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Politische Talkshows

Polit-Boulevards

Sie überrollt uns, die Flut an politischen Talkshows, die in der Fernsehlandschaft über uns hereinbricht. Gerechtfertigt wird die Masse der Polit-Talks durch ihren Beitrag zur politischen Meinungsbildung der Öffentlichkeit. Weitgehend kommen die Anne Wills, Markus Lanzens, Maybrit Illners oder Günther Jauchs dieser Bestrebung nach – manchmal mit zu viel Boulevard.

Anne Wills Talk-Runde ist jeden Mittwoch um 23.30 Uhr im Ersten zu sehen (Bildquelle: © http://www.will-media.de)

Anne Wills Talk-Runde ist jeden Mittwoch um 23.30 Uhr im Ersten zu sehen (Bildquelle: © http://www.will-media.de)

Alice Schwarzer als beliebter Gast diverser politischer Talkshows (Bildquelle: © http://www.will-media.de)

Alice Schwarzer als beliebter Gast diverser politischer Talkshows (Bildquelle: © http://www.will-media.de)

Talkshows sind ein beliebtes, da relativ kostengünstiges und publikumswirksames Format, und bieten den Sendern einige Vorzüge. So tragen sie zur Zuschauerbindung bei und schärfen Profil und Persönlichkeit des Moderators. Sie greifen politische Ereignisse auf, vermitteln dadurch grundlegende Informationen und tragen durch das Hinterfragen zum Teil prekärer Themen zur Aufklärung der Bevölkerung bei.

Gäste auf Tournée

Daher kann man davon ausgehen, dass Zuschauer von politischen Talkshows in erster Linie Politiker und keine Prominenten ohne politischen Hintergrund erwarten. Auch muss der Rezipient Mehrwert aus den Sendungen ziehen, wenn die Vielzahl des Formats gerechtfertigt werden soll. Oft lassen sich jedoch die verschiedenen Talkshows schwer abgrenzen: Sendezeit, Auftritt, Gäste, Themen - die Überschneidungen der angeblich unterschiedlichen Shows sind hoch. Hartnäckig halten sich als besonders beliebte Gäste beispielsweise Heiner Geißler oder Alice Schwarzer, die scheinbar von einem Sender zum nächsten gereicht werden. Und beim Zuschauer stellt sich Langeweile ein.

Entertainment statt Politik?

Lässt sich diese Ödnis durch Unterhaltung umgehen? Betrachtet man die verschiedenen Polit-Talks, scheint nicht immer der politische Inhalt im Vordergrund zu stehen, sondern vielmehr das Entertainment an Bedeutung zu gewinnen. Private Streitigkeiten, persönliche Bekenntnisse und sexuelle Intimitäten oder skandalisierende Themen werden immer mehr zum beliebten und bedeutenden Inhalten zahlreicher Polit-Shows. Ob die Themen wirklich noch politisch relevant oder einfach nur im Interesse der Öffentlichkeit stehen, ist die Frage. So beispielsweise auch der Fall Natascha Kampusch.

Öffentliches Interesse statt ethischer Bedenken?

Nach ihrem ersten Auftritt im September 2006 nach der tragischen Gefangenschaft war Natascha Kampusch Mitte Februar 2013 als Gast bei Günther Jauchs Polit-Talk zum Thema „Verschleppt und misshandelt - wie gelingt ein Leben danach?". Doch warum ist diese Frage Diskussionsgrundlage einer politischen Talkshow? Auch hier scheint das große allgemeine Interesse des Falls Kampusch im Hinblick auf den demnächst erscheinenden Kinofilm, der die Geschichte des Entführungsopfers erzählt, Beweggrund für die Themenwahl zu sein. Darf ein derart sensibles Thema überhaupt öffentlich diskutiert werden? Auch wenn sich Interviewpartner aus freiem Willen auf derartige Gespräche einlassen, ist bedenklich, ob Fragen, die so tief in die Privatsphäre eines Menschen eindringen, noch moralisch korrekt sind. Und auch die Frage nach dem Moderator darf gestellt werden: „War Günther Jauch überfordert?" Die Peinlichkeitslücken in der Sendung waren auffallend.

Quellen:

www.goethe.de

www.sueddeutsche.de

www.will-media.de

Lisa Messer

VERÖFFENTLICHT AM

22. Februar 2013

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