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Hochschule der Medien

Talente der Studenten, Teil 1

Improvisationstheater: "Blockiert wird nicht!"

"Vorher dachte ich, ich bin nicht witzig", erzählt die 20-jährige Mareike Gerhardt. Seitdem sie beim Improvisationstheater der Hochschule der Medien mitspielt, weiß sie, dass sie es doch ist. Die HdM-Redaktion beginnt mit ihrem Hobby eine neue Serie und berichtet über die Freizeitaktivitäten der Studenten.

Zur Detailansicht Eine erste einfache Übung ist das "Klopfspiel".

Eine erste einfache Übung ist das "Klopfspiel".

Zur Detailansicht Mareike erfindet als Erzählerin eine Mord-Geschichte.

Mareike erfindet als Erzählerin eine Mord-Geschichte.

Zur Detailansicht Auch andere Spieler probieren sich als Erzähler.

Auch andere Spieler probieren sich als Erzähler.

Zur Detailansicht Am Ende der Übungen gibt es meist Lacher, Fotos: Franziska Böhl.

Am Ende der Übungen gibt es meist Lacher, Fotos: Franziska Böhl.

Seit einem Semester studiert Mareike Bibliotheks- und Informationsmanagement an der HdM. Nicht lange hat es gedauert, bis sie auf die hochschuleigene Gruppe vom Impro-Theater gestoßen ist und sich ihr anschloss. Jeden Donnerstag trifft sie sich mit anderen HdM-Studenten zur Probe. "Ich überlege mir meist schon vorher, auf welche Rollen ich Lust habe, also ob ich zum Beispiel eine aggressive oder lustige Person darstellen möchte." Was sie letztendlich umsetzt, entscheidet sie ad hoc.

Chaosimplizite

Ein festes Stück gibt es beim Improvisationstheater (engl. magic performance) nicht. Alles entsteht spontan und hängt von der Kreativität der Mitspieler ab. Bevor die heutige Probe losgeht, wärmt sich die zehnköpfige Gruppe mit kleinen Übungen auf. Beim imaginären Ballspiel stehen alle im Kreis, heben und senken die Arme und rufen immer wieder "wusch" oder "Tunnel". Der Ball fliegt mal langsamer, mal schneller. Anschließend muss jeder mindestens fünfmal singen. Mareike zögert nicht lange und setzt nach dem Schmuseklassiker "Love me tender" und dem traurigen Liebeslied "Alles aus Liebe" ihrer Mitspieler mit rockiger Stimme ein: "Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann." Es wird turbulent. Unaufhörlich singt einer nach dem anderen, mal nur wenige Sekunden, mal eine längere Passage. Ziemlich chaotisch.

Realitätsferne Themen

Dann geht es richtig los: Das Team probiert verschiedene Kurzformen, sogenannte Spiele, wie die Stücke beim Improvisationstheater genannt werden. Bei der ersten einfachen Übung müssen sie in Zweier-Teams beim Nachbarn anklopfen und ihn schnell dazu bringen, mit in die andere Wohnung zu kommen. Beim "Schiedsrichterspiel" gewinnt der Spieler mit den besten Argumenten. Dabei sind die von den Anwesenden vorgegebenen Themen realitätsfern, so treten zum Beispiel zwei Studenten als Pferderasierer an. Einer sagt: "Es ist gegen die Spielregeln, ein Pferd direkt nach dem Koten zu rasieren." Seine Begründung ist gut genug, dass ihm der Schiedsrichter recht gibt.

Regeln gibt es auch beim Improvisationstheater. "Am wichtigsten ist es, andere Spieler nicht zu blockieren, das heißt, man muss auf die vorangegangene Situation oder Aussage reagieren", erklärt Mareike. Ebenso sollen die Spieler nicht gleichzeitig reden und stattdessen schnell ihre Charaktere und die Beziehungen zu anderen Akteuren deutlich machen.

Soaps beim Impro-Theater

Wie wichtig die Impro-Regeln für das Verständnis der Zuschauer sind, wird bei den komplexeren Spielen deutlich. Bei Geschichten mit mehreren Akteuren sollte klar werden, wer welche Rolle spielt. Bei der Übung "Regisseur" ist zum Beispiel einer Regisseur, gibt den Rahmen der Handlung vor und führt die Figuren in die Geschichte ein. Einmal ist Mareike die Erzählerin und inszeniert eine Mord-Geschichte mit sechs Figuren. In einer weiteren Runde spricht ein anderer Erzähler über den Fall der laktoseintoleranten Birgit, die einen Milchkaffee trinkt und bewusstlos wird, während sich ihr Partner auf Zweisamkeit gefreut hatte.

Spannend ist auch die Übung "Story-Corner", bei der sich vier Studenten jeweils in eine Rolle hineinversetzen und dann abwechselnd und paarweise spielen müssen. Die vier Parameter Beruf, Farbe, Beziehung und Ort geben bei der Probe der Rest der Gruppe vor, während es bei einem Auftritt das Publikum machen würde. Das Spiel ähnelt einer Soap, denn wenn die gleichen Paare aufeinandertreffen, erzählen sie ihre Geschichte weiter. So hat der pharmazeutische Angestellte plötzlich mit jemandem zu tun, der auf etwas rosa-blassblaues fixiert ist, während es in einer anderen Konstellation um den Valentinstag geht oder die Hexe im Lebkuchenhaus zur Gefahr wird.

Mitspieler willkommen

Nach der Probe wird klar, Improvisationstheater erfordert viel Konzentration. Insbesondere auf immer neue Situationen zu reagieren, ist nicht einfach. "Es gab heute auch einen Moment, wo ich nicht wusste, was ich machen soll", sagt Mareike. Gemerkt haben es die anderen nicht. Weiter erzählt sie: "Ich bin gerne hier, ich habe hier Freunde gefunden und bin selbstbewusster geworden." Ebenso toll findet sie es, dass sich in der Gruppe ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt hat, weil sich die Studenten aufeinander eingestellt haben und so auch zusammenwachsen konnten.

Beim HdM-Improvisationstheater kann jeder mitmachen. Immer donnerstags treffen sich die Studenten um 19:30 Uhr vor dem Grünen Ei im Foyer (Standort Nobelstraße 10). Der nächste öffentliche Auftritt ist am 14. März 2013 beim Kükengrillen (19:30 Uhr, Raum 017).

Dein Hobby ist auch interessant? Dann melde dich bei der HdM-Redaktion.

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

12. März 2013

KONTAKT

Lukasz Karwan
E-Maillk032@hdm-stuttgart.de

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