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Berlinale 2013

And the Golden Bear goes to…

„Die Stellung des Kindes“ von Calin Peter Netzer hat den Hauptpreis der 63. Berlinale gewonnen. Damit geht der Goldene Bär zum ersten Mal nach Rumänien. Nach zwei Wochen Kinospektakel lässt sich resümieren, dass die diesjährigen Berliner Filmfestspiele im Zeichen des osteuropäischen Kinos standen.

Vom 7. bis 17. Februar fand die 63. Berlinale statt. Bild: © Berlinale

Vom 7. bis 17. Februar fand die 63. Berlinale statt. Bild: © Berlinale

Der Goldene Bär für den besten Film...

Der Goldene Bär für den besten Film...

... ging 2013 an den rumänischen Regisseur Calin Peter Netzer für den Film "Die Stellung des Kindes". Foto: Richard Hübner © Berlinale 2013

... ging 2013 an den rumänischen Regisseur Calin Peter Netzer für den Film "Die Stellung des Kindes". Foto: Richard Hübner © Berlinale 2013

Der Silberne Bär und damit der Preis für den besten Darsteller ging an Nazif Mujic. Foto: Ali Ghandtschi © Berlinale 2013

Der Silberne Bär und damit der Preis für den besten Darsteller ging an Nazif Mujic. Foto: Ali Ghandtschi © Berlinale 2013

Der iranische Regisseur Jafar Panahis erhielt den Silbernen Bären für das beste Drehbuch. Er darf den Iran nicht verlassen. Deshalb nahm Co-Autor Kamboziya Partovi den Preis entgegen. Foto: Richard Hübner © Berlinale 2013

Der iranische Regisseur Jafar Panahis erhielt den Silbernen Bären für das beste Drehbuch. Er darf den Iran nicht verlassen. Deshalb nahm Co-Autor Kamboziya Partovi den Preis entgegen. Foto: Richard Hübner © Berlinale 2013

Der Silberne Bär. Foto: Ali Ghandtschi © Berlinale 2008

Der Silberne Bär. Foto: Ali Ghandtschi © Berlinale 2008

In seinem Film erzählt der in Rumänien geborene und in Deutschland aufgewachsene Regisseur Calin Peter Netzer von einer schwierigen Mutter-Sohn-Beziehung in einem korrupten Land. Cornelia ist die etwa sechzigjährige, egozentrische Heldin des Films, die beharrlich raucht und trinkt und die ihren Sohn mit allen Mitteln an sich zurück zu binden versucht. „Die Stellung des Kindes" ist einerseits ein Psychodrama, das andererseits auch erbarmungslos und hart, die politische Geschichte eines durch und durch korrupten Landes erzählt. Der prämierte Film wurde von der Jury aus insgesamt 19 konkurrierenden Filmen gewählt. Vier davon kommen aus Osteuropa, einer aus Kasachstan. Der deutsche Wettbewerbsbeitrag "Gold" von Thomas Arslan mit Nina Hoss in der Hauptrolle ging leer aus.

"An Episode in the Life of an Iron Picker"

Auch viele der anderen osteuropäischen Beiträge handeln von Gesellschaften, in denen Bestechung über Tod und Leben entscheidet. Irgendwo zwischen Dokumentarfilm und Arthouse-Kino zieht einen der bosnische Regisseur Danis Tanovic mit dem Alltag einer Roma-Familie in seinen Bann. Am Anfang des Films „An Episode in the Life of an Iron Picker" sieht der Betrachter eine Winterlandschaft, in der Männer mit Beilen und Hämmern unter Schwerstarbeit ein Auto zerlegen. Einer von ihnen ist der Roma Nazif Mujic, der sich in dem Film selbst spielt und die Geschichte seiner eigenen Familie erzählt. Seine Frau, der man zu Beginn beim Waschen, Putzen und Kochen zusehen kann, war schwanger. Doch das Kind starb im Mutterleib. Die für die Frau lebensrettende Ausschabung wurde im Krankenhaus abgelehnt, weil die Familie nicht versichert ist. Protagonist und Hauptdarsteller Nazif Mujic erhielt den Preis des besten Schauspielers. Der Film bekam zudem den großen Preis der Jury.

„Closed Curtain"

Für viel Aufsehen sorgte schon vor dem Start der Berlinale der iranische Film „Closed Curtain". Wie politisch darf ein Filmfestival sein? Es darf politisch sein, wenn es künstlerischen und ästhetischen Ansprüchen genügt. Dieser Spagat gelingt Regisseur Jafar Panahis, der trotz zwanzigjährigem Berufsverbot und trotz Verurteilung zu sechs Jahren Gefängnis im Iran einen Film drehte, heimlich, in einer Villa am Kaspischen Meer. Er erzählt von einem Mann, der sich hier gemeinsam mit seinem Hund versteckt, die Fenster sind abgehängt. Er bekommt Besuch von einer jungen Frau, die von der Polizei verfolgt wird, denn sie soll bei einer verbotenen Party am Strand gewesen sein. Jafar Panahis, für dessen Freilassung es vor und während der Berlinale Demonstrationen gab, erhielt des Silbernen Bären für das beste Drehbuch. Da er seine Heimat nicht verlassen kann, konnte er den Preis nicht in Empfang nehmen.

Die Jury

Schon im Vorfeld der Berlinale schien es klar gewesen zu sein, dass "Closed Curtain" schon allein wegen seiner dramatischen Entstehungsgeschichte einen Preis von der Berlinale mit nach Hause nehmen würde. Über die Vergabe der Bären entschied eine internationale Jury, dessen Vorsitz der chinesische Regisseur Wong Kar Wai hatte. Teil der urteilenden Jury waren auch die Regisseurin Susanne Bier, Andreas Dresen, Athina Rachel Tsangari, die amerikanische Kamerafrau Ellen Kuras, die iranische Künstlerin Shirin Neshat, und der amerikanische Schauspieler Tim Robbins.

Nebenschauplätze

Die Berlinale gilt als wichtigstes Winterfilmfestival Europas. Neben den Wettbewerbsfilmen, für die Filmfans meist nur mit Akkreditierung an Kinokarten kommen, bietet die Berlinale unglaublich viele Filme, die in normalen Programmkinos nicht zu sehen sind. Die Sonderreihe „NATIVe - A Journey into Indigenous Cinema" beispielsweise zeigt filmische Erzählungen indigener Völker auf der ganzen Welt. Besonders erwähnenswert ist hier der neuseeländische Film „Boy" von Regisseur Taika Waititi. In der Rubrik „Berlinale Shorts" zeigen talentierte Filmemacher aus der ganzen Welt ihre Kurzfilme und erklären ihre Arbeit. Das besondere an der Berlinale sind auch die Schauplätze. Von morgens bis abends zeigen 22 Kinos und sechs weitere Veranstaltungsorte circa 400 Filme, überwiegend Welt- oder Europapremieren. Filmfans begeistern sich dabei jedes Jahr aufs Neue auch für neue Darstellungstechniken und Leinwände. In diesem Jahr wurden Filme beispielsweise auf einer Unterwasserleinwand gezeigt.

Links:

"Die Stellung des Kindes"

"An Episode in the Life of an Iron Picker"

"Closed Curtain"

"Boy"

Katharina Großwendt

VERÖFFENTLICHT AM

21. Februar 2013

WEITERFÜHRENDE LINKS

http://www.berlinale.de

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