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60 Jahre Tagesschau

Ob Frauen das können?

Etwa jeder zehnte Deutsche sieht sich jeden Abend die 20-Uhr-Nachrichten an: Seit 60 Jahren informiert die Tagesschau und hat sich seit ihrer Erstausstrahlung am 26. Dezember 1952 stets ein wenig dem Zeitgeschmack angepasst. Und 1973 kam erstmals eine Frau zum Zuge.

Zur Detailansicht Das Logo der Tagesschau in den 1950er Jahren, Fotos: wikimedia.org

Das Logo der Tagesschau in den 1950er Jahren, Fotos: wikimedia.org

Zur Detailansicht Das Tagesschau-Sendestudio bis 2008

Das Tagesschau-Sendestudio bis 2008

Die Tagesschau ist fast so alt wie das Fernsehen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg: Nachdem die ARD am 25. Dezember 1952 den Sendebetrieb aufgenommen hatte, wurde bereits einen Tag später die Tagesschau ausgestrahlt. Nur etwa 500 Personen werden die Sendung am zweiten Weihnachtsfeiertag gesehen haben, denn erst etwa 200 Haushalte besaßen ein Fernsehgerät, das damals noch etwa 1500 Mark gekostet hat – fast so viel wie ein Kleinwagen.

Anders als heute wurde die Mutter aller Nachrichtensendungen dreimal pro Woche ausgestrahlt; 1956 verdoppelte sich die Anzahl und seit 1961 läutet die Tagesschau täglich um 20 Uhr das Abendfernsehen ein. Heute gibt es bis zu 23 Ausgaben pro Tag, die zwischen 2 und 15 Minuten dauern. Die 20-Uhr-Sendung ist der Mittelpunkt geblieben.

Köpcke war "Mr. Tagesschau"

In den ersten Jahren sahen die Zuschauer nur feste Bilder, die live kommentiert wurden. Die Nachrichtensprecher waren nicht zu sehen, denn Videos mit Ton konnten noch nicht abgespielt werden. Ein erstes Gesicht erhielt die Tagesschau am 2. März 1959 mit Karl-Heinz-Köpcke, dem ersten Tagesschau-Sprecher. Er war der erste, der vorlas. Auch heute noch lesen die Sprecher von einem Blatt ab und schauen nur am Anfang und am Ende auf den Teleprompter, um länger den Blick auf den Zuschauer richten zu können.

Köpcke blieb bis 1987 und avanvierte zum wohl beliebtesten Nachrichtensprecher. Die Zuschauer gaben ihm wegen seinem stets korrekten und seriösen Auftreten den Namen "Mr. Tagesschau". Als er nach seinem Sommerurlaub 1974 mit einem Schnauzbart zurückkam, musste er sich diesen auf Grund von Zuschauerprotesten wieder abrasieren. Doch mit seinem Verhalten setzte er auch Maßstäbe für das top-seriöse Auftreten und die Arbeitsweise eines Nachrichtensprechers.

Legendäre Lachanfälle

Zum 21. Jubiläum erlebte die Tagesschau eine weitere Neuerung: 1973 wurde Dagmar Berghoff die erste weibliche Tagesschau-Sprecherin. In einem Interview mit Tagesschau-Online sagte Berghoff: "Der damalige Chefsprecher Karl-Heinz Köpcke vertrat eigentlich die Ansicht, dass Frauen das nicht können, weil sie in Tränen ausbrechen, wenn ein Unglück passiert ist. Die Kollegen haben mich aber sehr freundlich aufgenommen, vor allem, nachdem sie gemerkt hatten, dass ich es doch kann." Berghoff blieb 23 Jahre, doch zu Beginn war jeder kleine Versprecher für sie ein "mittlerer Weltzusammenbruch". Später machte sie ein legendärer Lachanfall berühmt. Anstatt zu lesen: "Boris Becker hat am Abend das WTC-Turnier gewonnen", kam ihr ein "WC-Turnier" über die Lippen. Sie brach in nicht mehr enden wollendes Gelächter aus.

Ihr Kollege Jo Brauner weiß, wie schwierig es ist, in einer Sendung die Contenance zu bewahren. Von 1974 bis 2004 war er Nachrichtensprecher, auch heute noch verfolgt er jede 20-Uhr-Ausgabe mit Anspannung. "Die Sendung ist und bleibt meine Heimat." Auch er versprach sich schon und durfte dann nicht lachen. Dabei bestand auch immer die Gefahr über schwierige Worte zu stolpern. Sein wohl kompliziertestes Wort war der Name der holländischen Fluggesellschaft KLM: Koninklijke Luchtwaart Maatschappij. Nach eifrigem Üben schaffte er die perfekte Aussprache, dafür machte er bei der Folgemeldung aus dem "niedersächsischen Landtag" in Hannover einen "niederländischen".

"Mutter aller Nachrichtensendungen"

Die Tagesschau gilt heute als "Mutter aller Nachrichtensendungen" in Deutschland und ist mit knapp zehn Millionen Zuschauern pro Hauptausgabe Marktführer. Ihrem Konzept ist sie stets treu geblieben, selbst als sie 1984 mit der Nachrichtensendung "7 vor 7" von RTL erstmals Konkurrenz bekam. Doch auch der Fortschritt ging nicht spurlos an der Tagesschau vorbei: Seit 1996 hat die Sendung ein Onlineangebot. Zudem wurde das Programm erweitert und die Titelmelodie aktualisiert.

Im 60. Jubiläumsjahr wurde das Studio für knapp 24 Millionen Euro umgebaut und auf den neuesten Stand gebracht: Neben einem neuen Design und Touchscreens soll es wieder eine neue Melodie geben. Das neue Studio wird allerdings erst 2013 in Betrieb genommen. Zum Jubiläum gratulierte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. In der Videobotschaft sagte sie: "Die Sendung ist eine Institution im besten Sinne des Wortes. Millionen von Fernsehzuschauern tagtäglich können sich nicht irren."

Quellen:
http://www.giessener-allgemeine.de
http://www.tagesschau.de
http://www.mopo.de
http://www.stern.de
http://www.fr-online.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

18. Dezember 2012

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