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Hochschule der Medien

Institut für Moderation

Michael Antwerpes an der HdM

Jeder bekommt seinen Traumjob, wenn er an sich glaubt. Davon ist Michael Antwerpes überzeugt. Der bekannte Sportjournalist und Moderator stand beim gestrigen Werkstattgespräch vom Institut für Moderation (imo) an der Hochschule der Medien (HdM) Rede und Antwort. Tabus gab es keine.

Zur Detailansicht Der Ex-SWR-Sportchef nimmt sich Zeit für die einstündige Befragung, Fotos: Franziska Böhl.

Der Ex-SWR-Sportchef nimmt sich Zeit für die einstündige Befragung, Fotos: Franziska Böhl.

Zur Detailansicht Interessiert lauschen die Zuhörer dem imo-Werkstattgespräch.

Interessiert lauschen die Zuhörer dem imo-Werkstattgespräch.

Zur Detailansicht Melanie Kösser, Michael Antwerpes und Veit Berthold (v.l.n.r.).

Melanie Kösser, Michael Antwerpes und Veit Berthold (v.l.n.r.).

Frisch vom Biathlon in der Tschechischen Republik kam Michael Antwerpes am Donnerstag, den 14. Februar 2013, an die HdM. Eingeladen war er vom imo, dem Institut für Moderation, das mit seinem Qualifikationsprogramm jedes Jahr 15 angehende Moderatoren ausbildet. Zu ihnen gehören auch die 39-jährige Melanie Kösser vom Deutschen Anlegerfernsehen und der 33-jährige Veit Berthold vom SWR. Beide konnten an diesem Nachmittag den gestandenen Moderator Antwerpes interviewen. "Wir dürfen heute alles fragen", stellte Berthold zu Beginn klar.

Viel Zeit blieb allerdings nicht. Eine Stunde ging die öffentliche Veranstaltung. Der Terminkalender von Antwerpes ist eben voll: Nächste Woche fährt er mit seiner Familie in den Urlaub, um in wenigen Tagen seinen 50. Geburtstag zu feiern. Dann geht es zum Biathlon-Weltcup nach Oslo. Sport ist sein Leben: 15 Jahre lang war Antwerpes Sportchef im Südwestrundfunk und moderierte unter anderem die ARD-Sportschau sowie die Sendung "Sport im Dritten".

Stressjob mit Problemfällen

Privat sieht das anders aus: Wenn er da mal ein freies Wochenende hat, geht er ungern in ein Fußballstation, denn dort ist er durch seinen stressigen Job oft genug – vielleicht zu oft. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit viel Ruhe und ohne Hektik. Deshalb wohnt er auch in Urbach im Rems-Murr-Kreis im Osten von Stuttgart. In der 8000-Einwohner-Gemeinde wird er nicht mehr so oft von Passanten angesprochen, weil man ihn in dem kleinen Ort ohnehin schon kennt.

Beim Werkstattgespräch an der HdM ging es nicht nur um Fußball, sondern auch ums Radfahren. Zehn Jahre lang moderierte Antwerpes die Tour de France. Der wieder aufgekochte Dopingskandal um Radprofi Jan Ullrich, jüngst der um Lance Armstrong, hat ihn sehr bewegt: "Der Radsport ist in Deutschland nicht mehr zu retten", so der Moderator. Er glaubt: In Frankreich wird das berühmteste Radrennen der Welt zwar weiterhin ein Riesenevent sein, aber in Deutschland hat sich das für die nächsten fünf bis zehn Jahre erledigt. Was er genau vom Doping hält, blieb unklar: Solche Leistungen seien im Radsport ohne Doping nicht zu erbringen und meint schließlich. "Ich fände es auch attraktiv, wenn mal einer absteigt, weil er nicht mehr kann." Aber das sei Wunschdenken. So sei das eben, wenn es ums "große Geld" geht.

In der spanischen Sonne

In Sachen Geld fühlten die beiden imo-Moderatoren, Melanie Kösser und Veith Berthold, dem 49-Jährigen auf den Zahn. 2009 geriet Antwerpes in die Kritik wegen seiner gut dotierten Nebentätigkeiten, bei denen er zum Beispiel Veranstaltungen von Pharmakonzernen moderierte. Bis zu 8000 Euro soll er dafür bekommen haben. Antwerpes kann bei der Summe nur lachen: "Wenn das so gewesen wäre, wäre ich ein gemachter Mann und würde jetzt in Spanien in der Sonne liegen." Wenn es "hoch kommt", verdient er 4000 Euro bei einer solchen Einzelveranstaltung. Aber die günstigsten Angebote seien so etwas "wie hier", so Antwerpes, denn für seinen Auftritt an der HdM erhält er keinen Cent. Dafür aber reiht er sich in die "Hall of Fame" vom imo ein: Bei den Werkstattgesprächen waren schon einige bekannte Moderatoren, darunter Frank Elstner, Sandra Maischberger oder Peter Kloeppel.

"Glück und Verstand"

Dass er einmal Karriere macht, hatte er weder bei seinem Auszug aus dem Elternhaus mit 19 Jahren noch während seines Publizistik- und Amerikanistik-Studiums in Mainz erwartet. "Ich hatte da eher befürchtet, dass eine Taxifahrer-Karriere auf mich wartet." Doch Antwerpes hat immer viel nebenbei gemacht, zahlreiche Praktika und freie Mitarbeiten. Dazu kannte er die richtigen Leute oder war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, "Glück und Verstand" müsste man eben auch haben.

Sein Glück hat der Vater von fünf Kindern auch privat gefunden: Mit seinen Kindern versteht er sich prima, obwohl sein jüngster Sohn erst vor wenigen Tagen mit Pfeil und Bogen den heimischen Fernseher zerstört hat. Aber dafür ist der schon begeisterter Biathlon-Zuschauer und junges Publikum haben die öffentlich-rechtlichen Programme nötig, sagt er augenzwinkernd. Für die Zukunft wünscht er sich, weiterhin ein schönes Leben zu haben und machen zu können, was ihm Spaß macht – und das ist eben das Moderieren.

 

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

15. Februar 2013

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