DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Paywalls kommen

Schluss mit Gratisjournalismus

In Deutschland sind die meisten Nachrichtenportale von Tageszeitungen kostenlos. Das kann sich jetzt ändern: Seit Mittwoch, den 12. Dezember 2012, lässt die Welt Artikel bezahlen, die taz startete vor vier Wochen mit einer freiwilligen Paywall. Ist damit die Zeit der kostenpflichtigen Webseiten angebrochen?

www.welt.de - die bislang einzige Website einer überregionalen deutschen Tageszeitung, die den Leser zur Zahlung verpflichtet, Foto: Screenshot von www.welt.de

www.welt.de - die bislang einzige Website einer überregionalen deutschen Tageszeitung, die den Leser zur Zahlung verpflichtet, Foto: Screenshot von www.welt.de

Bezahlt wird hier auf freiwilliger Basis: www.taz.de, Foto: Screenshot von www.taz.de

Bezahlt wird hier auf freiwilliger Basis: www.taz.de, Foto: Screenshot von www.taz.de

Vorbild für ein erfolgreiches Bezahlsystem: die New York Times, Foto: Screenshot von www.nytimes.com

Vorbild für ein erfolgreiches Bezahlsystem: die New York Times, Foto: Screenshot von www.nytimes.com

20 Artikel pro Monat bietet der Axel-Springer-Verlag auf www.welt.de kostenlos an. Danach startet die Paywall und der Leser wird aufgefordert, eines der digitalen Abos abzuschließen. Die kosten zwischen 4,49 und 14,99 Euro. Je nachdem, auf welchem Medium das digitale Abo lesbar sein soll. Abonnenten der Printausgabe erhalten das digitale Abo kostenlos dazu. Studentenermäßigungen gibt es nicht. Das Nachrichtenportal ist damit die bislang einzige Website einer überregionalen deutschen Tageszeitung, die den Leser zur Zahlung verpflichtet. Jedoch: Andere Verlage wollen nachziehen.

Onlinejournalismus finanzieren

Zeitungsinsolvenzen rufen das Thema Paid Content erneut auf den Plan. Damit verbunden ist die Frage, wie sich guter Onlinejournalismus finanzieren kann. "Wir suchen nach einem Geschäftsmodell für Qualitätsjournalismus in der digitalen Welt", kommentiert Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG das Vorgehen des Verlagshauses. www.welt.de ist das erste Onlineangebot, das kostenpflichtig ist, www.bild.de soll im kommenden Jahr folgen. Neu ist die Idee in Deutschland nicht. Schon seit zehn Jahren versuchen sich immer wieder Verlage mit Paid Content. Die meisten sind mittlerweile wieder beim kostenlosen Inhalt. Durchgehalten hat beispielsweise die Sächsische Zeitung.

taz: Auf freiwilliger Basis

Etwas anders ist das Konzept der Tageszeitung (taz): Die taz setzt auf Freiwilligkeit und das seit April 2011. Seitdem steht unter Artikeln "Dieser Artikel ist mir was wert". Offensiver sind sie mir ihrer Kampagne seit Ende November 2012 vorgegangen. Seitdem wurde ein großer schwarzer Balken auf die Seite gelegt, eine sogenannte Bezahlschranke, eine Paywall. Dort kann man angeben, dass man bereits regelmäßig für das Angebot der taz zahlt oder das hiermit tun möchte oder eben nicht. Der Nutzer kann per Handy, PayPal, Lastschrift, Kreditkarte oder Überweisung einen beliebigen Betrag überweisen, auch regelmäßig. Aber es ist kein Muss, denn klickt er auf "nein", kann er den Artikel weiterhin kostenlos lesen. Knapp 8000 Euro hat die taz damit im November eingenommen, doppelt so viel wie im Oktober. Die taz-Bereichsleiterin Digital, Nina Schoenian, sagte dazu: "Es ist eher eine Pay-Wahl. Die Summe der freiwilligen Beträge steigt von Monat zu Monat leicht an, mit der Kampagne soll nun die Anzahl der insgesamt Zahlungsbereiten erhöht werden."

Wer kann die Zeitungskrise stoppen?

Doch können Paywalls und Co die Zeitungskrise abwenden? So lange andere, frei zugängliche Alternativen bestehen, werden Leser zu diesen Möglichkeiten greifen. Allerdings ziehen immer mehr Zeitungen nach. Neben Publikationen aus dem Axel-Springer-Verlag wird zum Beispiel auch die Neue Züricher Zeitung ab 2013 nur noch gegen Bezahlung zu lesen sein. Stefan Plöchinger, Chefredakteur von Sueddeutsche.de, plädiert für die Entstehung von "Leserclubs". Er meint, dass Zeitungen beim Leser ein "Gemeinschaftsgefühl" erzeugen und mit ihren Inhalten deren Welt bereichern müssten. Erst dann würden sie bereitwillig bezahlen.

Vorbild New York Times

Vorbild für das erfolgreiche Bezahlsystem eines Online-Nachrichtenportals ist die New York Times. Ende März 2012 hat das weltbekannte Nachrichtenblatt eine "Metered Paywall" aufgebaut, bei der zehn Artikel pro Monat kostenlos sind. Wer mehr lesen will, muss bezahlen. 592.000 Digitalabonnenten konnte die Zeitung Ende September 2012 vorweisen. In den USA setzen bereits mehr als 300 Zeitungen auf Bezahlinhalte im Netz.

Quellen:
www.taz.de
www.welt.de
www.stuttgarter-zeitung.de
www.wasmitmedien.de

Franziska Böhl

,

Katharina Großwendt

VERÖFFENTLICHT AM

21. Dezember 2012

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren