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Realtainment

RTL II zwischen Wirklichkeit und Fiktion

Nach dem großen Erfolg von „Berlin - Tag & Nacht“ startet RTL II am 7. Januar 2013 mit seinem zweiten Realtainment-Format: „Köln 50667“ (gesprochen Köln fünfzig-sechs-sechs-sieben). Grund genug, das neue Genre des Privatsenders kritisch zu betrachten.

Neues Realtainment-Format "Köln 50667" auf RTL II, Bildquelle: http://www.rtl2.de/95562.html

Neues Realtainment-Format "Köln 50667" auf RTL II, Bildquelle: http://www.rtl2.de/95562.html

Zentraler Handlungspunkt bei „Köln 50667" ist die real existierende „Kunstbar" in der Kölner Innenstadt. Genau wie schon bei „Berlin - Tag & Nacht" werden die Darsteller auf Schritt und Tritt von der Kamera begleitet. Einige der „Berlin - Tag & Nacht"-Darsteller pendeln zwischen Berlin und Köln hin und her, um durch ihre Präsenz in beiden Formaten möglichst viele Zuschauer von der Erfolgsserie „Berlin - Tag & Nacht" zu „Köln 50667" mitzuziehen. Maike macht dabei den Anfang, sie möchte in Köln ein neues Leben beginnen. Die Story der neuen TV-Soap startete bereits sechs Wochen vor Beginn auf Facebook, indem die einzelnen Charaktere vorgestellt wurden - Crossmedia vom Feinsten.

Manchmal ist es anders, als es scheint

Der Begriff „Realtainment" definiert sich selbst: Eine Vermischung von Realität und Unterhaltung - Die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion verschwimmen. Genres wie Doku-Soaps oder Scripted-Reality-Formate haben das in der Vergangenheit bereits aufgezeigt. „Realtainment" ist im Grunde deshalb nichts anderes als bekannte Formate mit neuem Namen. Als Darsteller werden Laienschauspieler akquiriert, die lediglich nach groben Vorgaben, jedoch nicht nach einem vorgefertigten Text spielen - eine durchaus kostensparende Art der Unterhaltungs-Produktion. Mit ihren Inszenierungen sollen sie an ihr wirkliches Leben anknüpfen und ihre Persönlichkeit mit einfließen lassen. „Diese Form unterhaltender Realität bleibt zwar im Kern steuerbar, wenn es zu langweilig wird, jedoch sollen die handelnden Personen nicht an Authentizität verlieren und schon gar nicht wie Schauspieler wirken", meint RTL II Programmdirektor Holger Andersen.

Soziale Netzwerke für den Crossmedia-Erfolg

Soziale Netzwerke stehen im Mittelpunkt der Kommunikationsarbeit. Über Facebook stehen die Darsteller im regen Austausch mit ihren Fans, ganz so, als wäre alles Gezeigte und Erlebte pure Realität. Die Formate sollen dadurch zentral im Tagesablauf der Zuschauer verankert werden. Im Namen der handelnden Charaktere werden Meinungen, Bilder und Videos veröffentlicht, auf die die Zuschauer reagieren. Ihnen wird dadurch ein tieferer Einblick in die Persönlichkeit der Darsteller suggeriert. Diese Multimedialität bieten dem Zuschauer einen Mehrwert. Durch virtuelle Freundschaften zu den Darstellern und der Teilnahme an „ihrem" Leben und der Integration der Charaktere in die reale Welt verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion.

Fiktionale Wirklichkeit

Ziel der Macher ist es, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion aufzuheben: Die sichtbare Person ist in einer Rolle und dennoch der reale Mensch dahinter - die klare Trennungslinie verwischt. Und das ist zugleich das Problem: Es entsteht eine fiktionale Wirklichkeit, denn das Geschehende ist vermittelte Schau wie auch Realität zugleich. Obwohl vielen Zuschauern bewusst ist, dass an dem Gezeigten nichts echt ist, liegen die Einschaltquoten bei durchschnittlich 1,4 Millionen und die Erlebnisse der WG werden sowohl im TV als auch auf Facebook verfolgt. In den berichtenden Medien wird die Inszenierung ebenso verfolgt und liefert so einen Crossmedia-Erfolg des Formats bzw. des Senders. Dennoch bleibt abzuwarten, ob sich auch das neue Format „Köln 50667" wie bereits „Berlin - Tag & Nacht" etablieren wird und beim Zuschauer längerfristig ankommt.

 

Quellen:

www.derflimmerkasten.de

www.thethirdclub.de

www.mediaculture-online.de

"Berlin - Tag & Nacht" und "Köln 50667" auf rtl2.de

 

Carolin Stäblein

VERÖFFENTLICHT AM

05. Januar 2013

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