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Trash-Show

Menschenverachtende, sexistische Show?

Sexismus und Volksverdummung wurde der vermeintlich frauenverachtenden Show "Who wants to fuck my girlfriend?" bereits vor Sendestart vorgeworfen. Alles Quatsch, meinen die Macher, die mit ihrer Spielshow nicht die Frauen, sondern die Männer bloß stellen. Zum Auftakt des Satireformats gab es eine Sendung für die Feministinnen, die sogenannten "Lesbianerinnen".

Zur Detailansicht Das DVD-Cover zur neuen Spielshow von Uwe Wöllner, Foto: ulmen.tv

Das DVD-Cover zur neuen Spielshow von Uwe Wöllner, Foto: ulmen.tv

"Wer möchte mit meiner Freundin schlafen?" heißt die wichtigste Frage von Christian Ulmens neuer Sendung, die seit dem Valentinstag 2013 immer donnerstags auf Tele 5 läuft. Doch das als Spielshow getarnte Sozialexperiment des 37-jährigen Moderators und Schauspielers stieß anfangs auf viel Widerstand, denn die Satire wurde nicht gleich erkannt.

Das Konzept der Sendung ist einfach: Zwei Männer kämpfen mit dem Aussehen ihrer Freundinnen um den Sieg. Die Frauen sind nur Beiwerk, haben nichts zu sagen, einfach nur gut auszusehen und Köder für Sexismus zu spielen. Moderiert wird die Show von Ulmens Naivling Uwe Wöllner. Der 38-jährige Arbeitslose mit Pferdegebiss und Kassenbrille kennt das echte Leben nur aus Scripted Reality- und Dating-Shows. Für ihn ist es völlig normal, zu überprüfen, welche Freundin begehrenswerter ist.

Wetten, meine "Eule" ist "goiler"?

Um sich für den Shitstorm und die PR vorab zu bedanken, wurde eine leicht abgeänderte Auftaktfolge für die Feministinnen produziert: Unter dem Titel "Who wants to fuck my lesbian girlfriend?" traten statt zwei Männern zwei lesbische Frauen mit ihren Freundinnen gegeneinander an. 160.000 Zuschauer sollen laut dem Online-Medienmagazin DWDL.de die Folge gesehen haben, bei der sich die Freundinnen in zeitlich begrenzten Spielen wie "Flirt im Cafe", einer Marktforschungsumfrage zur Sexualität oder beim "Resteficken" beweisen mussten.

In der darauffolgenden Sendung "Who wants to fuck my girlfriend?" spielten Chris, ein 20-jähriger Mechaniker für Land- und Baumaschinen, und Roy, ein gleichaltriger KFZ-Mechaniker, gegeneinander. "Findest du es nicht ein bisschen menschenverachtend, dass du deine Freundin in solch eine Show schickst?", fragt Wöllner Chris am Anfang. Der antwortet nur mit einem kurzen "nö". Dann werden ihre Kampfmittel, die Freundinnen – oder wie Wöllner sie gerne nennt, die "Eulen" – präsentiert. Die beiden jungen Frauen stammen aus dem normalen Leben, sind weder Supermodels noch Sexbomben.

Statt Eifersucht gab es Enttäuschung

Drei Auswärtsspiele und eins im Studio müssen die Teams bewältigen. Beim ersten Spiel bestellen sich die Mädels im Imbiss eine Currywurst, dabei werden die Blicke der anwesenden Männer gezählt. Jeder einzelne Blick wird mit einem Pfeil nachgezeichnet, damit auch jeder sehen kann, wann jemand auf die Brust oder den Po glotzt. "Findest du es geiler, wenn junge oder alte Männer deine Freundin angaffen?" wird Roy von Wöllner gefragt. Beim zweiten Spiel mussten die Freundinnen im Sexshop Komplimente sammeln. Für jedes gab es einen Punkt. Wollte ein Mann mit ihr nach Hause ins Bett, gab es sogar 5 Punkte. Kürzer war das Studiospiel, bei dem die Frauen schätzen mussten, wie oft ihre Freunde beim Beischlaf schon an eine andere gedacht haben.

Zuletzt das Spiel Straßenstrich: Hier mussten sich die Frauen laut Wöllner "wie kleine Nutten anziehen" und schauen, wie viel jemand gewillt war, zu zahlen. Chris' Freundin hätte immerhin 180 Euro gemacht, die von Roy hätte nur 170 Euro bekommen. Roy "dachte, da geht mehr". Wöllner scheint ein wenig entsetzt: "Statt Eifersucht oder Hass auf Männer, fühlst du da gerade Enttäuschung?" Dennoch gewinnt Roy ganz knapp vor Chris mit einem Punktestand von 50 zu 49.

Frauen sind nicht nur Objekte

Eine "Gameshow für die ganze Familie", so wie Wöllner sie bezeichnet, ist "Who wants to fuck my girlfriend?" zwar nicht, aber besonders die Frauen werden sich dabei gut amüsieren – ähnlich den Freundinnen im Studio, denn die waren die ganze Zeit über eingeweiht und konnten gespannt die Reaktionen ihrer naiven Freunde verfolgen. Über die Jungs konnten die Zuschauer oft genug lachen, denn deren Ansichten und Antworten waren zum Teil unterbelichtet oder einfach grenzwertig. Und damit eigentich genau das, was die Show zeigen will: Alltags-Sexismus.

Ausgestrahlt wird die Show immer donnerstags um 23.10 Uhr auf Tele 5. Wenige Tage vor der TV-Ausstrahlung und im Anschluss ist sie auf Ulmens Webseite ulmen.tv zu sehen.

Quellen:
www.tele5.de
www.ulmen.tv
www.spiegel.de
www.promiflash.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

01. März 2013

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