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Hochschule der Medien

Die Alumni der HdM, Teil 5

Von Stuttgart nach New York

Die HdM stellt regelmäßig ihre Alumni und deren Berufsalltag vor. Heute tauchen wir ein in das Leben von Brigitte Döllgast, die es nach ihrem HdM-Studium in die weite Welt hinaus zog. Melbourne, Mexiko-Stadt, Athen und New York. Und ab 1. Oktober 2013 leitet sie die Bibliothek des Goethe-Instituts in Johannesburg.

Alumni Brigitte Döllgast: Leiterin der Bibliothek des Goethe-Instituts in New York.

Alumni Brigitte Döllgast: Leiterin der Bibliothek des Goethe-Instituts in New York.

Im Moment befindet sich Brigitte Döllgast aber in Deutschland. Auf dem Bibliothekartag in Leipzig hält sie einen Vortrag über ihr aktuelles Kunstprojekt „The End(s) of the Library". Aufregend, so ein Leben zwischen den Kulturen, in verschiedenen Ländern und Metropolen. Das Goethe-Institut, für das Brigitte Döllgast unterwegs ist, versteht sich als Kulturvermittler, der die deutsche Sprache und Kultur weltweit vertritt. Es organisiert Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte und Ausstellungen, unterrichtet Deutsch als Fremdsprache, bildet Lehrer dafür aus und unterhält an den einzelnen Standorten Bibliotheken. Letztgenannte in New York leitet die HdM-Absolventin Brigitte Döllgast seit 2007.

Alumni-Sprechstunde mit...

Name: Brigitte Döllgast

Alter: 51

Studiengang an der HdM: Bibliothekswesen (Diplom)

Jahr des Studienabschlusses: 1983 Thema der Abschlussarbeit: Die "Augsburger Puppenkiste". Ihre Entwicklung und Aspekte ihrer praktischen und theoretischen Konzeption (Mit einer Ordnung des theaterwissenschaftlich relevanten Nachlasses von Walter Oehmichen)

Stationen nach der HdM: Von 1983 bis 1990 Studium an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg in Neuerer deutscher Literaturgeschichte, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. Während dieser Zeit Tätigkeit als Schwangerschaftsvertretung und studentische Hilfskraft an der Bibliothek der Technischen Fakultät. 1991 - 1997 als Bibliothekarin mit regionalem Fachauftrag am Goethe-Instiut Melbourne. Von 1997 - 2001 in derselben Funktion am Goethe-Institut in Mexiko-Stadt und von 2001 - 2007 am Goethe-Institut Athen. Seit 2007 am Goethe-Institut New York.

Heutige Berufsbezeichnung: Leiterin der Bibliothek mit regionalem Fachauftrag

HdM: Wie war Ihr letzter Tag als HdM-Student?

Brigitte Döllgast: Das ist schon ziemlich lange her, aber ich kann mich erinnern, dass es wunderbares Wetter war und wir alle total froh und glücklich waren, dass wir all den Prüfungsstress hinter uns hatten.

HdM: Wie war der erste Tag nach dem Abschluss?

Brigitte Döllgast: Nicht am ersten Tag, aber ziemlich bald danach ging es ans Packen, denn ich musste meine schöne kleine Studentenbude wieder aufgeben. Ich hatte durch einen glücklichen Zufall eine kleine Einliegerwohnung in der Parlerstrasse gefunden - das war damals in Fußentfernung zur Fachhochschule.

HdM: Wo haben Sie in der HdM am liebsten studiert?

Brigitte Döllgast: Wir hatten das große Glück, dass wir in "der Villa" am Killesberg studieren konnten. Die frühere Villa der Salamander Schuhfabrikanten war ein phantastischer Ort, mit einem verwunschen Garten, in den im Sommer manchmal die Seminare verlagert wurden. In den letzten Studienjahren gab es noch eine Ausweichunterkunft in der Innenstadt. Das war natürlich mehr im Geschehen und auch praktischer eingerichet, hatte aber einfach nicht dieselbe Atmosphäre.

HdM: Wie sieht ihr heutiger Arbeitsplatz aus?

Brigitte Döllgast: Im Augenblick ist mein Arbeitsplatz ein Platz an einem langen Tisch, an dem alle Mitarbeiter des Goethe-Instituts New York sitzen. Vor drei Jahren sind wir in ein "Loft" in SoHo umgezogen, weil unser Stammhaus an der Fifth Avenue einer großen Renovierung unterzogen werden muss. Nun haben wir ein Großraumbüro in das auch die Bibliothek integriert ist. Am Anfang hatten wir alle Bedenken, wie das wohl ist, wenn wir alle so eng aufeinander hocken. Aber es geht erstaunlich gut. Wenn man konzentriert arbeiten will, setzt man sich einfach seinen iPod auf. Bloss telefonieren im Großraumbüro - das ist und bleibt schwierig.

HdM: Wie fing ein typischer HdM-Tag bei Ihnen an?

Brigitte Döllgast: Vor dem Eingang der Villa oder in der Eingangshalle, traf man immer ein paar Kommilitonen. Leider gab es kaum Cafés oder Bäckereien in der Nähe. Die geringen Ablenkungsmöglichkeiten haben sich aber vielleicht ganz gut auf die Studiendisziplin ausgewirkt.

HdM: Was machen Sie heute als erstes, wenn Sie anfangen zu arbeiten?

Brigitte Döllgast: Die Frage ist eher: wann fangen Sie an zu arbeiten? Meine E-Mails checke ich als erstes während des Frühstücks. Durch die Zeitverschiebung sind meistens schon ein Haufen Nachrichten unserer Zentrale angekommen. Auf der Fahrt in die Arbeit kann so schon überlegen, was ich als erstes mache, wenn ich im Institut ankomme. Da wir, wie gesagt, ein Großraumbüro sind, läuft man sich natürlich gerade in der Früh immer über den Weg und so gibt es vermutlich mehr morgendlichen Austausch als bei anderen Bürosituationen.

HdM: Wer war Ihr Lieblingsprof an der HdM und warum?

Brigitte Döllgast: Das ist schwer zu sagen - auch weil es schon so lange her ist. Ein Professor, der mich (und viele andere meiner Goethe-Kollegen) lange in unserem Berufsleben begleitet hat, ist Professor Wolfram Henning, der als ausgewiesener Spezialist für Bibliotheksarchitektur von vielen Goethe-Instituten zu Vorträgen eingeladen wurde. Was ich besonders schön finde ist, dass ich auch heute noch Kontakte zu Professoren an der HdM habe, die ich im Laufe meines Berufsleben kennengelernt habe. Inge Simon oder Cornelia Vonhof sind für mich heute genauso wichtige Ansprechpartner, wie es die Professoren während meiner Studienzeit waren.

HdM: Welche Vorlesung ist Ihnen am meisten hängen geblieben und warum?

Brigitte Döllgast: Das wird wohl die Vorlesung sein, in der uns zum ersten Mal ein Computer gezeigt wurde! Ich kann mich an den Namen des Professors nicht mehr erinnern und auch der Titel der Veranstaltung ist mir entfallen. Aber das Szenario war ziemlich lustig, denn der ganze Hörsaal war voll mit Studenten und auf dem Podium thronte ein Computer. Das ist die Zukunft, meinte der Professor. Und damit hat er ja wohl Recht behalten.

HdM: Was würden Sie anders machen, wenn Sie noch einmal Student wären?

Brigitte Döllgast: Ich würde versuchen sehr viel mehr Kontakte mit Leuten zu knüpfen, die bereits im Berufsleben stehen. Sei es, dass man auf Konferenzen Kontakte knüpft, dass man Leute einfach anschreibt, wenn man sie als Experten für eine bestimmte Fragestellung identifiziert hat. Praktika sind ja immer sehr zeitaufwändig. Ich finde es sollte mehr projektspezifische Praktika geben, die an ein einzelnes Projekt gebunden sind und womöglich gar keine (dauernde) Anwesenheit vor Ort erfordern. Projektbezogenes Mentoring ist meiner Meinung nach sehr viel sinnvoller als gießkannenmäßige Praktikumsbetreuung. Mit Kollegen in den USA versuchen wir gerade so ein Programm für projektspezfische Praktika aufzusetzen.

HdM: An was arbeiten Sie gerade?

Brigitte Döllgast: Wir haben gerade ein großes Literaturfestival hinter uns, bei dem wir sechs deutschsprachige Autoren dem New Yorker Publikum präsentiert haben. Im Jahr 2011 hatten wir eine mobile Webseite zu "German Traces New York City" erstellt - ein Projekt das so viel Aufmerksamkeit bekommen hat, dass wir immer noch Nachfragen dazu bekommen. In einer Skype Konferenz möchte die Wayne State University in Detroit etwas über unsere Erfahrungen damit wissen, vor allem mit der "Augmented Reality" App, die wir dabei eingesetzt haben. Hauptsächlich bin ich aber mit der Fortsetzung eines Projektes beschäftigt, das wir im Jahr 2012 begonnen haben: unter dem Titel "The En d(s) of the Library" haben wir vier Künstler und Künstlergruppen eingeladen, sich mit dem Sinn und Zweck, der Zukunft und den Möglichkeiten der Bibliothek zu beschäftigen. Dabei geht es nicht nur um die internationale Zusammenarbeit von Institutionen, Archiven und Bibliotheken, sondern auch um die Zugänglichkeit und den Erhalt von Materialien. Ja, und dann muss ich meinen Vortrag vorbereiten, den ich über das Projekt auf dem Bibliothekartag halte und den Artikel schreiben, der dazu in BuB erscheinen wird. Langsam muss ich mich um meinen Umzug kümmern. Ab 1. Oktober leite ich die Bibliothek des Goethe-Instituts in Johannesburg. Das ist zwar noch lange hin, aber die Umzugsverordnungen des Goethe-Instituts sind ein diffiziles Labyrinth von Formularen und Termine. "Never a dull moment", wie man hierzulande so schön sagt.

 

Katharina Großwendt

VERÖFFENTLICHT AM

05. März 2013

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