ihre Behinderung bewältigen. Vier Betroffene der Hochschule der Medien (HdM) erzählen, wie das Studium trotzdem gelingt. Unsere Serie startet mit zwei Studierenden, die beim Hören ein Handycap haben.

Tim Alexander Lofi (Audiovisuelle Medien) und Sandra Maria Litschko (Medienwirtschaft)

Tim Alexander Lofi (Audiovisuelle Medien) und Sandra Maria Litschko (Medienwirtschaft)

Rund 16.000 Studierende mit Beeinträchtigung nahmen 2011 an der bundesweiten Online-Befragung "beeinträchtigt studieren" des Deutschen Studentenwerkes teil, die herausfinden wollte, welche Studien-Bedingungen für die Betroffenen an über 160 deutschen Hochschulen herrschten. Zum heutigen Internationalen Tag der Behinderten ein Grund für die Hochschulkommunikation, betroffene Kommilitonen an der HdM vorzustellen.

Nachteilsausgleich - für viele keine Option

"Der Umgang mit einer chronischen Krankheit oder einer Behinderung ist sehr individuell. Vielen Studierenden ist es wichtig, unauffällig und ganz normal durch ihr Studium zu gehen", weiß Prof. Dr. Mathias Hinkelmann, Hochschulbeauftragter für Studierende mit Beeinträchtigung an der HdM. Die Studie des Studentenwerks bestätigt das: Die meisten Betroffenen haben bisher keinen Antrag auf Nachteilsausgleich gestellt, da sie der Meinung waren, nicht anspruchsberechtigt zu sein, keine Sonderbehandlung wollten oder ihre Beeinträchtigung nicht bekannt machen wollten. "Nachteilsausgleich bedeutet, dass zum Beispiel mehr Zeit für Klausuren gegeben oder auch eine andere Prüfungsform gefunden wird", sagt Hinkelmann. Der individuelle Studienablauf wird mit den Studierenden besprochen, um so gemeinsam die beste Lösung zu finden.

Barrierefrei studieren

Nicht jede Beeinträchtigung ist auf den ersten Blick erkennbar, dennoch wirkt sie sich für die Betroffenen meist studienerschwerend aus. Nur ein geringer Teil der Befragten (13 Prozent) ist auf eine barrierefreie Einrichtung angewiesen, als wesentlich wichtiger werden Akustik, Belichtung und Belüftung der Räume genannt. Oft vergessen wird, dass auch die Dokumente und Vorlesungsunterlagen entsprechend barrierefrei aufbereitet und verfügbar gemacht werden müssen. Bei einer Hörbeeinträchtigung kommen diese Ansprüche besonders zum Tragen, wissen Sandra Maria Litschko und Tim Alexander Lofi.

Sandra Maria Litschko (23) studiert im zweiten Semester Medienwirtschaft an der HdM. Ihre Schwerhörigkeit wurde ihr von ihren Eltern vererbt. Mit Hilfe von Hörgeräten kann sie heute jedoch gut hören.

"Ich höre auch mit meinen Augen"

Da Sandra von Geburt an schwerhörig ist, leidet auch ihr Sprachverständnis darunter. Das wirkt sich auf ihr Textverständnis aus und sie benötigt mehr Zeit zum Verstehen und Bearbeiten von Aufgaben. Bei Prüfungsleistungen wird ihr diese Zeit eingeräumt. In den Vorlesungen und Seminaren ist Sandra auf das Verständnis und die Unterstützung von Kommilitonen und Professoren angewiesen. Eine Studienassistenz hat sie nicht, sie möchte ihr Studium allein bewältigen. Umgebungsgeräusche beeinträchtigen sie mittlerweile nicht mehr so stark: "Über die Zeit lernt man, damit zu leben und gewöhnt sich daran. Und wenn ich nichts mehr oder schlecht höre, kann ich immer noch von den Lippen lesen und höre sozusagen mit meinen Augen."

Tim Alexander Lofi (21) studiert Audiovisuelle Medien im 3. Fachsemester und leidet von Geburt an unter einer Hörbeeinträchtigung. Im Alter von drei Jahren wurde sein Hörvermögen hergestellt, indem man ihm ein Cochlear Implantat einsetzte.

"Auch hörbeeinträchtigt ist ein Studium Audiovisueller Medien möglich"

Dem Studenten macht das Studium große Freude, troz seines Handycaps. Das Wichtigste für ihn sind die Skripte zu seinen Veranstaltungen, denn in der Vorlesung selbst muss er sich zu stark auf das Zuhören konzentrieren. Ist es nicht möglich, dass er das Skript im Vorfeld einer Veranstaltung von dem Dozenten erhält, ist Tim auf die Notizen seiner Kommilitonen angewiesen. "Für mich wäre es eine große Erleichterung, wenn meine Dozenten bereits im Vorfeld über meine besonderen Anforderungen informiert wären. Sie jedes Mal aufs Neue darüber in Kenntnis zu setzen, ist auf Dauer umständlich." Gemeinsam mit Prof. Hinkelmann hat Tim eine Studienassistenz beantragt, diese hilft ihm vor allem beim Lernen für Prüfungen. Tim hat außerdem ein Referat für Gleichberechtigung an der HdM ins Leben gerufen. Er möchte anderen Betroffenen helfen, die mit ihren Fragen nicht weiter kommen oder nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen.

Hören mit Induktion

Um besser hören zu können, nutzen Tim wie auch Sandra ein FM-Gerät, welches sie mit Hilfe von Prof. Hinkelmann beim Sozialamt beantragt haben. Diese drahtlose Signalübertragungsanlage, die den Ton und die Lautstärke verstärkt, hängt sich der Dozent einfach um, ähnlich einem Mikrophon mit Verstärker. Tim, Sandra und andere von Sinnesbeeinträchtigung eingeschränkte Studierende können so den Vortragston direkt empfangen, denn das Gerät überträgt direkt an die Hörgeräte der Empfänger. Mit diesem Hilfsmittel sind die beiden Kommilitonen hoch zufrieden und sehen darin eine gute akustische Unterstützung und Stressreduktion bei ihren Lehrveranstaltungen an der HdM.

Lisa Messer

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Franco Rota

,

Carolin Stäblein

VERÖFFENTLICHT AM

03. Dezember 2012

KONTAKT

Prof. Dr. Mathias Hinkelmann

Medieninformatik

Telefon: 0711 8923-2002

E-Mail: hinkelmann@hdm-stuttgart.de

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